Unsere Meinung zur Chemie-Tarifrunde: Vor der Entscheidung

Nach den Feierlichkeiten zur Ost-Erweiterung geht die EU nun zur Tagesordnung über. Wirtschaftlich gesehen ist die Erweiterung ohnehin längst auf dem Weg. Dies geht aus Unternehmensumfragen in verschiedenen Branchen, so auch der chemischen Industrie hervor (siehe Informationsbrief 4/2004). Allerdings wird sich die verschärfte Konkurrenz auf die Standorte und Arbeitnehmer auswirken. Vor allem Deutschland mit seinem hohen Lohnkosten-Niveau wird davon betroffen sein.

Europäischer Kostenwettbewerb

In der laufenden Chemie-Tarifrunde spielt das Thema eine besondere Rolle. Bei den regionalen Auftakt-Verhandlungen in den einzelnen Tarifbezirken hat die Arbeitgeberseite wiederholt Beispiele für die Probleme des scharfen Kostenwettbewerbs in Europa zitiert. Nicht selten entscheiden Kostenunterschiede, die im Centbereich pro Produkteinheit liegen, ob ein Unternehmen im Markt bleibt. Das zwingt die Unternehmen dazu, zunehmend ausländische Standorte und Anbieter gerade auch in den östlichen Beitrittsländern in ihre Kalkulation einzubeziehen.
Diese Kostenzwänge für die Chemie-Unternehmen sind zwar nichts Neues. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Entwicklung in jüngster Zeit verstärkt hat. Immer mehr arbeitsintensive Produkte müssen aus Kostengründen in Deutschland aufgegeben werden. Dies ist einer der Gründe für die tendenziell rückläufige Beschäftigung in der chemischen Industrie.

Die Chemie-Arbeitskosten in Deutschland liegen nach wie vor im internationalen Vergleich an der Spitze. Der Anteil des Standortes Deutschland am Welt-Chemiemarkt hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Die höheren Arbeitskosten, die geringeren Renditen und die fehlende Wachstumsdynamik verstärken die Abwanderungstendenzen.

Von gewerkschaftlicher Seite wird behauptet, der Versuch, über die Tarifpolitik mit dem östlichen Lohn-Niveau in Wettbewerb zu treten, sei wegen der großen Abstände von vornherein aussichtslos. Diese Betrachtungsweise ist gefährlich, wie ein Zahlenbeispiel zeigt. Die Chemie-Tarife sind seit dem Jahr 2000 um insgesamt 10,6 vH angestiegen. Dies entspricht einem Personalkostenplus von rund 1 Mrd. Euro für die Unternehmen der Branche.
Das zeigt: Die jährlichen Tariferhöhungen sind deshalb wettbewerbsrelevant, weil sie sich schon in wenigen Jahren zu erheblichen Kostenblöcken summieren. Dabei kommt es auch auf jedes Zehntel hinter dem Komma an. Umgekehrt haben kleine Tarifschritte eine deutlich entlastende Wirkung. Nicht nur deshalb ist in den am 6. Mai auf Bundesebene weiter laufenden Verhandlungen besonderes Augenmaß erforderlich. Die Chemie-Unternehmen benötigen in der gegenwärtigen Flautephase einen Tarifabschluss, der verkraftbar ist und einen Beitrag dazu leistet, die Chancen für den dringend erforderlichen Aufschwung faktisch und psychologisch zu verbessern. Das unsichere Umfeld der Tarifrunde 2004 und die wirtschaftliche Lage verlangen aus Sicht der Chemiearbeitgeber deshalb dringend eine Atempause bei den Lohnkosten.

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