Tarifrunde 2002:Stunde der Wahrheit

Mit Forderungsbeschlüssen und Empfehlungen der verschiedenen Gewerkschaften ist die Tarifrunde 2002 eingeläutet worden. Je nach Branche geht es um Forderungsvorstellungen zwischen 4,5 Prozent (Bau) und 6,5 Prozent (Metall und Elektro). Der Hauptvorstand der IG BCE hat mit seiner Forderungsempfehlung von 5,5 Prozent einen Katalog von Tarifthemen aufgelistet, die für die 570.000 Beschäftigten der westdeutschen Chemieindustrie in dieser Runde verhandelt werden sollen. Die IG BCE unterscheidet sich damit auf den ersten Blick von den überhöhten Vorstellungen anderer Gewerkschaften. Dies darf jedoch nicht täuschen. Bei ihrer Forderungsempfehlung handelt es sich um ein kostenträchtiges Paket in aufwändiger Verpackung. Die erwartete Einkommenserhöhung einschließlich der weiteren Forderungsteile zum Bundesentgelttarifvertrag enthält nicht überschaubare Kostenerhöhungen für die Chemieunternehmen. Ein derartiges Forderungsvolumen von
5,5 Prozent steht nicht im Einklang mit den wirtschaftlichen Realitäten in der Chemie.

Chemiekonjunktur eingebrochen

Die Chemiekonjunktur ist im Verlauf des Jahres 2001 regelrecht eingebrochen. Sie wird sich im Jahr 2002 - wenn überhaupt - nur langsam aus dem gegenwärtigen Tief herausarbeiten können. Die Kennzahlen sind schlechter als der Industriedurchschnitt: Umsatz, Produktion und Produktivität liegen deutlich im Minus (siehe Seite 4). In dieser Situation muss alles unterlassen werden, was die Unsicherheiten für die Chemieunternehmen vergrößert und damit auch das Beschäftigungsrisiko erhöht. Denn trotz der schlechten Lage konnte die Beschäftigung in der chemischen Industrie bisher bis auf wenige Ausgliederungsfälle im wesentlichen stabil gehalten werden. Auf der anderen Seite haben die Chemiearbeitnehmer nach dem 2-Jahres-Tarifabschluss im Jahr 2000 selbst nach Abrechnung der Inflationsrate ein Reallohnplus gehabt (siehe Schaubild auf Seite 6).

Der erfolglose Ausgang der jüngsten Sitzung des "Bündnisses für Arbeit" hat die große Verantwortung sichtbar werden lassen, die jetzt bei den Tarifparteien liegt. In der gegenwärtigen prekären Beschäftigungssituation sind sie praktisch die einzigen, die kurzfristig wirksame Impulse für Wirtschaft und Arbeitsmarkt geben können. Sie haben es in der Hand, dass daraus keine negativen Impulse werden.

Tarifparteien in der Pflicht

Schon jetzt ist deutlich, dass die Verhandlungen in dieser Tarifrunde besonders schwierig werden. Im Jahr 2002 ist das Risiko unsachgemäßer externer Einflüsse besonders groß. Die Chemie-Tarifparteien müssen davon unbeeindruckt eine nüchterne Analyse der wirtschaftlichen Lage vornehmen und daraus die richtige Schlussfolgerung für einen chemiespezifischen Tarifabschluss ziehen. Dies wird nicht einfach. Beide Seiten tragen große Verantwortung auf dem Weg zu einem akzeptablen Tarifkompromiss.

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