Chemie vor der Tarifrunde: Irrtümer und Korrekturen

Als im April 2002 eine 3,3-prozentige Tariferhöhung für die westdeutsche Chemie-Industrie vereinbart wurde, geschah dies vor dem Hintergrund eines vermeintlich intakten Aufwärtstrends. Nicht nur, dass die Umsätze real nach oben zeigten und die Talsohle überwunden schien, auch die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate befanden sich damals auf einem Höhepunkt.

Einvernehmlich gingen fast alle Wirtschaftssachverständigen davon aus, dass spätestens im zweiten Halbjahr 2002 der Aufschwung an Breite und Dynamik gewinnen würde - zumal in der chemischen Industrie in ihrer konjunkturellen Vorreiterrolle.

Enttäuschte Erwartungen

Tatsächlich ist es aber anders gekommen. Mit Beginn des zweiten Quartals gab es einen Trendbruch. Der Umsatz der chemischen Industrie ist Stück für Stück eingebrochen. Im Gesamtjahr 2002 wird nach Berechnungen des BAVC der Umsatz in nominaler Rechnung um etwa 0,7 vH niedriger liegen als im Vorjahr. Nimmt man den Rückgang der Erzeugerpreise um etwa 0,8 vH hinzu, errechnet sich für den realen Umsatz eine "schwarze Null": Die deutsche Chemie befindet sich damit in der "Stagnation". Parallel zu der rückläufigen Umsatzentwicklung haben sich auch die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate sukzessive eingetrübt.

Stimmungstief durch Politik

Die weltpolitischen Unsicherheiten und die hausgemachten Politik-Probleme wie Steuer- und Abgabenerhöhungen, Lohnzusatzkosten-Anstieg usw. sind nicht geeignet, das Stimmungsbild aufzuhellen. Lethargie und Attentismus charakterisieren die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft. Allen Prognosen zufolge wird der notwendige Investitionsschub - das eigentliche Schwungrad für Wachstum und Beschäftigung - auch im nächsten Jahr ausbleiben. Zudem werden vor allem auch die ausländischen Investoren den Standort Deutschland vor dem aktuellen politischen Hintergrund einer noch kritischeren Überprüfung unterziehen. Wichtige Chemie-Abnehmerbranchen wie Bauindustrie, Elektroindustrie, Maschinenbau und Automobilindustrie erwarten für 2003 kaum konjunkturelle Impulse. Für einen spürbaren Aufschwung in der Chemie fehlt damit die Grundlage.

Vor diesem Hintergrund ist zweierlei zu konstatieren:
1. Der Tarifabschluss aus dem Jahr 2002 war getragen durch eine zu optimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung. Statt nach oben ging es mit der Konjunktur bergab. Der Tarifabschluss war damit nicht konjunkturgerecht und muss im Nachhinein als zu hoch bezeichnet werden.
2. Angesichts der bescheidenen Prognosen für 2003 und der anhaltenden politischen Unwägbarkeiten sind die Chemie-Tarifparteien gut beraten, diese Fehleinschätzung in der kommenden Tarifrunde zu korrigieren.  

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