Auf Bundesebene

Die Tarifverhandlungen für die rund 570.000 Beschäftigten der westdeutschen Chemieindustrie werden am 9. April in Hannover auf Bundesebene fortgesetzt. Darauf haben sich die Tarifparteien nach Abschluss der ersten regionalen Verhandlungsrunde verständigt. Anlass hierfür sind wichtige Teile der gewerkschaftlichen Forderung, die in die Zuständigkeit der Bundestarifparteien fallen. Demgemäß werden die Verhandlungen über das Gesamt-Forderungspaket vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in Hannover weitergeführt.

Umfangreiches Forderungspaket

Neben der Entgelterhöhung geht es zum einen um die Modernisierung des seit 1988 geltenden einheitlichen Bundesentgelttarifvertrags für Arbeiter und Angestellte. Die Gewerkschaft fordert hier eine Modernisierung der Entgeltgruppen und die Umwandlung der sogenannten Entgeltgarantien in tarifliche Entgeltsätze. Zum anderen fordert sie eine Weiterentwicklung der tariflichen Jahresleistung (Weihnachtsgeld), so dass bei Vorliegen positiver Unternehmensergebnisse die Beschäftigten am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Die IG BCE hat diese Forderungen in den bisherigen Verhandlungen nicht konkretisiert . Erkennbar ist aber, dass sie mit erheblichen Kostenbelastungen verbunden sind. Die Verhandlungen über das Gesamtpaket werden deshalb außerordentlich schwierig werden.

Konjunkturflaute

Eine zusätzliche Erschwernis stellt die prekäre wirtschaftliche Lage der Chemie dar. Die chemische Industrie hat seit Mitte des Jahres 2001 den stärksten Konjunktureinbruch seit vielen Jahren erlitten. Alle wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen sind negativ. Nach den bisher vorliegenden Daten wird auch das Jahr 2002 sehr schwierig werden. Eine Erholung ist allenfalls im letzten Quartal zu erwarten. In dieser Situation muss alles unterlassen werden, was die Unsicherheiten für die Chemieunternehmen erhöht. Sie sind dringend auf einen moderaten Tarifabschluss angewiesen. Diese Konstellation macht deutlich: Die Tarifrunde 2002 wird zur Nagelprobe für die Kompromissfähigkeit beider Seiten.

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