1. Unsere Meinung zur Wirtschaftslage:Bittere Wahrheiten

Zum Jahresbeginn sind die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland alles andere als eindeutig. So haben die Wirtschaftsforschungsinstitute der Reihe nach ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2005 zurückgenommen. Dagegen verbreitet die Bundesregierung Optimismus und interpretiert erste Anzeichen für ein Anziehen der Inlandsnachfrage als Beginn des Aufschwungs. Die Freude erscheint jedoch verfrüht. Die Kostenprobleme des deutschen Sozialstaats, die auch Kostenprobleme der Firmen sind, stellen sich als schwerwiegende Hypothek dar. Die Hartz-Reformen wirken noch längst nicht. Die Arbeitslosigkeit ist zum ersten Mal seit der Nachkriegszeit auf über 5 Millionen gestiegen. Weitere 1,5 Millionen Menschen stecken in öffentlich finanzierten Förder- und Qualifizierungsmaßnahmen. Die Kosten dafür müssen von einer immer schmaler werdenden Basis von Beschäftigten und Unternehmen aufgebracht werden. Der Wirtschafts- und Arbeitsminister hat denn auch eingeräumt, die "bedrückende Wahrheit" am deutschen Arbeitsmarkt werde nunmehr deutlich. Eine weitere Wahrheit: Ein nachhaltiger Abbau der Arbeitslosigkeit werde nicht durch Hartz IV, sondern nur durch ein kräftiges Wirtschaftswachstum gelingen.

Gespaltene Konjunktur

Die wirtschaftliche Lage ist jedoch gespalten. Die Exportindustrie erzielt Rekorderfolge. Sie tut das nicht wegen, sondern eher trotz der Rahmenbedingungen in Deutschland. Der Binnenmarkt dümpelt vor sich hin. Die Unternehmen im Inland stehen unter einem enormen Kostendruck, können diesen jedoch nicht in ihren Preisen ausgleichen.
In der chemischen Industrie haben erstmals nach drei Jahren Stagnation die Produktion und der Umsatz angezogen. Deutlich erkennbar ist jedoch auch hier die Spaltung zwischen Inlands- und Auslandskonjunktur. Unternehmen, die auf den internationalen Märkten tätig sind, können über ein erfreuliches Geschäft berichten. Für viele mittlere und kleine Firmen, die auf den deutschen Inlandsmarkt angewiesen sind, gilt dies nicht.

Strukturelle Kostenprobleme

Erhebliche Probleme haben die Pharmaunternehmen. Die gesetzlichen Maßnahmen zur Gesundheitsreform wirken sich für sie zum Teil ruinös aus. Zahlreiche Unternehmen, die Produkte für die Bauindustrie liefern, leiden unter der anhaltenden Flaute auf dem Bausektor. Chemie- Zulieferer für die Automobilindustrie haben wegen Preiskampf und Nachfrageschwäche in diesem Markt zum Teil existentielle Probleme.
In der Chemie können erste positive Konjunktursignale und Gewinnmeldungen einiger Großunternehmen nicht die langfristige strukturelle Kostenproblematik verdecken. Die hohen Arbeitskosten der deutschen Chemiebeschäftigten erweisen sich im internationalen Wettbewerb zunehmend als Nachteil. Ein steigender Teil der Wertschöpfung findet im Ausland statt. Das ist eine natürliche Reaktion der Unternehmen, die wettbewerbsfähig und im Markt bleiben wollen. Eine negative Folge davon ist jedoch die Erosion der Chemie-Beschäftigung am Standort Deutschland. Diese Sorgen der Unternehmen landen als Frühwarnzeichen gerade auch bei den Arbeitgeberverbänden und müssen ernst genommen werden. Dies gilt insbesondere auch für die bevorstehende Chemie-Tarifrunde 2005.

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