Konjunktur-Frust

Kommt er, oder kommt er nicht? Und wenn er kommt, wie stark wird er sein? Immer mehr Wirtschaftsforscher und Konjunktur-Experten stellen sich die Frage, ob es wirklich zu einem nachhaltigen Konjunktur-Aufschwung kommen wird.

Optimismus bröckelt
Die aktuellsten Daten, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit seinem Indikator "Konjunktur-Erwartungen auf Sicht von sechs Monaten" im April veröffentlicht hat, signalisieren, dass der Konjunktur-Optimismus ganz erheblich abgebröckelt ist. Lag der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung im Januar noch bei einem Wert von 72,9, ist er kontinuierlich zurückgegangen und im April mit einem Wert von 49,7 auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr zurückgefallen. Die zunehmende "Konjunktur-Frustration" wird auf die negativen Daten zur Industrieproduktion und zu den Auftragseingängen zurückgeführt. Auch der anhaltend steigende Ölpreis hat die Konjunktur-Aussichten verdüstert. "Die weitere Konjunktur-Erholung in diesem Jahr ist noch nicht gesichert" sagt ZEW-Präsident Professor Dr. Wolfgang Franz.

Chemie-Erwartungen abgekühlt

Auch in der chemischen Industrie hat sich Raureif auf das erste Grün konjunktureller Besserung gelegt. Nachdem sich die Konjunktur-Erwartungen Ende letzten Jahres kontinuierlich erhöht und im Januar und Februar dieses Jahres bei einem Positiv-Saldo von 35 stabilisiert hatten, gab es im März und April einen Rückschlag auf einen Saldo-Wert von nur noch 20. Dies erinnert in fataler Weise an die Entwicklung früherer Jahre, nach dem der "Jahresanfangsoptimismus" im weiteren Jahresverlauf jeweils auf der Strecke geblieben ist. Die positiven Erwartungen hatten sich also nicht bestätigt. Ähnliches zeichnet sich nun auch im laufenden Jahr ab. Dieser Befund steht in Übereinstimmung mit der diesjährigen Konjunktur-Umfrage des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC), der zufolge nur 22 vH der befragten Unternehmen mit einer positiven Entwicklung ihrer Branchen rechnen, wohingegen 78 vH davon ausgehen, dass die prekäre wirtschaftliche Situation weiter bestehen bleibt oder sich gar noch verschlechtert.

Auftragseingänge ohne Impulse

Aus dem "Frühindikator" Auftragseingänge lässt sich ebenfalls keine konjunkturelle Verheißung ableiten. Im Gegenteil: Im saisonbereinigten gleitenden Drei-Monatsdurchschnitt liegt der Index der realen Auftragseingänge zu Beginn dieses Jahres sogar wieder unter 100, d. h. unter dem Wert des Basisjahres 2000. Auch dieser Indikator zeigt an, dass zu Jahresanfang 2004 die konjunkturellen Hoffnungen einen deutlichen Dämpfer erhalten haben.

Reallohn-Plus ...

Trotz Chemie-Konjunkturflaute sind die Bruttoreallöhne je Beschäftigten im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Bei einem Pro-Kopf-Entgeltplus von 2,6 vH und einer Inflationsrate von 1,1 vH verbleiben effektiv und real als Steigerung 1,5 vH, was durch Produktivitätszuwachs nicht legitimiert war. Das "Produktivitäts-Plus" in der chemischen Industrie betrug nämlich nur 0,1 vH. Ein realer Verteilungsspielraum hat also nicht bestanden. Die dargestellte Diskrepanz muss sich früher oder später negativ auf die Beschäftigungsentwicklung auswirken. Im Januar und Februar 2004 ist die Chemiebeschäftigung regelrecht eingebrochen. Diese Tendenz hatte sich bereits im zweiten Halbjahr 2003 angedeutet.

Und das ist das "Setting" wichtiger Konjunktur-Indikatoren in den ersten beiden Monaten dieses Jahres:
- Beschäftigung: -3,4 vH
- Umsatz: -3,4 vH
- Erzeugerpreise: -0,6 vH

Eine konjunkturelle Besserung in der chemischen Industrie ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Sowohl gesamtwirtschaftlich als auch chemiewirtschaftlich sind die konjunkturellen Risiken offensichtlich wieder größer geworden.

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