Zum Hintergrund der Chemie-Tarifrunde 2003: Aufschwung adieu

Die diesjährige Chemie-Tarifrunde findet vor dem Hintergrund erneut enttäuschter Hoffnungen der Branche statt.
Nach einem unbefriedigenden Jahr 2002 wird es aller Voraussicht nach auch im Jahr 2003 keinen Chemieaufschwung geben.

Unsichere Weltkonjunktur

Die traditionell international ausgerichtete deutsche Chemie leidet derzeit insbesondere auch unter den Unsicherheiten der Weltkonjunktur. Nach dem unerwartet schwachen Konjunkturjahr 2002 sind nun auch die Prognosen für 2003 in allen wichtigen Volkswirtschaften schon mehrfach zurückgenommen worden. Die Prognosen für die deutsche Konjunktur sahen im letzten Frühjahr noch ein Plus von über 2,5 vH für 2003 voraus. Mittlerweile liegen die Erwartungen für die Steigerung des realen Bruttoinlandprodukts nur noch zwischen 0,5 vH und 1,0 vH.

Kapazitätsauslastung erneut rückläufig

Die Kapazitätsauslastung der deutschen chemischen Industrie ist - nach den Berechnungen des ifo-Instituts - in den letzten zwei Quartalen des vergangenen Jahres angesichts dieser gesamtwirtschaftlichen Schwäche deutlich zurückgegangen. Nach dem Anstieg des Auslastungsgrades von 81,2 vH im ersten Quartal auf 86,3 vH im zweiten Quartal brach der beginnende Aufschwung ab. In den Folge-Quartalen sank die Kapazitätsauslastung kontinuierlich und lag mit 82,4 vH im vierten Quartal nur noch knapp über dem Ausgangswert vom Jahresanfang.

Fixkostensteigerungen

Diese Unterauslastung hat zu einem Anstieg der Kapital-Fixkosten je Produkteinheit geführt. Angesichts der schwierigen Konjunktur-Situation lassen sich die gestiegenen Kosten aber nicht auf die Preise überwälzen.

Erzeugerpreise unter Druck

Der konjunkturelle Schwächeanfall hat sich vor allem auch auf die Chemie- Erzeugerpreise ausgewirkt. Im vergangenen Jahr mussten die Unternehmen der chemischen Industrie erneut einen Rückgang ihrer Absatzpreise hinnehmen. Sie lagen im Durchschnitt der Branche etwa 1 vH niedriger als noch 2001 und nur 1 Prozent über dem statistischen Basisjahr 1995.

Rohstoffkosten-Explosion

Während die Preise auf der Absatzseite im letzten Jahr zurückgenommen werden mussten, stiegen die Preise für viele Vorprodukte und Rohstoffe, insbesondere der des für die chemische Industrie wichtigen Rohöls, in atemberaubendem Tempo. Der Preis für ein Barrel Rohöl lag Ende des Jahres 2002 bei 30 US-Dollar (Jahresbeginn 2002 unter 20 US-Dollar). Der Preisanstieg setzt sich zur Zeit unvermindert fort. Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Rohstoffkosten und Absatzpreisen übt einen zunehmenden Druck auf die Erträge in weiten Bereichen der Chemie aus.

Arbeitskostenanstieg

Zusätzlich zu den dramatisch gestiegenen Rohstoffkosten haben sich auch die Arbeitskosten (u. a. durch deutlich gestiegene Sozialversicherungsbeiträge) sowie die Energiekosten (Steuererhöhungen) mehrfach erhöht. Dies hat den Druck auf die Margen in allen Bereichen der Branche noch einmal verstärkt.

Reales Tarif-Plus

Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Ertragsschwierigkeiten der chemischen Industrie sind die Tarifeinkommen der Chemie-Beschäftigten im konjunkturell schwierigen Jahr 2002 kräftig gewachsen. Die westdeutschen Tarifentgelte stiegen im Frühjahr 2002 um 3,3 vH. Ein Vergleich mit der Entwicklung des Niveaus der Verbraucherpreise zeigt, dass dieses seit dem Tarifabschluss im gesamten weiteren Jahresverlauf praktisch nicht mehr zugenommen hat. Von Frühjahr 2002 bis Februar 2003 betrug der Preisanstieg lediglich rund 1 vH. Die reale Tarifentgeltsteigerung der Beschäftigten in der Chemie-Branche lag damit bei über 2 vH.

Keine Inflationsgefahr

Die aktuellen Prognosen für das Jahr 2003 erwarten eine Preissteigerung zwischen 1,0 vH und 1,5 vH und damit eher eine weitere Abschwächung der Inflation gegenüber den vergangenen Jahren. Die Werte für die Monate Januar und Februar 2003 mit 1,1 vH bzw. 1,3 vH bestätigen diesen Trend bereits.

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