Interview mit BAVC-Präsident Dr. Rüdiger Erckel:Alles unterlassen, was den Aufschwung gefährden könnte

Dr. Rüdiger Erckel (54) ist seit Juni 2001 Präsident des BAVC. Er ist Leiter des Bereichs Chemikalien in der Boehringer Ingelheim GmbH. Im Informationsbrief-Interview äußert er sich u. a. zur Tarifrunde 2002 und zu den Aussichten für die Chemie im Jahr 2002.

IB: Sie haben frühzeitig eine moderate Chemie-Tarifrunde angemahnt. Wie beurteilen Sie den Stand nach dem ersten Verhandlungsdurchgang?

Erckel: Die bisherigen Verhandlungen sind in einer sachlichen Atmosphäre verlaufen. Für die anstehenden Themen wären Zuspitzungen auf beiden Seiten auch nicht geeignet. Die Verhandlungen werden jetzt auf Bundesebene fortgesetzt. Ich habe den Eindruck, dass wir hier auch zu vernünftigen Lösungen kommen können. Die IG BCE hat sich mit ihrer 5,5 Prozent-Forderung deutlich unterhalb der Forderungen anderer Gewerkschaften positioniert, was für mich ein Signal in Richtung der Vernunft darstellt.

IB: Die Forderung der Gewerkschaft geht ja auch in eine andere Richtung: Bundesentgelttarifvertrag modernisieren und Orientierung an Erfolg einführen. Wird das nicht ein schwieriges Paket?

Erckel: Die Frage wird sein, wo liegt die Priorität der Verhandlungspartner? Die Priorität der Arbeitgeberseite liegt sehr stark darin, eine höhere Flexibilität zu erreichen, eine stärkere Anbindung des Einkommens an das Unternehmensergebnis und auch eine stärkere Anbindung des Einkommens an Leistungsmerkmale. Es wird sicher nicht einfach, so eine Lösung zu erzielen. Mittelfristig geht aber daran kein Weg vorbei.

IB: Die Forderung der IG BCE ist vor dem Hintergrund der Entwicklung in der chemischen Industrie im vergangenen Jahr entstanden. Wie sehen Sie die Lage der Chemie im Jahr 2002?

Erckel: Es ist offensichtlich ein sehr differenziertes Bild. Alles, was mit Grundchemikalien zusammenhängt, hat nach wie vor große Schwierigkeiten. Auch Sparten wie Agrochemikalien und Polymere haben noch große Schwierigkeiten. Das einzige, was sich abzuheben scheint, sind Teile der Pharmaindustrie. Der Pharmabereich wird durch den Export und durch seine Möglichkeiten in den USA gestützt.

IB: Wo sehen Sie die Risikofaktoren in der konjunkturellen Entwicklung?

Erckel: Eine Risikoanalyse macht deutlich, dass wir stark von der US-Konjunktur abhängig sind. Dort gibt es zwar positive Signale mit der Hoffnung auf einen Aufschwung, von dem wir hier in Deutschland profitieren können. Dazu ist allerdings erforderlich, dass wir alles unterlassen, was diesen Aufschwung gefährden könnte. Als Stichwort nenne ich nur die weiter zunehmenden Regulierungsvorschriften in vielen Bereichen. Statt dessen sind Deregulierungen dringend erforderlich. Wir müssen uns außerdem bewusst sein, dass in dem politischen Umfeld, in dem wir uns befinden - ich weise nur auf den 11. September 2001 hin - noch viele Unsicherheiten vor uns liegen, die wir schwer beurteilen können.

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