EMNID-Repräsentativumfrage: Deutsche fürchten internationale Konkurrenz

Die öffentliche Debatte über den sozialen Reformstau und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hat sichtbare Spuren im kollektiven Selbstgefühl der Deutschen hinterlassen. Ihr Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit ist offensichtlich erschüttert.
- Zwei Drittel aller Deutschen empfinden die neue Konkurrenz in Europa durch den EU-Beitritt der osteuropäischen Länder im Jahr 2004 als bedrohlich.
- Eine Mehrheit von 59 vH der Bevölkerung ist der Auffassung, dass die Deutschen wieder länger arbeiten und beim Lohn Verzicht üben müssen, wenn sie im internationalen Wettbewerb wieder nach vorne wollen. Noch vor 2 Jahren war dies genau umgekehrt: Damals meinte eine Mehrheit, die Deutschen könnten so weitermachen wie bisher.
- Zur Lösung der deutschen Arbeitsmarktprobleme befürworten die Bürger mehrheitlich (55 vH) die Alternative "längere Arbeitszeiten bei gleichem Geld" statt "Lohnkürzung bei gleicher Arbeitszeit."

Das sind Ergebnisse einer demoskopischen Repräsentativumfrage, die das EMNID-Institut im Auftrag des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) durchgeführt hat.

Die Umfrage mit dem Thema "Reformpolitik - Generationsvertrag - Sozialstandards im Wettbewerb"
wurde im November abgeschlossen.

Befragt wurde eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe von 2.070 Personen in Ost- und Westdeutschland. Der BAVC veröffentlicht abschließend den zweiten Teil der Untersuchung. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Neue Konkurrenz
durch Beitrittsländer

Frage: "Durch die Osterweiterung gibt es demnächst in der Europäischen Union Länder, in denen Produkte gleicher Qualität weit billiger hergestellt werden können als in Deutschland. Was ist hier Ihre Meinung? Empfinden Sie diese neue Konkurrenz in Europa als bedrohlich oder macht sie Ihnen keine Sorgen?"
Zwei Drittel (67 vH) aller Deutschen empfinden der Umfrage zufolge die neue Konkurrenz in Europa als bedrohlich. Besonders kritisch sehen dies die befragten Arbeiter. Drei Viertel von ihnen (75 vH) sehen in den Beitrittsländern eine bedrohliche Konkurrenz. Auch die Befragtengruppe der Selbstständigen sieht die Osterweiterung kritisch. 69 vH gehen von einer bedrohlichen Konkurrenz aus. Weniger besorgt sind die Beamten. Von ihnen macht sich eine Mehrheit (55 vH) keine Sorgen wegen der neuen Konkurrenz in Europa.

Sozialstandards im Wettbewerb

Frage: "Zum sozialen Standard in Deutschland zählen neben den weltweit höchsten Lohnkosten die vergleichsweise kürzesten Arbeitszeiten und der längste Jahresurlaub für Arbeitnehmer. Wie ist Ihre Meinung zu den folgenden Aussagen, welcher Aussage würden Sie eher zustimmen?"
59 vH der Befragten sind der Auffassung, dass die Deutschen wieder länger arbeiten und beim Lohn Verzicht üben müssen, wenn sie im internationalen Wettbewerb wieder nach vorne kommen wollen. Dagegen glaubt eine Minderheit von 38 vH, dass die Deutschen mit dem jetzigen Lohnniveau und ihren Arbeitszeiten im internationalen Wettbewerb weiterhin bestehen können. Gegenüber dem Jahr 2001, als die gleiche Frage gestellt wurde, hat sich die Bevölkerungsmeinung ins Gegenteil verkehrt. Damals meinte noch eine Mehrheit, dass die Deutschen mit ihren Löhnen und Arbeitszeiten international wettbewerbsfähig seien. Der Meinungsumschwung ist praktisch durchgängig in allen Bevölkerungsgruppen festzustellen. Besonders deutlich ist es bei den Angestellten und Selbstständigen. Sie sind zu 60 vH bzw. 71 vH der Auffassung, dass die Deutschen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit wieder länger arbeiten und beim Lohn Verzicht üben müssten. Auch Arbeiter (55 vH) und Gewerkschaftsmitglieder (54 vH) sind mehrheitlich dieser Meinung.

Der Umfrage zufolge halten die Deutschen in Ost und West mittlerweile eine Revision der Sozialstandards und Standortbedingungen für erforderlich.

Längere Arbeitszeiten
statt Lohnverzicht

Frage: "Angenommen, alle anderen Mittel zur Erhaltung und Schaffung der Arbeitsplätze wären ausgeschöpft. Was wäre ihrer Ansicht nach am ehesten akzeptabel?"
Der Umfrage zufolge befürwortet eine deutliche Mehrheit von 55 vH aller Befragten längere Arbeitszeiten (z. B. wieder 40 Stunden) bei gleichem Geld. 42 vH der Befragten sind für Arbeitszeiten wie bisher, bei Einfrieren (oder in Notfällen absenken) der Löhne für einen gewissen Zeitraum. Arbeiter und Angestellte unterscheiden sich in dieser Frage kaum. Jeweils 57 vH und 54 vH von ihnen favorisieren längere Arbeitszeiten bei gleichem Geld. Dies gilt auch für die befragten Gewerkschafter (53 vH). Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass von der Bevölkerung ein Reformansatz mit verlängerter Arbeitszeit unter Beibehaltung der Löhne am ehesten akzeptiert würde.

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87