c) Chinesische Chemie-Chancen

Die Volksrepublik China befindet sich auf einem "langen Marsch" an die Spitze der Weltwirtschaft. Dazu betreibt die chinesiche Führung eine gezielte Wirtschaftsförderungs- und Ansiedlungspolitik. Erst kürzlich sorgte das milliardenschwere China-Investment der BASF für Schlagzeilen. Dabei geht es um ein 50 : 50 joint venture in Sachen Petrochemie mit dem chinesischen Chemieriesen SINOPEC am Standort Nanjing.

China auf der Überholspur
Bereits im vergangenen Jahr hat sich China bis auf Platz 4 der Weltliga der Chemienationen vorgeschoben. Der im "Reich der Mitte" erzielte Chemieumsatz von 137 Mrd. Euro konnte lediglich von den USA, Japan und Deutschland übertroffen werden. Noch vor sechs Jahren hatte Frankreich den vierten Rang inne. Während der chinesische Chemieumsatz im Jahr 1994 lediglich etwa 38 Prozent des deutschen Umsatzes ausmachte, waren es zehn Jahre später bereits fast 97 Prozent. Dieser Entwicklung liegt eine Dynamik zu Grunde, die dafür sorgen dürfte, dass auch Deutschland demnächst überholt wird. An den in dem Schaubild auf Seite 8 dargestellten Veränderungsraten des Chemieumsatzes ist der rasche Aufholprozess ablesbar.
Das Schaubild zeigt jedoch auch, dass die chinesische Chemie seit dem Jahr 2001 abnehmende Wachstumsraten zu verzeichnen hat. Zwischen 2003 und 2004 konnten in anderen Teilen der Welt, vor allem auf dem Gebiet der EU-25, stärkere Umsatzsteigerungen generiert werden.

Chinesischer Weltmarktanteil steigt
Dennoch hat die dynamische Entwicklung in China der letzten Jahre bereits dafür gesorgt, dass sich auch die Marktanteile am Weltchemieumsatz zu Gunsten der Volksrepublik verschoben haben. Während der chinesische Anteil am Weltchemieumsatz im Jahr 1994 noch 3,6 Prozent betrug, lag er im letzten Jahr schon bei 7,7 Prozent. Diese Entwicklung ging zu Lasten der anderen Marktteilnehmer. Deutschlands Weltmarktanteil sank in zehn Jahren um 1,6 Prozentpunkte auf 8 Prozent, der Japans sogar um 5,9 Punkte auf 10,4 Prozent. Der Anteil der USA ist um 2,4 Punkte auf 23,4 Prozent geschrumpft.
Obwohl China mittlerweile viertgrößter Chemieproduzent ist, kann es den Bedarf aus eigener Kraft nicht decken. Denn in der Volksrepublik stieg der Chemieverbrauch in den letzten zehn Jahren noch stärker als die heimische Produktion.

Wachstums-Boom
Der immens gestiegene Bedarf an Chemieprodukten ist Folge der boomenden chinesischen Wirtschaft insgesamt. Diese ist in den Jahren von 2000 bis 2004 um durchschnittlich 8,5 Prozent pro Jahr gewachsen. Vor allem die expandierende Automobil- und Textilindustrie, typische Abnehmer von Chemieprodukten, sorgen dafür, dass fast ein Drittel des Chemiebedarfs durch Importe gedeckt werden muss.

Höherer Importbedarf
Ausgehend von dem Jahr 1994 mit dem Import chemischer Produkte von rund 15 Mrd. Euro stieg dieser Wert innerhalb der folgenden neun Jahre um jährlich über zehn Prozent an. Obwohl bereits viele ausländische Chemieunternehmen ihren Betrieb in China aufgenommen und so zu einer verbesserten Marktversorgung beigetragen haben, waren im Jahr 2004 Chemieimporte im Wert von 44 Mrd. Euro nötig, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Dieser steigende Importbedarf wird anhalten. Denn der Markt für chemische Erzeugnisse in China wird weiter expandieren. Hierfür spricht allein schon die hohe Bevölkerungszahl und der Nachholbedarf im Konsumbereich. Der Aufbau weiterer Chemiekapazitäten ist damit ebenfalls vorprogrammiert.

Investitionensanreize ...
Der Wirtschaftsboom in China bietet vor allem auch für die deutschen Chemieunternehmen Chancen, um erweiterte Wachstumspotenziale erschließen zu können.
Günstige Rahmenbedingungen wie der Aufbau wichtiger Abnehmerindustrien, aber auch Kostenvorteile bieten ein positives Investitionsklima. So liegen etwa die durchschnittlichen industriellen Chemie-Arbeitskosten je Stunde in China bei einem Euro und damit um Größenordnungen niedriger als z. B. in Deutschland (siehe Seite 6). Darüber hinaus sind die Markteintrittsbarrieren niedriger, so z. B. die Genehmigungsverfahren wesentlich kürzer als in Europa. Aus diesem Grund wird nicht nur in Anlagen für einfache Produktionsprozesse, sondern vermehrt auch in Fabriken für die Herstellung von Erzeugnissen mit hoher Wertschöpfung und in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen investiert.

... und Hemmnisse
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das größte Problem für China ist die chronische Energieknappheit. Auch der 25 Mrd. teure Drei-Schluchten-Staudamm ist derzeit nicht in der Lage, Engpässe in der Stromversorgung zu verhindern. Darüber hinaus ist die schwache Infrastruktur in China ein weiteres Hemmnis. Transportwege wie das Straßen- und Schienennetz sind schlecht ausgebaut oder stark überlastet. Steigende Umweltbelastungen kommen hinzu. Die soziokulturellen Unterschiede Chinas tragen ein Übriges dazu bei.
Dennoch wird das Reich der Mitte für Chemie-Investoren und Exporteure auch in Zukunft von großem Interesse sein.

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