2.Konjunkturentwicklung:Chemie unter Öldruck

Zur Einordnung der wirtschaftlichen Lage einer Branche eignen sich verschiedene Vergleichsdaten. Dies sind vor allem wichtige Wirtschafts-Indikatoren wie z. B. Umsatz, Produktion, Preise und Entgeltentwicklung, die mit den Daten anderer Branchen im Zeitablauf verglichen werden können.

Wie ein vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) zusammengestelltes Situationsbild zeigt, weist die chemische Industrie bei nahezu allen betrachteten Indikatoren (vergleiche Tabelle) ungünstigere wirtschaftliche Ergebnisse auf als z. B. die Metall- und Elektroindustrie.

Dies ist zu einem wesentlichen Teil auf die gestiegenen Rohstoff- und Erdölpreise zurückzuführen. Sie schlagen auf die Chemie als Grundstoffproduzenten besonders direkt und schnell durch.

Beiden Wirtschaftszweigen ist gemeinsam, dass die betrachteten Indikatoren 2004 positive Vorzeichen ausweisen. Dies indiziert für beide eine konjunkturelle Erholung im vergangenen Jahr. Die Betrachtung des Indikators "Umsatz mit dem Ausland" verdeutlicht zudem, dass die konjunkturelle Erholung des vergangenen Jahres im wesentlichen "Export-getrieben" war.

Export-Impulse
So stieg in der chemischen Industrie der Umsatz mit dem Ausland um immerhin 7,3 vH auf 75,6 Mrd. Euro. Noch ausgeprägter war der konjunkturelle Impuls allerdings in der Metall- und Elektroindustrie mit einem Anstieg um 9,3 vH. Während der Inlandsumsatz in der Chemie 2004 mit 0,7 vH die Stagnationsmarke nur knapp übertraf, expandierte der Inlandsumsatz der Metall- und Elektroindustrie demgegenüber mit einer Rate von 5,5 vH.

Im Ergebnis hat dies dazu geführt, dass gemessen am Gesamtumsatz die Metall- und Elektroindustrie mit einem Plus von 7,4 vH im vergangenen Jahr deutlich besser abgeschnitten hat als die chemische Industrie, die nur einen Zuwachs von 4,1 vH erzielen konnte.

Produktions-Differenzen
Der Vergleich der Produktionsindizes signalisiert darüber hinaus sowohl auf mittlere Sicht als auch in der kurzfristigen Betrachtung, dass auch hier die chemische Industrie dem M+E-Bereich unterlegen ist. So stieg der Produktionsindex in den letzten vier Jahren vom Basiswert 100 auf 104,6, in der M+E-Industrie dagegen auf 106. Dies bestätigt sich auch im Vorjahresvergleich. Die Produktion in der Metall- und Elektroindustrie expandierte um 3,8 vH, in der chemischen Industrie waren es nur 2,5 vH.

Erzeugerpreise unter Rohstoffeinfluss
Lediglich bei dem Erzeugerpreisindex schneidet die chemische Industrie etwas besser ab. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die chemische Industrie in weit überdurchschnittlichem Maße von ölstämmigen Rohstoffen als Vorprodukte abhängig ist.
Klammert man die ölabhängigen Bereiche aus (organische Grundstoffe und Polymere), sind die Chemieerzeugerpreise sogar um 0,4 vH gesunken. Das heißt: Viele Chemieunternehmen konnten die gestiegenen Rohstoffkosten nicht weitergeben.

Überdurchschnittliches Entgeltniveau
Wie ein Vergleich der Bruttolohn- und -gehaltssumme je Beschäftigten in beiden Wirtschaftszweigen zeigt, sind die Durchschnittsverdienste in der Chemie mit 3.727 Euro höher als bei M+E mit 3.354 Euro. Auch die prozentuale Entwicklung der Effektiveinkommen war mit 2,3 vH gegenüber 2,0 vH überdurchschnittlich.

Bruttoreallohnsicherung
Bezogen auf diese Durchschnittszahlen wird deutlich, dass in beiden Bereichen eine Sicherung der Bruttorealeinkommen erreicht werden konnte, da die Inflationsrate mit einem Plus von 1,7 vH unterhalb der Anstiegsraten der jeweiligen Effektivverdienste lag. Das Bruttoreallohnplus in der M+E-Industrie lag bei +0,3 vH. In der chemischen Industrie betrug es +0,6 vH.

Fazit:
Gemessen an den betrachteten Indikatoren Produktion, Umsatz, Preise und Entgelte steht die Metall- und Elektroindustrie besser da als die chemische Industrie.

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