Wendejahr?

Ob die Konjunktur-Auguren dieses Mal "nach unten" übertrieben haben? Es gibt kaum eine Phase in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte, in der die Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung auf so breiter Basis, so schnell und so weit heruntergeschraubt worden sind, wie in den zurückliegenden Monaten. Das für dieses Jahr zu erwartende "Mini-Wachstum" wird in einer Größenordnung von 0,5 bis 0,7 vH gehandelt. Doch hinter der mageren Zuwachsrate verbirgt sich ein beachtlicher "Dreh" im Jahresverlauf: Von einem Minus im ersten und vielleicht auch im zweiten Quartal muss es schon zu einem sehr deutlichen Plus im dritten und vor allem vierten Quartal kommen, wenn im Durchschnitt noch ein leichtes Plus herausspringen soll. Dabei können durchaus einige positive Annahmen, vielleicht sogar Anzeichen, ins Feld geführt werden.

Die über das letzte Jahr verteilten massiven Zinssenkungen in den USA könnten mit der üblichen zeitlichen Verzögerung das US-Konjunktur-Schwungrad wieder in Bewegung setzen, in dessen Folge auch die deutschen Exporte wieder Fahrt aufnehmen könnten.

Auch von der europäischen Geldpolitik gehen expansive Impulse über den Zins-Investitions-Mechanismus aus.

Von der privaten Nachfrage dürften zumindest keine dämpfenden Wirkungen ausgehen, obwohl die nächste Stufe der Ökosteuer sowie die Erhöhung der Tabak- und der Versicherungssteuer, aber auch steigende Sozialabgaben eine größere Konsumausweitung tendenziell behindern.

Die Einführung des Euro zum Jahresbeginn könnte sich als ein wichtiges positives, psychologisches Moment erweisen: Jedenfalls ist die Euro-Akzeptanz massiv gestiegen und die reibungslose - auch mit Investitionen verbundene - Umstellung könnte das Geschäftsklima positiv beeinflussen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat Ende letzten Jahres erstmals eine leichte Besserung signalisiert. Hält diese Verbesserung auch in den beiden Folgemonaten an, gilt dies unter Ökonomen als Vorbote einer konjunkturellen Erholung.

Risiko-Faktoren

Der Satz, dass die Wirtschaft zur Hälfte aus Psychologie bestehe, erweist sich gerade in diesen Tagen als ausschlaggebend. Denn wenn es nicht gelingt, die Erwartungen der Unternehmer und Verbraucher ins Positive umzukehren, wird der erwartete Umschwung im Jahresverlauf erst mit weiterer Verzögerung oder überhaupt nicht eintreten. So wird viel davon abhängen, inwieweit es gelingt, den weltweiten Terrorismus glaubhaft einzudämmen, um so das Maß an politischer Unsicherheit zu reduzieren.

Zu den negativen Einflussfaktoren zählen:

Steuern und Sozialabgaben werden zu Beginn dieses Jahres belastend wirken.

Vor den Bundestagswahlen sind grundlegende politische Entscheidungen zur Steuer- und Sozialpolitik ebenso wenig zu erwarten wie zur Arbeitsmarktpolitik.

Insbesondere ist aber nicht absehbar, ob sich die Ertragserwartungen und damit die Bedingungen für Arbeitsplatz schaffende Investitionen verbessern.

Die Höhe der derzeit diskutierten Lohnforderungen sind jedenfalls nicht geeignet, zu einer solchen Erwartungsstabilisierung beizutragen.

Wenn darüber hinaus die Weltkonjunktur nicht in dem Maße in Gang kommt wie angenommen, wird dies durch den Globalisierungs-Verbund auch dämpfend auf Deutschland zurückwirken.

Wenn zudem der Euro im Wert gegenüber dem Dollar und dem Yen gewinnt, wird dies tendenziell die Exporte erschweren und die Importe begünstigen, also die deutsche Konjunktur eher dämpfen.

Angebot und Nachfrage

In dieser ambivalenten Situation kommt es darauf an, sowohl auf der Nachfrageseite als auch auf der Angebotsseite gleichermaßen für wachstumsfreundliche Bedingungen zu sorgen. Die im Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit angelegte Politik der gleichzeitigen Angebots- und Nachfrageorientierung weist insoweit in die richtige Richtung.

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