Export-Weltmeister Deutschland: Standort fällt zurück

Anders als die aktuellen Meldungen über eine vermeintliche Export-Weltmeisterschaft Deutschlands suggerieren, ist die Weltmarktposition Deutschlands nicht leicht zu bestimmen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Ursache: Währungsverschiebung

Allein der jüngste Höhenflug des Euro hat den Wert der deutschen Euro-Ausfuhren, der in den internationalen Statistiken in US-Dollar umgerechnet ausgewiesen wird, rein rechnerisch nach oben getrieben. In Euro gerechnet dürften die deutschen Waren- und Dienstleistungsexporte 2003 laut Sachverständigenrat aber nur um 1,1 vH zugelegt haben - statt um gut 20 vH auf Dollar-Basis. Die starke europäische Währung verteuert deutsche Produkte außerhalb des Euro-Raums und wird dadurch auf längere Sicht tendenziell die Exportkonjunktur abbremsen.

Durchlaufende Posten

Um zu erfassen, wie sich Deutschland im internationalen Güteraustausch positioniert, müssen noch zwei weitere außenwirtschaftliche Entwicklungen näher unter die Lupe genommen werden:
Der Außenhandel beschränkt sich schon lange nicht mehr auf den Transport eines fertigen Produktes von A nach B. Nicht alle an ein anderes Land verkauften Erzeugnisse werden dort auch verbraucht. Ein beträchtlicher Teil der weltweiten Im- und Exporte besteht vielmehr aus Vorleistungslieferungen - Produktbestandteile also, die auf unterschiedlichen Fertigungsstufen durchaus mehrmals die Grenzen überschreiten und die Ein- und Ausfuhrmengen so aufblähen.
Dieser Trend zeigt sich auch, wenn grenzüberschreitende Warenlieferungen und Wertschöpfung zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.

Im Jahr 2002 beliefen sich die deutschen Warenexporte auf 111 vH der im produzierenden Gewerbe erbrachten Wertschöpfung. Es wurden also mehr Produkte exportiert, als überhaupt erzeugt wurden, d. h. vieles von den Warenlieferungen des "Export-Weltmeisters" Deutschland muss vorher in anderen Ländern zugekauft worden sein. 1950 lag dieser Wert in Westdeutschland lediglich bei 14 vH. Der deutsche Export dient somit immer stärker als Drehscheibe für Produktbestandteile ausländischer Zulieferer.

Standort- oder Unternehmenssicht

Die Position der deutschen Wirtschaft im globalen Wettbewerb kann darüber hinaus auf zweierlei Weise gemessen werden:

Weltmarktanteil des Standortes D

Dabei geht es um die Erlöse, die im Inland ansässige Unternehmen auf den internationalen Märkten erzielen - also um alles, was hierzulande hergestellt und verkauft wird. Dabei spielt es dann keine Rolle, ob die beteiligten Firmen in deutscher oder ausländischer Hand sind. Produkte von ausländischen Standorten deutscher Unternehmen werden aber nicht mitgerechnet.

Weltmarktanteil deutscher Firmen

Dies ist der globale Anteil der von "deutschen" Betrieben erwirtschafteten Umsätze - unabhängig von ihren jeweiligen Standorten. Hier zählen Produkte von Töchtern deutscher Konzerne im Ausland mit, nicht jedoch die Wertschöpfung von Betrieben ausländischer Konzerne in Deutschland.

Diese beiden Größen können sich unterschiedlich entwickeln, wie nicht zuletzt auch das Beispiel der chemischen Industrie zeigt: Hier ist der Anteil in Deutschland ansässiger deutscher Unternehmen am weltweiten Branchenumsatz seit 1991 von 6,5 vH auf 4,7 vH gesunken. Die angesiedelten Töchter ausländischer Firmen am Standort Deutschland haben ebenfalls Umsatzanteile eingebüßt. Der Gesamtanteil des Standorts Deutschland am Chemie-Welthandel hat sich somit von 10,5 vH auf 7,3 vH verringert.

Die Auslandsniederlassungen deutscher Betriebe hingegen schnitten 2001 besser ab als zehn Jahre zuvor. Sie haben inzwischen einen höheren Anteil am Weltumsatz als
ihre deutschen Mutterstandorte.

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