3. Neue Dimension:Deutsche Bachelor und Master

Aufgrund der "Bologna-Beschlüsse" der EU-Staaten sollen bis 2010, also bereits in fünf Jahren, einheitliche europäische Studienabschlüsse gelten. Die deutschen Hochschulen werden dann zunehmend vor der Notwendigkeit stehen, deutsche Diplomabschlüsse durch Bachelor- und Masterabschlüsse zu ersetzen. Dieser Prozess gewinnt in Europa bereits erhebliche Dynamik. Deutschland tut sich noch schwer damit. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) hat im Rahmen seiner Führungskräfte-Strukturerhebung 2004 auch die Verbreitung von deutschen Bachelor- und Masterabschlüssen in der chemischen Industrie untersucht.

Geringe Verbreitung in der Chemie
Antworten kamen von 519 Unternehmen, was bezogen auf die Gesamtunternehmenszahl im Organisationsbereich des BAVC einem Beteiligungsgrad von etwa 28 vH entspricht. Damit lassen sich erstmals einigermaßen fundierte Aussagen zum Thema deutsche Bachelor und Master in der chemischen Industrie treffen.
Gefragt, ob in den Unternehmen Bachelorabschlüsse von deutschen Fachhochschulen bzw. Universitäten bekannt sind, antworteten 35 vH mit ja, 48 vH hatten ungefähre Vorstellungen, und bei 16 vH war der deutsche Bachelor gänzlich unbekannt. 16 Unternehmen (3 vH) hatten zum Zeitpunkt der Umfrage am 1. Juli 2004 bereits Bachelor mit deutschem Abschluss eingestellt, 96 vH, also die überwiegende Mehrheit, hatte dies nicht getan.
Auch zahlenmäßig sind die deutschen Bachelor in der chemischen Industrie nur "sporadisch" vertreten. Nur je 5 im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich, 17 im kaufmännischen Bereich, insgesamt also
27 deutsche Bachelor förderte die Umfrage zu Tage. Diese sind überwiegend in mittleren und größeren Unternehmen anzutreffen.
Auf die Frage, ob die Einstellung von Bachelor mit deutschen Abschlüssen geplant sei, ergibt sich ein gespaltenes Bild. Ein Fünftel (20 vH) bejaht dies für die Zukunft, ebenfalls ein Fünftel (21 vH) verneint dies. Mit 59 vH ist eine absolute Mehrheit der antwortenden Unternehmen in dieser Sache noch unschlüssig.

Mangelnder Bekanntheitsgrad
Bei den Absolventen mit deutschem Masterabschluss stellte sich die Situation vergleichbar dar: Der Bekanntheitsgrad des deutschen Masters entspricht dem des Bachelors. 5 vH der antwortenden Unternehmen haben Bachelor mit deutschem Abschluss eingestellt, während 94 vH dies bislang nicht getan haben.
Zum Zeitpunkt der Umfrage waren 53 Absolventen mit deutschem Masterabschluss in der chemischen Industrie beschäftigt, 14 von ihnen als Naturwissenschaftler, 7 als Techniker und 26 als Kaufleute.
Auch hier wieder der gleiche Befund, sogar noch ausgeprägter: In Kleinunternehmen sind Master nicht vertreten, ihre Zahl nimmt mit steigender Betriebsgröße zu.
Bei der Frage nach zukünftigen Einstellungen von Absolventen mit deutschem Masterabschluss entspricht das Bild dem bei den Bachelorabsolventen. Ein Fünftel der befragten Unternehmen plant solche Einstellungen, ein weiteres Fünftel plant dies nicht. Auch hier sind knapp 60 vH der befragten Unternehmen unentschieden.

Hochschulen organisieren um
Die geringe Zahl von eingestellten Bachelor- und Masterabsolventen mit deutschem Abschluss mag zunächst verwundern. Sie ist allerdings vor dem Hintergrund zu sehen, dass zurzeit nur knapp 2 vH aller Absolventen von deutschen Universitäten und Fachhochschulen einen Bachelor- oder Masterabschluss haben. Die Hochschulrektorenkonferenz hat mitgeteilt, dass es derzeit bundesweit insgesamt je rund 1.300 Bachelor- und Masterstudiengänge gibt. Dies sind erst etwa ein Viertel aller Studienmöglichkeiten.

Zunehmende Studentenzahlen
Die Gesellschaft deutscher Chemiker (GDCh) hat jedoch ermittelt, dass der Anteil der Studienanfänger in Bachelorstudiengängen im Fach Chemie an Universitäten im Jahr 2003 bei 14,5 vH lag, im Bereich Biochemie an Universitäten waren es 18 vH. Im Fach Chemie und Chemieingenieurwesen an Fachhochschulen begannen 12 vH aller Studienanfänger an einem Bachelorstudiengang. Das heißt, dass in Zukunft die Absolventenzahlen erheblich steigen werden, zumal immer mehr Universitäten und Fachhochschulen ihr Studienprogramm komplett an dem international üblichen Bachelor- und Masterstatus orientieren. Im Hinblick auf den einheitlichen europäischen Hochschulraum 2010 ist der Zug dorthin nicht nur abgefahren, sondern hat bereits Fahrt aufgenommen. Die Unternehmen der chemischen Industrie sind gut beraten, sich rechtzeitig auf diese Situation einzustellen.

Herausforderungen für Personalpolitik
Aus den Umfragedaten des BAVC lässt sich der Schluss ziehen, dass der Informationsstand der Firmen bezüglich deutscher Bachelor- und Masterabschlüsse noch unzureichend ist. Dies konstituiert einen Informationsauftrag, insbesondere auch für die Chemie-Organisationen. Die Chemiefirmen werden zu prüfen haben, in welchen Bereichen Absolventen mit Bachelor- und Masterabschlüssen eine Beschäftigung finden können, wie sie in die Unternehmenshierarchie zu integrieren sind und welche Karrierepfade ihnen offen stehen. Hier eröffnet sich eine wichtige Aufgabe für die betriebliche Personalpolitik. Andererseits stellt sich insbesondere für solche Firmen, die gute Kontakte zum Hochschul- und Fachhochschulbereich haben, die Aufgabe, ihren Bedarf und inhaltliche Anforderungen an Bachelor- und Masterstudiengänge zu formulieren und aktiv in die Gestaltung dieser Studiengänge einzubringen. Dies bietet eine gute Chance, geeignete Profile mitzuentwickeln. Insbesondere bei berufsbegleitenden Studiengängen eröffnet sich die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter auf mittlere Sicht zu fördern und an das Unternehmen zu binden.

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