Chemie-Konjunktur: Hängepartie

Die aktuelle konjunkturelle Lage der chemischen Industrie ist nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt. Die noch zu Beginn des Jahres verbreitet anzutreffende Hoffnung, es werde im Laufe des Jahres 2002 einen zügigen Aufschwung geben, ist verflogen. Das Konjunkturtal, in das die Branche seit dem zweiten Quartal 2001 langsam und nach dem 11. September 2001 immer schneller hinein gerutscht war, scheint länger zu werden als zunächst vermutet. Dies zwingt viele Unternehmen zu weiteren Restrukturierungsmaßnahmen und Kostensenkungsprogrammen.

Auch der diesjährige Tarifabschluss war noch von der Erwartung des Aufschwungs geprägt, der nicht eingetreten ist. Für das Jahr 2003 wird mittlerweile nur noch ein geringfügiges Wachstum erwartet.

Produktion leicht im Plus

Die Produktion der chemischen Industrie ist in den ersten drei Quartalen des Jahres 2002 voraussichtlich nur um knapp 2 vH gestiegen. Fast alleinige Ursache ist eine leichte Erholung zu Beginn des Jahres nach dem Produktionstiefpunkt im vierten Quartal 2001. Diese war unter anderem durch den Lagerzyklus bedingt. Weiterverarbeiter chemischer Produkte hatten in Erwartung einer baldigen Konjunkturerholung ihre Lager wieder gefüllt. Diese Hoffnungen haben sich aber nicht erfüllt. Seitdem stagniert auch die Chemieproduktion.

Umsätze deutlich rückläufig

Der Gesamtumsatz einschließlich handels- und fachfremder Umsätze ging von Januar bis einschließlich August 2002 um 3,4 vH zurück. Auch für das Gesamtjahr 2002 ist mit einer insgesamt negativen Umsatzentwicklung zu rechnen. Nachdem bereits im Jahr 2001 der Gesamtumsatz um 0,9 vH gesunken war, ist 2002 nunmehr das zweite Jahr mit rückläufigem Branchenumsatz. Für das Jahr 2003 sind ebenfalls keine nennenswerten Umsatz-Zuwächse abzusehen.

Niedrige Erzeugerpreise

Die Erzeugerpreise für den Inlandsabsatz der chemischen Industrie lagen von Januar bis August 2002 im Durchschnitt um 1,8 vH unter dem Vorjahresniveau. Im Jahr 2001 waren sie um 2 vH angestiegen. Dieser Anstieg musste damit in diesem Jahr praktisch komplett zurückgenommen werden. Dabei sind die Erzeugerpreise insbesondere gegen Ende des Jahres 2001 und in den ersten Monaten des Jahres 2002 deutlich gesunken. Seit März 2002 sind sie im Vergleich zum jeweiligen Vormonat in kleinen Schritten wieder gestiegen.

Die unbefriedigende Entwicklung der Erzeugerpreise ist insbesondere infolge der Verschlechterung der Lage der Weltkonjunktur zu sehen. Die jüngsten leichten Preisanstiege im Jahresverlauf sind dabei weniger auf gestiegene Nachfrage oder konjunkturelle Erholung, sondern vielmehr als (unzureichende) Reaktion auf die deutlich gestiegenen Preise für Rohstoffe zurückzuführen.

Seit Beginn des Jahres 2002 ist vor allem der Preis für Rohöl im zweistelligen Prozentbereich angestiegen. Dieser gestiegene Preis wirkte sich auch entsprechend auf die Rohöl-Folgeprodukte aus. Für den weiteren Jahresverlauf bis Ende 2002 wird allgemein nicht mit einem Ende des Rohölpreisanstiegs gerechnet.

Erträge unter Druck

Die signifikant gestiegenen Rohstoff-Kosten in Verbindung mit der unzureichenden Möglichkeit, diese Steigerungen der Kosten in den Verkaufspreisen weiterzugeben, haben zu einem deutlichen Druck auf die Erträge insbesondere in den ölabhängigen Bereichen der chemischen Industrie geführt. So werden von der Branche weniger die abgesetzten Mengen als die zu erzielenden Preise beklagt.

Getrübte Erwartungen

Nachdem die Erwartungen der chemischen Industrie an die konjunkturelle Entwicklung zum Ende des Jahres 2001 und zu Beginn des Jahres 2002 im Zeichen der Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung deutlich gestiegen waren, ist der Geschäftserwartungs-Indikator des ifo-Instituts für die chemische Industrie seit März 2002 rückläufig.

Beschäftigungs-Folgen moderat

Die Zahl der Beschäftigten in der chemischen Industrie ist in den ersten acht Monaten des Jahres 2002 um 1,3 vH zurückgegangen. Dies ist einerseits der konjunkturellen Verschlechterung zuzuschreiben. Zum Anderen ist es auf fortgesetzte Outsourcing-Maßnahmen zurückzuführen: Eine ganze Reihe von Beschäftigten wurden in Dienstleistungsunternehmen überführt. Sie sind damit aus der Chemie-Statistik verschwunden.

Lohn- und Gehaltsumme

Die Bruttolohn- und -gehaltsumme der chemischen Industrie betrug in den ersten acht Monaten 2002 insgesamt 12,7 Mrd. Euro. Dies sind 2,4 vH weniger als im Jahr 2001.

Ursächlich für diese Entwicklung sind insbesondere die deutlich reduzierten Bonus- und Prämienzahlungen. (Diese werden inzwischen bei einer Reihe von Aktiengesellschaften im Zusammenhang mit der Hauptversammlung im April oder Mai ausgezahlt).

Produktivitätsentwicklung gering

Bei einer Nettoproduktionssteigerung von nur gut 2 vH im Gesamtjahr und einer leicht rückläufigen Beschäftigung wird die Produktivität der chemischen Industrie im laufenden Jahr um voraussichtlich knapp 3 vH zunehmen. Den Unternehmen ist es damit nur gelungen, den Produktivitätsrückgang aus 2001 in etwa aufzufangen. Gleichzeitig sind jedoch die Kosten für Beschäftigung und Rohstoffe weiter deutlich gestiegen.


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Hinweis: Statistikprobleme

Die in der amtlichen Statistik ausgewiesenen, zum Teil deutlich höheren Steigerungsraten der Nettoproduktion sind zurzeit durch Probleme bei der Erhebung und Verarbeitung der entsprechenden Daten durch die Statistischen Ämter begründet. Aus diesem Grund verwenden der BAVC wie auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) für das Jahr 2002 eigene Berechnungen des Produktionsindex.


Datum: 6. November 2002
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Abraham-Lincoln-Str. 24
65189 Wiesbaden
Ansprechpartner: Burkhard Jahn
Telefon: +49 611 77881-0
E-Mail: presse@bavc.de

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