Unsere Meinung: Schwierige Zeiten

Der Vorstand der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat in einer Erklärung zur Tarifrunde 2002 auf eine hohe Erwartung der Chemiearbeitnehmer an die Entgeltverhandlungen hingewiesen. Immerhin hätten viele Unternehmen in den letzten zwei Jahren gut verdient. Andererseits könne die aktuelle konjunkturelle Entwicklung nicht ausgeklammert werden. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung werde durch eine schwierige weltwirtschaftliche Lage verstärkt. In der Tat verheißen die bislang aufgelaufenen Quartalsergebnisse der deutschen chemischen Industrie zu Beginn des Winterhalbjahres nichts Gutes.

Abwärtstrend

Die wichtigsten ökonomischen Indikatoren (vgl. Informationsbrief 9/2001) weisen nach unten:
Die Produktion ist seit längerem im Minus
Auftragseingänge und Umsätze schrumpfen
Die Stimmungslage ist gedrückt, die Erwartungen düster
Die Erträge sind - zum Teil dramatisch - unter Druck geraten.

Die Situation hat sich praktisch von Quartal zu Quartal verschlechtert. Im 4. Quartal dieses und im 1. Quartal nächsten Jahres ist ein weiterer Rückgang zu erwarten. Eine signifikante Verbesserung ist für das Gesamtjahr 2002 nicht in Sicht.

Bedenkliche Beschäftigungsindikatoren

Zur Sorge Anlass geben die Beschäftigungsentwicklung und die damit verbundenen Indikatoren. Lag das erste Quartal 2001 nur leicht im Minus ( -0,2 vH gegen Vorjahr), ist die Beschäftigung im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,6 vH und im dritten Quartal um 1,1 vH zurückgegangen. Nach der engen wirtschaftsstatistischen Abgrenzung des Bundesamtes waren in der deutschen Chemie im dritten Quartal damit nur noch 467.250 Mitarbeiter beschäftigt.
Auch die Zahl der Kurzarbeiter hat sich nach der Statistik der Bundesanstalt für Arbeit im Jahresverlauf signifikant erhöht. Von 1.784 zu Jahresanfang ist sie bis auf 8.393 im Oktober in die Höhe geschnellt. Zwar sind derzeit überwiegend kleinere Betriebe betroffen, doch sind auch schon einzelne Großunternehmen in einigen
Bereichen auf Kurzarbeit übergegangen.

Auf eine Anpassung des Beschäftigungsvolumens nach unten lässt zudem auch die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden je Arbeiter (= effektive Arbeitszeit) schließen.

Die Firmen machen darüber hinaus zunehmend von der Flexibilität der Chemietarifverträge Gebrauch und nutzen die Möglichkeiten des Arbeitszeitkorridors aus. Diese Tendenzen dürften sich in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt fortsetzen.

Lohnstückkosten-Schub

Die Lohnkosten je Produkteinheit, also die Lohnstückkosten, sind im Durchschnitt der ersten drei Quartale um immerhin 4,5 vH angestiegen, nachdem im Jahr 2000 noch eine Entlastung von 1,6 vH zu verzeichnen war. Auch hier signalisiert die quartalsweise Betrachtung Problematisches:

(Das zweite Quartal ist durch Einmalzahlungen beeinflusst.)


Produktivitätsknick

Ein spiegelbildliches Phänomen zeigt sich bei der Produktivität, definiert als Produktionsergebnis je Beschäftigten. Seit dem 2. Quartal 2001 stehen auch bei diesem Leistungsfähigkeits- und Verteilungsindikator die Zeichen "auf Sturm":


Kostenbremse

In dieser Situation tragen die Tarifparteien eine besondere Verantwortung. Der Hauptvorstand der IG BCE will am 29. Januar seine Forderungsempfehlung zur Tarifrunde 2002 beschließen. Bis dahin hat er die gewerkschaftlichen Vertrauensleute und Betriebsräte aufgefordert, mit den Gewerkschaftsmitgliedern eine intensive und breite Diskussion zu führen. Aus Arbeitgebersicht muß die oben geschilderte prekäre Lage dabei im Vordergrund
stehen.

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