Unsere Meinung zur Chemie-Tarifrunde 2003: Krisenstimmungen

Die Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland sind in jüngster Zeit weiter zurückgenommen worden. Dies gilt sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für die chemische Industrie. Die deutsche Wirtschaft stagniert. Sogar das Abrutschen in eine Rezession wird nicht mehr ausgeschlossen.

Auch in der Chemie haben sich die Prognosen nach unten entwickelt. Lag die Einschätzung für das Gesamtwachstum der Chemie im Jahr 2003 noch vor wenigen Wochen bei knapp unter 2 vH, so gehen die Experten inzwischen davon aus, dass in diesem Jahr höchstens noch ein Wachstum von 1 vH erreichbar ist. In diesem Fall könnte allenfalls noch ein Umsatzzuwachs von 1 1/2 bis 2 vH erreicht werden. Ein Aufschwung ist derzeit nicht in Sicht.

Insgesamt ist die Stimmung in der Branche gedämpft. Die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung - vor allem im nahen Osten - bestimmen das Meinungsklima. Die Ölpreise sind in den letzten Wochen in Erwartung eines Kriegs im Irak kräftig gestiegen. Weiter steigende Ölpreise werden sich vor allem auf die Konjunktur in der chemischen Industrie negativ auswirken, denn sie nutzt Erdöl gleichzeitig als Rohstoff und als Energieträger. Sie kann die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten schon in der gegenwärtigen Verfassung der Wirtschaft nicht weitergeben.

In dieser krisenhaft geprägten Situation geht die chemische Industrie am 20. März als erster großer Wirtschaftszweig in die Tarifrunde 2003 für die rund 580.000 Beschäftigten der Branche. Es ist deutlich, dass in diesem Jahr kein "business as usual" möglich sein wird. Kostenprobleme stehen noch stärker im Vordergrund als in früheren Jahren. Der Tarifabschluss des Jahres 2002 hat sich mit 3,3 vH im Nachhinein als zu hoch erwiesen. Der erhoffte Chemie-Aufschwung ist im letzten Jahr ausgeblieben, und jetzt wird deutlich, dass sich die Chemiekonjunktur auch in diesem Jahr in einer labilen Verfassung befinden wird. Die Tarifparteien müssen das berücksichtigen und dabei einen Abschluss finden, der die Kostensituation der Chemieunternehmen nicht zusätzlich zu den negativen externen Faktoren weiter verschärft.

Die Tarifpolitik und der von ihr verantwortete Teil der Personalkosten und Arbeitsbedingungen ist einer der wenigen Hebel, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze entscheidend beeinflusst werden kann. Deshalb stehen in diesem Jahr auch Akzeptanz und Glaubwürdigkeit der Tarifpolitik auf dem Prüfstand. Das Flächentarifsystem wird nur dann Bestand haben, wenn Tarifabschlüsse vereinbart werden, die auch von den schwächeren Mitgliedsunternehmen im Flächentarifvertrag auf Dauer verkraftet werden können. Die Tarifparteien haben es in der Hand, das dringend nötige positive Signal zu setzen.

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