Chemiker-Arbeitsmarkt: Bremsspuren

Naturwissenschaftler hatten es im vergangenen Jahr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit lag sogar über dem durchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit aller Akademiker. Gleichzeitig war der Stellenrückgang für Naturwissenschaftler höher als im Durchschnitt aller akademischen Berufe. Auch die Chemiker machen dabei keine Ausnahme. Zu diesem wenig tröstlichem Ergebnis kommt die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in ihrer Analyse des Arbeitsmarkts für hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte (Jahresbericht 2004).

Konjunktureinfluss

Die ZAV führt den Anstieg der bei ihr registrierten arbeitslosen Chemiker um 15,3 vH auf 4.223 und einen um über 10 vH rückläufigen Stellenzugang (1.071 angebotene Stellen) vor allem auf die schwierige wirtschaftliche Situation zurück. Dies betraf nicht nur den Bereich der Chemie, sondern auch die Pharmaindustrie, die Biotechnologie und die Lebensmittelindustrie. Auch die finanziellen Engpässe im öffentlichen Dienst haben zu einem deutlichen Rückgang des Stellenangebotes geführt.

Ältere besonders betroffen

Ein Viertel der Bewerber war jünger als 35 Jahre. Die 35- bis 45-Jährigen stellten rund 31 vH der Stellensuchenden. Den größten Anteil machten die Bewerber aus, die älter als 45 Jahre alt waren. Da in den letzten Jahren die Zahl der Absolventen im Fach Chemie, verglichen mit früheren Jahren, deutlich niedriger ausgefallen war, ist erklärlich, dass jüngere Bewerber seltener von Arbeitslosigkeit betroffen waren.

Schwerpunkte Labor und Beratung

In der Mehrzahl kamen die Stellen, die den deutschen Arbeitsagenturen gemeldet
wurden, aus dem Dienstleistungsbereich (22,4 vH). Hierzu zählten Labordienstleistungen ebenso wie Beratungstätigkeiten, aber auch Tätigkeiten für Zeitarbeitsfirmen. Stellenangebote aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie waren mit
14,5 vH vertreten, die Angebote aus der übrigen Industrie mit 13 vH. Ebenfalls recht häufig wurden Chemiker für Tätigkeiten an Hochschulen und im Unterricht (13 vH) sowie in der Forschung und Entwicklung
(10,9 vH) gesucht. Zu 11,6 vH kamen die Offerten aus der öffentlichen Verwaltung, etwa aus Veterinärämtern, der Lebensmittelaufsicht oder aus Krankenhäusern. In kleiner Zahl waren auch Stellen bei Verbänden und Interessenvertretungen zu besetzen (2,8 vH).

Praxis und Sozialkompetenz gefragt

Die Fachqualifikationen, die die Arbeitgeber verlangten, waren oft sehr spezifisch und abhängig vom jeweiligen Einsatzgebiet. Zugleich legten einige Arbeitgeber aber auch großen Wert auf eine fächerübergreifende Qualifikation. Wichtig war durchgehend, dass das Wissen der Bewerber anwendungsbezogen sein sollte. Kenntnisse der metallorganischen Chemie, der chemisch-physikalischen Analytik oder der Oberflächenchemie waren ebenso gefragt wie das Wissen über molekular-biologische Arbeitstechniken, spektroskopische Methoden und das Datenbankmanagement für klinisches Monitoring. Für die Bewerber erwies es sich von Vorteil, wenn sie über Berufserfahrung und Produkt- und Branchenkenntnisse verfügten. Auch Kenntnisse im Projektmanagement, im Marketing oder zu EU-Vorschriften waren gefragt. EDV- und BWL-Kenntnisse wurden von den Arbeitgebern oft vorausgesetzt. Besonders großen Wert legten sie auf die Fremdsprachenkenntnisse und die regionale und zuweilen weltweite Mobilität der Bewerber. Für einige Einsatzbereiche (Forschung, Vertrieb) wurde ausdrücklich die Promotion verlangt. Schließlich waren die Unternehmen an Bewerbern interessiert, die über ein hohes Maß an Sozialkompetenz verfügten. Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Kommunikationsstärke, Kundenorientierung und selbstständiges Arbeiten wurden als Kriterien immer wieder genannt.

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