Chemiekonjunktur:Aufschwung vertagt

Aus konjunktureller Sicht dürfte das Jahr 2003 für die chemische Industrie "gelaufen" sein. Zwar haben sich die "weichen Indikatoren" wie z. B. die ifo-Geschäftserwartungen in den letzten Monaten gebessert, was sich in den "harten Fakten" bislang jedoch noch nicht niedergeschlagen hat. So ist für den weiteren Jahresverlauf allenfalls mit
einer moderaten Erholung zu rechnen. Die Hoffnungen auf einen Aufschwung müssen in das nächste Jahr vertagt werden.

Umsatz leicht im Plus
In der Halbjahresbilanz erreichte der Gesamtumsatz der chemischen Industrie einschließlich Handels- und fachfremder Umsätze 68,5 Mrd. Euro, was einem Plus von 1,5 vH im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002 entspricht. Allerdings sind in der monatlichen Betrachtung zur Jahresmitte Minusraten zu verzeichnen gewesen. Der Umsatzanstieg ist zudem nicht durch Mengenwachstum begründet, sondern beruht auf einem Anstieg der Erzeugerpreise, der im Halbjahresdurchschnitt bei 2,8 vH lag. Dieser resultiert wiederum aus der teilweisen Weitergabe der gestiegenen Rohstoffpreise, wobei sich vom ersten zum zweiten Quartal wieder eine gewisse Beruhigung ergeben hat. So betrug der Erzeugerpreisanstieg im ersten Quartal - im Wesentlichen rohstoffkostenbedingt - 3,3 vH, während die Rate im zweiten Quartal auf 2,3 vH zurückgegangen ist.

Chemieproduktion stagniert
Die Chemieproduktionsdaten lassen nicht erkennen, dass sich die konjunkturelle Situation verbessert hätte. Im Gegenteil: der saisonbereinigte Produktionsindex zeigt im ersten Halbjahr - im Vorjahresvergleich - lediglich Stagnation. Dabei ist wiederum in saisonbereinigter Rechnung das zweite Quartal sogar noch schlechter ausgefallen (0 vH) als das erste Quartal (+0,1 vH).

Entgelt und Beschäftigung
Die Bruttolohn- und -gehaltsumme in der chemischen Industrie ist im ersten Halbjahr 2003 um 3,2 vH auf 10,1 Mrd. Euro gestiegen. Der Pro-Kopf-Anstieg lag bei 3,1 vH. Diese Daten reflektieren im Wesentlichen die bis weit in das erste Halbjahr hinein reichende Tariferhöhung von 3,3 vH aus dem Vorjahr sowie einen geringeren Anstieg der übertariflichen Entgeltbestandteile. Die Beschäftigungsentwicklung hat sich aller konjunkturellen Probleme zum Trotz stabilisiert.
Im ersten Halbjahr 2003 waren in der chemischen Industrie im Durchschnitt 464.900 Mitarbeiter (amtliche Abgrenzung) beschäftigt. Dies entsprach einem leichten Anstieg von 0,1 vH.
Dabei gab es bei den gewerblichen Arbeitnehmern einen leichten Rückgang um 0,3 vH auf 209.000, während der Bereich der Angestellten um 0,5 vH auf 255.900 angewachsen ist. Dies bestätigt den langfristig zu beobachtenden Trend einer zunehmenden Angestellten- und einer rückläufigen Arbeiterquote.

Verhaltener Ausblick
Nach Auffassung der Chemie-Arbeitgeber wird das Jahr 2003 für die deutsche chemische Industrie schwierig bleiben. Ihre kritische Konjunktureinschätzung während der Tarifrunde hat sich damit bestätigt. Dies gilt selbst dann, wenn sich im weiteren Jahresverlauf die erwartete leichte Verbesserung des Chemiegeschäftes einstellen sollte. Das Produktionsniveau des Vorjahres wird allenfalls nur knapp übertroffen werden (Schätzung: +0,5 vH). Bei den Erzeugerpreisen ist im weiteren Jahresverlauf im Zusammenwirken mit einer weiterhin verhaltenen Nachfrage und einem abflauenden Kostendruck bei den Rohstoffen mit Rückgängen zu rechnen, so dass im Jahresdurchschnitt sich der Chemie-Erzeugerpreisanstieg bei 2 vH begrenzen wird.
Unter diesen Voraussetzungen würde der Gesamtumsatz der deutschen chemischen Industrie um etwa 2,5 vH zulegen können, wobei die wesentlichen Impulse weiterhin aus dem Ausland kommen - ein Verlaufsmuster, das auch aus früheren Konjunkturzyklen bekannt ist.

Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Info_01-04_2.pdf 66,9 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87