Löhne und Beschäftigung

Tarifabschlüsse mit Augenmaß sind gut für den Arbeitsmarkt - das zeigen die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahrzehnte: Einer maßvollen Lohnpolitik folgte stets eine Besserung beim Stellenangebot. Bleibt der reale Arbeitskostenanstieg mittelfristig um nur einen Prozentpunkt hinter dem Produktivitätswachstum zurück, könnten in Deutschland im Lauf von fünf Jahren insgesamt rund 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Hiobsbotschaften

Die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften häufen sich dieser Tage: Schlag auf Schlag korrigieren Unternehmen ihre Umsatz- und Ertragsprognosen nach unten. Die Wirtschaftsforschungsinstitute und der Sachverständigenrat prognostizieren in ihren Gutachten für 2001 und 2002 eine deutliche Abschwächung des realen Wirtschaftswachstums. Dieser Abwärtstrend trifft auch den Arbeitsmarkt. Den Experten zufolge wird es im Jahresdurchschnitt 2001 rund 3,85 Millionen Arbeitslose geben - wenn es nicht noch schlimmer kommt. In den Wintermonaten wird die 4-Millionen-Grenze sogar wieder deutlich überschritten werden.

Ursachen-Forschung

Im Jahr 2000 war Westdeutschland mit industriellen Arbeitskosten von über
50 DM je Stunde teuerster Industriestandort der Welt - und durchschnittlich 27 Prozent teurer als die übrigen Industrieländer. Bei den großen Konkurrenten Frankreich, Großbritannien und den USA beispielsweise liegen die Vergleichswerte umgerechnet nur zwischen 35 und 43 DM.

Beispiel gebend ...

Im Rahmen des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit hatten sich die Tarifparteien auf Lohnabschlüsse mit Augenmaß verständigt - ganz im Sinne des Konzepts des Sachverständigenrats. Dessen Empfehlung: Damit die Unternehmen neue Arbeitsplätze finanzieren können, müssen die Lohnsteigerungen geringer ausfallen als der erwartete Produktivitätsfortschritt. Nur so kommen die Betriebe hierzulande wieder auf einen Wachstumspfad, der es ihnen erlaubt, neue Investitionen zu tätigen und zusätzliche Mitarbeiter an Bord zu holen.

... für moderate Entgelterhöhungen

In der Tarifrunde 2000 wurde dieser Tatsache weitgehend Rechnung getragen. In vielen Branchen kam es zu moderaten Entgelterhöhungen, zum Teil mit Laufzeiten bis zu 24 Monaten. Damit gelang es langsam aber sicher, Arbeitskosten und Arbeitsproduktivität besser in Einklang zu bringen. Immerhin nahm der überproportionale Kostendruck auf die Unternehmen in der letzten Zeit nicht weiter zu.

Die Fakten: Während sich die Arbeitskosten seit 1980 fast verdoppelten, legte die Produktivität lediglich um ein gutes Drittel zu - von 1997 bis 2000 allerdings wuchsen beide Größen weitgehend im Gleichschritt.

Erträge für Arbeitsplätze

Weil sich die Ertragslage der Betriebe dadurch stabilisierte, konnte der lange Zeit vorherrschende Arbeitsplatz-Abbau gestoppt und sogar eine Trendwende erreicht werden. Die weitgehend moderate Tarifpolitik der letzten Jahre trug dazu bei, dass die Zahl der abhängig Beschäftigten von 1997 bis 2000 um immerhin 1,3 Millionen zunahm.

Phasen-Verschiebung

Dass die Kostensituation der Unternehmen ganz entscheidend für die Beschäftigungsentwicklung ist, lässt sich auch längerfristig eindrucksvoll belegen.

- Phasen abnehmenden Kostendrucks:
In den Jahren 1983 und 1984 entspannte sich die Kostensituation spürbar - in der Folge belebte sich der Arbeitsmarkt zwischen 1984 und 1986. Ähnliche Effekte gab es Ende der achtziger Jahre oder 1993/94, als sich einem Tritt auf die Lohnbremse ebenfalls eine Verbesserung der Beschäftigungssituation anschloss.

- Phasen zunehmenden Kostendrucks:
Ihnen folgten Einbrüche bei der Beschäftigung. So drückten die Tarifabschlüsse der Jahre 1985/86, 1990/92 und 1995 auf die Ertragslage der Unternehmen - und nach jeweils ein bis zwei Jahren bekam dies der Arbeitsmarkt zu spüren.

Problem Lohnzusatzkosten

Augenmaß beweisen müssen aber nicht nur die Tarifpartner. Eine zentrale Rolle kommt auch der Bundesregierung zu, die den Kurs einer moderaten Entgeltpolitik durch einen Abbau der hohen Lohnzusatzkosten begleiten muss. Schließlich setzen sich die Arbeitskosten nicht nur aus den Stundenlöhnen zusammen, sondern auch aus den Personalzusatzkosten, die unter anderem die Sozialbeiträge der Arbeitgeber umfassen.

Um beide Fliegen - zum einen die Senkung der Steuer- und Abgabenlast, zum anderen eine maßvolle Tarifpolitik - mit einer Klappe zu schlagen, steht mit dem Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit ein Forum bereit.


Kosten-Kompass für Beschäftigung

IfW Kiel
Nach verschiedenen Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft steigt die Zahl der Arbeitsplätze innerhalb von drei Jahren um ein Prozent, wenn die Lohnsteigerungen um einen Prozentpunkt hinter dem Wachstum der Produktivität zurückbleiben.

IAB Nürnberg
Simulationsrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Bundesanstalt für Arbeit gehört, führen zu dem Ergebnis, dass 300.000 neue Arbeitsplätze entstehen, wenn die Lohnerhöhungen drei Jahre lang um jeweils einen Prozentpunkt unter dem Produktivitätsfortschritt liegen.

IW Köln
In dieser Größenordnung liegen auch die Ergebnisse, zu denen das Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, kommt: Bleibt der reale Arbeitskostenzuwachs einmalig um einen Prozentpunkt hinter dem Produktivitätsgewinn zurück, steigt die Beschäftigung binnen drei Jahren um 0,35 Prozent. Umgerechnet entspricht das immerhin einem Plus von rund 130.000 Arbeitsplätzen. Noch eindrucksvollere Impulse für den Arbeitsmarkt brächte ein längerfristiges Maßhalten: Wird drei Jahre lang Lohnzurückhaltung geübt, könnte das innerhalb von fünf Jahren für ungefähr 400.000 zusätzliche Jobs sorgen.

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