Wo steht die Chemie?

Wo steht die chemische Industrie zur Jahreswende 2001/2002? Wie hat sie sich im vergangenen Jahr geschlagen? Wie sind die Aussichten für das laufende Jahr? Um den konjunkturellen Standort der chemischen Industrie genauer ins Fadenkreuz nehmen zu können, ist nicht nur ein Vergleich der wichtigsten Konjunkturindikatoren im Zeitablauf nötig, sondern auch ein Vergleich der industriellen Situation insgesamt.

Statt Wachstum Abschwung

Die insgesamt positive Entwicklung der letzten Jahre hat 2001 einen deutlichen Dämpfer erhalten. Zwar werden die amtlichen Dezember-Daten und damit das vorläufige Jahresergebnis erst Mitte bis Ende Februar vorliegen: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Chemie-Produktion im abgelaufenen Jahr um etwa 2,1 vH gesunken ist. Der Höhenflug aus dem Jahr 1999 (+4,3 vH) und 2000 (+2,9 vH) hat sich damit in einen Sinkflug verwandelt. Die Folgen des 11. Septembers haben diese Entwicklung möglicherweise verstärkt, ausgelöst haben sie sie allerdings nicht: Die rezessiven Elemente waren schon vorher angelegt. So zeigt die monatliche und quartalsweise Betrachtung, dass Minus-Raten in der Produktion schon seit dem zweiten Quartal 2001 zu verzeichnen waren.

Negativ-Vorlauf

Offensichtlich hat der Einbruch der Konjunktur die chemische Industrie früher und heftiger „erwischt“ als andere Wirtschaftszweige. Während nämlich die Chemie-Produktion um über 2 vH abgesackt ist, lag das verarbeitende Gewerbe insgesamt mit einem Wachstum von 0,7 vH noch leicht im Plus. Dies deutet auf einen vorgezogenen Konjunkturverlauf hin: Üblicherweise beginnt eine konjunkturelle Abkühlung im Konsum- oder Investitionsgüterbereich und schlägt dann auf den Grundstoffbereich zurück, während letzterer in der Regel der konjunkturelle Frühstarter ist. Dieses Muster hat sich offenbar "verkehrt": Den Rezessionsgeleitzug führt der Grundstoffbereich an, in dem die chemische Industrie eine zentrale Rolle spielt.

Umsatz-Einbußen

Nicht nur die mengenmäßige Produktion ist zurückgegangen, auch wertmäßig ist es im vergangenen Jahr zu Einbußen gekommen. Der Gesamtumsatz der chemischen Industrie einschließlich Handels- und fachfremder Umsätze ist um einen vollen Prozentpunkt auf gut 261 Mrd. DM zurückgegangen. Auch dieser Indikator bestätigt den konjunkturellen Befund: Das verarbeitende Gewerbe insgesamt verzeichnete einen Umsatzanstieg von rund 3,3 vH.

Leistungs-Abfall

Ein ebenso signifikanter Umschwung hat sich bei der Produktivität, gemessen am Produktionsergebnis je Beschäftigten, ergeben. Lag die Produktivität 2000 noch bei einem Plus von 4,5 vH, führte die konjunkturelle Abschwächung im vergangenen Jahr zu einem Minus bei der Produktivität in einer Größenordnung von 1,4 vH.
Die Lohnkosten je Produkteinheit, also die Lohnstückkosten, haben in diesem Kontext deutlich Auftrieb bekommen: Um immerhin 4,5 vH liegen diese über dem Niveau des Jahres 2000. Auch bei diesen Indikatoren ist ein "Dreh" im Jahresverlauf offensichtlich. So waren es insbesondere das dritte und vierte Quartal, die den Jahresdurchschnitt "verhagelt" haben. Auch diese verteilungspolitisch relevanten Indikatoren zeigen, dass die chemische Industrie deutlich stärker als die Industrie insgesamt in die Konjunkturflaute geschlittert ist.

Lohn-Plus

Die Effektiv-Einkommen in der chemischen Industrie, gemessen an der Bruttolohn- und -gehaltsumme je Beschäftigten, sind im vergangenen Jahr um 3,0 vH (auf einen Durchschnittswert von 84.000 DM) gestiegen. Dieser Anstieg lag ebenfalls oberhalb des industriellen Durchschnitts (+2,3 vH auf gut 69.000 DM). Dies bedeutet, dass - im statistischen Durchschnitt gerechnet - bei einer Jahresinflationsrate von 2,5 vH die Chemie-Bruttorealeinkommen trotz der Rezessionsphase abermals leicht angestiegen sind. Aber auch auf tariflicher Basis gerechnet lassen sich Reallohnzuwächse darstellen. Vergleicht man die Entwicklung der Inflationsrate während der zweijährigen Tariflaufzeit mit den durchschnittlichen Tariferhöhungssätzen, so zeigt sich auch daran, dass trotz der wirtschaftlichen Schwäche im zweiten Halbjahr 2001 die Reallöhne auch auf tariflicher Basis gesichert und sogar noch leicht ausgebaut werden konnten. Während der gesamten Tariflaufzeit, beginnend ab Juni 2000, steht einer Tariferhöhung von insgesamt 4,2 vH bislang (Dezember 2000) eine Preissteigerung von 3,1 vH gegenüber.

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