Unsere Meinung:Heiße Phase

Die Chemie-Tarifrunde 2005 hat Fahrt aufgenommen. Nach der Serie der regionalen Auftaktverhandlungen, die am 23. Mai begonnen haben, ist mit der ersten Verhandlung auf Bundesebene am 7. Juni in Hannover die entscheidende Phase eingeleitet worden.

Konträre Standpunkte

In den regionalen Verhandlungen haben Gewerkschaft und Arbeitgeber versucht, eine gemeinsame Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Chemie als Basis für die Suche nach einem Tarifkompromiss herzustellen. Das war außerordentlich schwierig, da beide Seiten von konträren Standpunkten ausgehen. Die IG BCE beharrt darauf, dass die seit der zweiten Jahreshälfte 2004 zu beobachtende Erholung in der Chemie ein stabiler Aufschwung sei, der eine kräftige Erhöhung der Realeinkommen der Chemie-Arbeitnehmer rechtfertige.

Unternehmen in der Kostenklemme

Die Chemie-Arbeitgeber haben demgegenüber auf die vielfach gespaltene Chemiekonjunktur und die große Bandbreite spartenmäßiger Unterschiede hingewiesen. Sie haben erneut deutlich gemacht, dass die guten Ergebnisberichte der großen, international tätigen Chemie-Unternehmen nicht repräsentativ sind. Insbesondere die mittelständischen Unternehmen geraten immer stärker in eine Kosten- und Ertragsklemme. Sie müssen zum Teil exorbitante Rohstoffkosten-Steigerungen verkraften. Eine Weitergabe in den Preisen auf dem deutschen Binnenmarkt ist angesichts der Konjunkturflaute kaum möglich.

Unsicheres Umfeld

Inzwischen haben sich die Anzeichen bestätigt, dass der moderate Chemie-Aufschwung nur ein Zwischenhoch war, das sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte verflüchtigt. Viele Unternehmen berichten bereits über Auftragsrückgänge. Der Optimismus, der in der deutschen Wirtschaft noch Anfang des Jahres vorhanden war, verflüchtigt sich zusehends. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich massiv verschlechtert. Er ist bereits im vierten Monat in Folge rückläufig. Hinzu kommen jetzt die psychologischen Auswirkungen der vorgezogenen Bundestagswahl. Die sich überschlagenden politischen Entwicklungen verbreiten Unsicherheit. Sie verstärken die ohnehin bereits abwartende Haltung der Wirtschaft und der Verbraucher
(siehe Konjunkturbericht auf Seite 2).

Die Tarifparteien der chemischen Industrie dürfen sich von diesen Vorgängen nicht beeinflussen lassen. Wahlkampfgetöse, Polemik und Polarisierung dürfen auf die Chemie-Tarifrunde nicht übergreifen. Bisher ist dies einigermaßen gelungen.

In der Chemie-Tarifrunde steht viel auf dem Spiel. Die Verteilungsfrage für 1.900 Chemie-Unternehmen und 550.000 Beschäftigte mit einer jährlichen Brutto-Entgeltsumme von 25 Milliarden Euro muss gelöst werden. Nach wie vor unverändert steht das Forderungspaket der IG BCE im Raum. Zu den von ihr geforderten Reallohn-Erhöhungen, einer verbindlichen tariflichen Altersvorsorge, und einer weiteren Steigerung des Ausbildungsangebots kommt die sogenannte Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern hinzu. Dies könnte zum Stolperstein der diesjährigen Tarifrunde werden. Denn die Arbeitgeber haben eindeutig klar gemacht, dass ein Tarifbonus für Gewerkschafter für sie nicht in Frage kommt. Sie fordern ihrerseits einen stabilitätsorientierten Abschluss, der gerade auch von den vielen mittelständischen Unternehmen dauerhaft bezahlt werden kann.

Konfliktpotenzial ist also ausreichend vorhanden. Bei der entscheidenden zweiten Bundesverhandlung am 16. Juni ist die Kompromissfähigkeit beider Seiten aufs Äußerste gefordert.

Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Info_06_05_Seite1.pdf 48,9 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87