Reformbedarf: Deutsche stöhnen unter Steuerlast

Das EMNID-Institut stellte Ende September bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des BAVC fest, dass die Steuer- und Abgabenbelastung für die deutschen Bürger inzwischen zu einem Kardinalproblem geworden ist. 57 vH aller Befragten in West- und Ostdeutschland geben an, dass ihre Steuer- und Abgabenbelastung an der Grenze des Verkraftbaren liegt.

Für die berufstätigen Menschen, die die Hauptlast bei Steuern und Abgaben tragen, ist die Lage noch gravierender. Bei zwei Dritteln von ihnen (67 vH) ist die Belastungsgrenze erreicht. Für 18 vH aller Befragten ist diese Grenze bereits überschritten. In Ostdeutschland ist der Anteil noch höher. Dort können 26 vH die Belastung mit Steuern und Abgaben nicht mehr tragen. Nur insgesamt ein Fünftel aller deutschen Befragten und sogar nur 14 vH der Berufstätigen bezeichnen ihre Steuern- und Abgabenbelastung als erträglich. Die Umfrage offenbart im Herbst 2004 eine erdrückende Steuer- und Abgabenlast, der sich insgesamt 85 vH der berufstätigen Deutschen ausgesetzt fühlen. Diese kollektive Mißstimmung offenbart die Kehrseite des Sozialstaats.

Vor dem Hintergrund dieser negativen Einschätzung der Bürger arbeiten Parteien und Wissenschaft deshalb an Steuer-Reformmodellen.

Vier Reformkonzepte
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat vier dieser Reformkonzepte (siehe Kasten) untersucht. Trotz unterschiedlicher Ausgestaltung ist jedes von ihnen besser als der Status quo. Sie machen Investitionen lohnenswerter, ohne die Steuergerechtigkeit aus den Augen zu verlieren.

Prinzip Vereinfachung
Alle Reformentwürfe zielen darauf ab, das komplizierte und dadurch intransparente Einkommensteuerrecht strikt zu vereinfachen, indem die Anzahl der Gesetze und Verordnungen sowie die vielfältigen Ausnahme- und Sonderregelungen in Form von Steuervergünstigungen verringert werden. Am weitesten geht der Entwurf des ehemaligen Verfassungsrichters Paul Kirchhof. Nach seinem Vorschlag sollen alle von ihm aufgespürten 163 Steuerschlupflöcher abgeschafft werden. Der größte Stolperstein für das Kirchhof-Modell dürfte sein, dass es einen Steuerausfall von 11 bis 26 Milliarden Euro im Jahr produziert.

Prinzip Investitionsfreundlichkeit
Eine preisgünstigere Alternative liefert der Sachverständigenrat (SVR) mit seinem Konzept der "dualen Einkommensbesteuerung". Es betont das Primat der Vereinfachung zwar nicht ganz so stark wie das Modell von Kirchhof, ist aber dafür genauso investitionsfreundlich. Die Variante der Wirtschaftsweisen kostet den Fiskus "nur" 1,4 bis 4,1 Milliarden Euro - und dürfte nicht zuletzt deshalb größere Chancen haben, realisiert zu werden.

Prinzip Verteilungsgerechtigkeit
Auch die anderen Steuermodelle sind vor allem in punkto Verteilungsgerechtigkeit konkurrenzfähig:

Beim CDU/CSU-Sofortprogramm ist die Entlastung für die Bezieher kleinerer Einkommen prozentual am größten. Fast ein Drittel der Steuerschuld wird ihnen erlassen.

Bei der FDP werden selbst Mini-Bezüge steuerlich stärker entlastet als beim Sachverständigenrat.

Die Reformmodelle

Das Kirchhof-Modell:
Danach gibt es nur noch einen Steuersatz von
25 Prozent für alle - den Privatmann wie die Kapitalgesellschaft. Fast alle Steuerbefreiungen und Gestaltungsmöglichkeiten werden abgeschafft.

Der FDP-Vorschlag:
Die Liberalen wollen bei der Einkommensteuer einen Stufentarif von 15, 25 und 35 Prozent.
Die Körperschaftsteuer beträgt einschließlich Gewerbesteuer 35 Prozent.

Gemeinschaftstarif von CDU/CSU:
Der linear-progressive Tarif arbeitet mit einem Eingangssteuersatz von 12 Prozent; der Spitzensteuersatz soll auf 36 Prozent begrenzt werden. Die heutige "Flatrate" bei der Körperschaftsteuer von 25 Prozent bleibt bestehen. Langfristig soll die Gewerbesteuer wegfallen.

Sachverständigenrat:
Die Kapitaleinkommen sollen - inklusive Gewerbesteuer - mit einheitlich 30 Prozent versteuert werden, die übrigen Einkünfte mit 15 bis 35 Prozent, wobei ein progressiver Tarif greift.

Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Info_12_04_Reformbedarf.pdf 30,8 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87