Chemie-Tarifpaket für 14 Monate: 3,6 % Tariferhöhung plus 0,7 % Einmalzahlung - Tarifvertrag 'Zukunft durch Ausbildung' bis 2010 verlängert

Nach einer in der Schlussphase ungewöhnlich zugespitzten Chemie-Tarifrunde konnte für die 1.900 Unternehmen und 550.000 Beschäftigten der deutschen Chemie-Industrie in der 2. Bundesverhandlung eine Einigung erzielt werden. Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vereinbarten ein Tarifpaket mit 14-monatiger Laufzeit. Sein Kern ist eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 3,6 Prozent ab 1. Februar 2007 sowie eine flexibilisierte Einmalzahlung von 0,7 Prozent.

Der Ende 2007 auslaufende, erfolgreiche Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" wird bis zum Jahr 2010 verlängert. Auf Basis des bisher überproportional aufgestockten Ausbildungsniveaus werden die Chemieunternehmen in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt 16.800 neue Ausbildungsplätze anbieten.

Damit konnte ein an den wirtschaftlichen Realitäten des Jahres 2007 orientierter zukunftsfähiger Abschluss für die Chemie-Branche erzielt werden (Arbeitgeberkommentare siehe Seite 2).

Die Bestandteile des Tarifpakets im Einzelnen:

· 3,6 % Tariferhöhung – 14 Monate Laufzeit

Die Tarifvereinbarung gilt ab 1. Januar 2007. Im ersten Monat wird anstelle der Prozenterhöhung ein Pauschalbetrag von 70 Euro bezahlt. Ab dem zweiten Monat gibt es eine Tariferhöhung von 3,6 Prozent für die Dauer von 13 Monaten. Die insgesamt 14-monatige Laufzeit und der Pauschalbetrag haben eine entlastende Wirkung auf die Kosten der Unternehmen.
Die Tariferhöhung tritt in den Bezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz mit Wirkung ab 1. Februar 2007 in Kraft. In den Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Berlin (West), Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Westfalen gilt die Tariferhöhung ab 1. März 2007, im Saarland ab 1. April 2007. Die Tarifverträge laufen dementsprechend bis Ende Februar 2008 bzw. Ende März und Ende
April 2008.

· Flexibilisierte Einmalzahlung

Zusätzlich zur Tariferhöhung wird eine nicht in die Tarifbasis eingehende Einmalzahlung von 0,7 Prozent für 13 Monate gewährt. Sie entspricht für Arbeitnehmer in Normalschicht 9,8 % eines monatlichen Tarifentgelts. Für Arbeitnehmer in teilkontinuierlicher Wechselschicht sind es 10,9 % und für Arbeitnehmer in vollkontinuierlicher Wechselschicht 12,8 %. Die Einmalzahlung kommt zwischen dem 1. April und 30. Juni 2007 zur Auszahlung.

Die Einmalzahlung ist voll flexibilisiert. Arbeitgeber und Betriebsrat können sie aus wirtschaftlichen Gründen per Betriebsvereinbarung verschieben, kürzen oder weg-fallen lassen.

· Chemie-Ausbildungsinitiative bis 2010 verlängert – Trendumkehr in Sicht

BAVC und IG BCE haben den erfolgreichen Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung", der Ende 2007 ausläuft, bis Ende 2010 verlängert. Ziel ist es, aus gesellschaftspolitischer Verantwortung das bisher erreichte hohe Niveau des Ausbildungsplatzangebotes aufrecht zu erhalten, um den jungen Menschen berufliche Perspektiven zu bieten. Ausgehend von diesem Niveau werden die Chemieunternehmen in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt 16.800 neue Ausbildungsplätze anbieten. Die weitere Entwicklung soll im Rahmen der nächsten Tarifrunden geregelt werden.

Im Jahr 2007 wird die demografische Spitze der Schulabgängerzahlen erreicht. Nach einer kurzen Verweilzeit auf diesem Plateau wird sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt umdrehen. Wegen schrumpfender Schulabgängerzahlen wird dann die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber von Jahr zu Jahr abnehmen.

· Regelung über abgesenkte Einstiegstarife für Langzeitarbeitslose verlängert

Die seit Jahren bestehende Chemie-Regelung über abgesenkte Einstiegstarife für Langzeitarbeitslose und Berufsanfänger wird verlängert. Dadurch soll weiterhin die Einstellung dieser Arbeitnehmergruppen erleichtert werden. Langzeitarbeitslose erhalten im 1. Jahr ihrer Einstellung 90 %, Berufsanfänger 95 % des sonst üblichen
Tarifentgelts.

"Realistischer und dauerhaft bezahlbarer Tarifkompromiss"

Hans-Carsten Hansen, Verhandlungsführer des BAVC, zum Tarifkompromiss: "Die Chemie-Arbeitgeber sind mit den Kosten des Tarifpakets innerhalb des von ihnen als vertretbar abgesteckten Rahmens bis hart an die Grenze gegangen. Die vorgeschaltete Pauschale und die 14-monatige Gesamtlaufzeit haben für die Unternehmen eine entlastende Wirkung auf das Tarifniveau. Was die flexibilisierte Einmalzahlung betrifft, können die Firmen aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Betriebsrat eine Verschiebung, Kürzung oder sogar den Wegfall des Einmalbetrages vereinbaren. Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage der chemischen Industrie ist damit ein für große und kleine Unternehmen bezahlbarer und akzeptabler Abschluss zustande gekommen.

Die Struktur des Abschlusses aus Prozenterhöhung und flexibler Einmalzahlung entspricht im Übrigen auch den Empfehlungen des Sachverständigenrates und vieler Wirtschaftsexperten für die Tarifrunden des Jahres 2007" – hob Hansen hervor.

BAVC-Präsident Voscherau: "Es gibt weder Sieger noch Besiegte"

Eggert Voscherau, Präsident des BAVC: "Nach einer für die Chemie ungewohnten Zuspitzung der Tarifauseinandersetzung in den letzten Tagen und Wochen konnten wir doch einen Abschluss in freien Verhandlungen erzielen. Dieser Tarifabschluss kennt weder Sieger noch Besiegte. Gesiegt hat auf beiden Seiten der Tarifrealismus. Auch die Chemie-Sozialpartnerschaft geht aus dieser Tarifauseinandersetzung unbeschädigt hervor. Mit der Verlängerung der bewährten Tarifinitiative "Zukunft durch Ausbildung" wird die Chemie-Industrie ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht und bietet auf einem anhaltend hohen Niveau Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen an. Dies gilt insbesondere auch für Fördermaßnahmen wie "Start in den Beruf", mit denen jugendlichen Problemgruppen der Einstieg ins Berufsleben ermöglicht wird. Hierzu bekennt sich die Branche ausdrücklich."

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