Unsere Meinung: Kosten und Konsequenzen

Vor 200 Jahren wurde Justus von Liebig, einer der bekanntesten deutschen Chemiker, geboren. Dies war mit ein Anlass, 2003 zum "Jahr der Chemie" zu deklarieren. Kaum ein Forscherleben zeigt so beispielhaft die Verknüpfung von Forschung mit ihrer wirtschaftlichen Umsetzung. Die Chemie wurde schon im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Faktor für die Wirtschaft und den Industriestandort Deutschland. Heute prägt sie das Alltagsleben in vielen Bereichen.

Mit zahlreichen Veranstaltungen wollen die Chemieorganisationen im laufenden Jahr die Faszination der Chemie, ihre Möglichkeiten und Zukunftschancen vermitteln. Vor allem in Zeiten konjunktureller und struktureller Schwierigkeiten ist es wichtig, die positive Rolle der chemischen Industrie nicht aus dem Auge zu verlieren. Unverändert bleibt sie nämlich eine Schlüsselindustrie, die mit innovativen Produkten, neuen Werkstoffen und Verfahren die Entwicklung auch in anderen Bereichen vorantreibt.

Eine andere Frage ist, ob 2003 auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein "Jahr der Chemie" wird. Die Ausgangsbedingungen sind jedenfalls nicht besonders rosig. Nachdem im vergangenen Jahr die Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung ins Jahr 2003 verschoben worden sind, wird dieser jetzt frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2003 erwartet. Er dürfte eher bescheiden ausfallen, so dass das Gesamtwachstum für das Jahr voraussichtlich nur eine "Eins" vor dem Komma haben wird.

Auf der anderen Seite wird 2003 für die Chemie ein Jahr der Kostenprobleme sein. Die Arbeitskosten sind "per Gesetz" zu Jahresbeginn gestiegen: Steuer- und Sozialabgabenerhöhungen wirken sich für die Branche mit Mehrkosten von 0,7 vH der Bruttolohn- und Gehaltssumme aus. Insgesamt müssen die Chemiefirmen jährlich 153 Millionen Euro mehr bezahlen. Zudem lastet das Risiko eines Irakkrieges auf der Branche. Er würde den Ölpreis weiter in die Höhe treiben. In Erwartung eines solchen Konfliktes ist das Ölpreisniveau ohnehin schon gestiegen. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage können die Unternehmen ihre gestiegenen Kosten schon jetzt nicht in den Preisen weitergeben.

Die Chemie geht also bereits mit Vorbelastungen in das Jahr hinein. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um weitere Kostenbelastungen zu begrenzen. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Personalkosten. Hier sind die Tarifparteien in der Pflicht. Der zur Verfügung stehende Verteilungsspielraum ist denkbar eng, wenn der Tarifabschluss des Jahres 2003 beschäftigungs- und wettbewerbsorientiert sein soll.

Eine nüchterne und ehrliche Analyse der Kostensituation als Basis für die Tarifverhandlungen ist dafür die Voraussetzung.

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