Wellblech-Konjunktur

Ein diffuses, wenig transparentes Bild stellt sich derzeit den Konjunkturbeobachtern und -kommentatoren dar. Fast taglich machen widerspruchliche Meldungen die Runde:
- So zeigt der ZEW-Konjunkturindikator für den August ein uber Erwarten deutliches Plus, wahrend sich kurze Zeit später der ifo-Konjunkturklimaindex gegenuber den Vormonaten wieder verschlechtert hat.
- Der GFK-Konsumklimaindex weist derzeit erstmals wieder nach oben, wahrend gleichzeitig die private Nachfrage vor sich hin dumpelt.
- Der Olpreis hat auf den internationalen Markten inzwischen die 70 Dollar-Marke je Barrel touchiert, wahrend gleichzeitig die Inflationsrate nach vorlaufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes für den August 2005 mit 1,9 vH auf bemerkenswert niedrigem Niveau liegt.
- Der Motor der Weltwirtschaft, die amerikanische Konjunktur, hat nach wie vor Schubkraft, während gleichzeitig die Sorgen über die Auswirkungen von Naturkatastrophen (Hurrikan Katrina) und vor einem Platzen der "Immobilien-Blase" an Gewicht gewinnen.

Chemie:
Konsolidierung im zweiten Quartal

In dieser Situation befindet sich auch die Chemiekonjunktur in einer "ambivalenten" Phase. Nach einem deutlichen Rückgang des Geschaftsklimas und der Geschaftserwartungen bis zur Jahresmitte weist nunmehr sowohl der Klima- als auch der Erwartungsindikator wieder nach oben. Allerdings zeigt sich, dass das zweite Quartal insgesamt
schlechter verlaufen ist als das erste Quartal dieses Jahres. Nach einem "Zwischenhoch" zeigt sich nunmehr eine "Konjunktur-Delle". Das Schaubild auf Seite 6 verdeutlicht dies anhand der Entwicklung von Umsatzen und
Auftragseingängen. Diese sind zur Ausschaltung von kurzfristigen Schwankungen in einem saisonbereinigten gleitenden Drei-Monats-Durchschnitt dargestellt.

Kaum Preisspielräume

Auffallig ist dabei auch, dass die Entwicklung der Chemie-Erzeugerpreise in außerordentlich ruhigen Bahnen läuft. Die Erzeugerpreise sind zuletzt sogar wieder leicht zuruck gegangen. Offenbar ist die Überwälzung der stark gestiegenen Rohstoffpreise, insbesondere im Bereich der Weiterverarbeitung und im Endverbrauch nicht oder nur
teilweise gelungen, was notwendigerweise zu einem Druck auf die Ertragsmargen geführt haben muss.

Halbjahres-Bilanz

Dennoch kann sich die Halbjahres-Bilanz fur die deutsche chemische Industrie durchaus "sehen lassen". Der Gesamtumsatz einschließlich der handels- und fachfremden Umsätze belief sich auf 76,1 Mrd. Euro. Das sind 8,1 vH mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Aber auch hier zeigt sich, dass das zweite Quartal nicht mehr an
die guten Ergebnisse des ersten Quartals herangekommen ist. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: mit 8,7 vH ist der Auslandsumsatz nach wie vor die "konjunkturelle Stütze". Aber auch der Inlandsumsatz hat mit einem Plus von 7,4 vH gegenüber dem Vorjahr erkennbar Boden gutgemacht. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass trotz nach wie vor schwach tendierender Konsumnachfrage die chemische Industrie als Vorlieferant für andere heimische
exportintensive Branchen profitieren konnte. Insgesamt stellt sich die Umsatzentwicklung in der chemischen Industrie deutlich günstiger dar als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt (+3,8 vH). Offen bleibt, ob dies ein Anzeichen für einen neuen Konjunkturzyklus oder nur eine temporäre Aufwärtsentwicklung im Rahmen einer wellblechartig verlaufenden Seitwärtsbewegung ist.

Basis-Effekte

Für letztere Hypothese spricht, dass von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland auch im zweiten Halbjahr kaum expansive Effekte ausgehen durften. Zudem muss sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr
an der deutlichen Aufwärtsbewegung im zweiten Halbjahr letzten Jahres messen lassen. Dies dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass bei einer tendenziell seitwärts laufenden Konjunkturentwicklung in den folgenden Monaten die Zuwachsraten im Vorjahresvergleich weiter zurückgehen werden. Der Verband der
Chemischen Industrie (VCI) hält jedenfalls an seiner Wachstumsprognose von etwa 2,5 vH für den Jahresdurchschnitt 2005 fest.

Entgeltzuwächse

Die Bruttolohn- und -gehaltsumme in der chemischen Industrie lag im ersten Halbjahr 2,2 vH höher als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, in der Pro-Kopf-Rechnung waren es sogar 3,5 vH und damit deutlich mehr
als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt (+1,3 vH). Dies dürfte insbesondere auf verbesserte Einmalzahlungen und Jahresleistungen derjenigen Unternehmen zuruckzuführen sein, deren wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gut verlaufen ist und die ihre Mitarbeiter an dieser Entwicklung beteiligt
haben.

Beschaftigungsabbau abgeschwächt

Deutlich abgeschwächt hat sich zudem der Beschäftigungsrückgang. Nach einem struktur- und outsourcingbedingten Minus von 4,1 vH (2004) belief sich der Rückgang im ersten Halbjahr 2005 noch auf 1,3 vH. Das war sogar weniger als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt, wo es einen Beschäftigungsrückgang von 1,4 vH gab.

In besserer Verfassung

Alles in allem signalisieren die aktuellen Konjunkturindikatoren, dass sich die Grundkonstitution der Chemie-Unternehmen im Schnitt verbessert hat. Die Chemie-Unternehmen haben weiter "abgespeckt" und
"Muskelmasse" aufgebaut. Ob sich diese aber in wirtschaftliche Kraft und konjunkturelle Energie im weiteren Jahresverlauf umsetzt oder ob dies gegebenenfalls erst im nächsten Jahr der Fall sein wird, ist nach
wie vor mit einem Fragezeichen zu versehen.

Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Wellblech-Konjunktur.pdf 211,6 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87