Internationaler Chemie-Arbeitskostenvergleich: Westdeutschland Spitzenreiter - verschärfte Standortkonkurrenz durch EU-Beitrittsländer

Die Chemie-Unternehmen am Standort Westdeutschland müssen weiterhin mit den international höchsten Arbeitskosten operieren. Der Chemie-Standort "Neue Bundesländer" bietet dagegen im westeuropäischen Vergleich ein attraktives Arbeitskostenniveau. Die Länder in Mittel- und Osteuropa, die im kommenden Jahr der Europäischen Union beitreten, weisen Chemie-Arbeitskosten auf, die teilweise um mehr als 90 vH unter denen der westdeutschen Chemie liegen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer internationalen Arbeitskostenanalyse des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC).

Belgien auf Platz zwei

Die Arbeitskosten in der westdeutschen Chemie beliefen sich im Jahr 2002 auf 40,08 € je Beschäftigtenstunde. Belgien liegt mit 38,03 € auf dem zweiten Platz, Rang drei bei den Chemie-Arbeits-kosten nehmen die Niederlande mit 34,44 €, gefolgt von Dänemark mit 34,39 €.

Auf den weiteren Plätzen folgt ein europäisches Terzett aus den Chemie-Standorten Frankreich, Großbritannien und Schweden. Die Arbeitskosten je Beschäftigtenstunde lagen in diesen Ländern bei rund 33 €. Im Mittelfeld rangieren die Japan-Chemie mit 32,01 € und die US-Chemie mit 28,41 €.

Ostdeutschland auf international attraktivem Arbeitskosten-Niveau

Mit Arbeitskosten je Beschäftigtenstunde von 23,08 € liegt das Niveau der ostdeutschen Chemie in einer konkurrenzfähigen Größenordnung. In der 18 Standorte umfassenden internationalen BAVC-Statistik ergibt dies den 15. Platz mit Arbeitskosten leicht über denen der spanischen Konkurrenten (22,48 €). Am günstigsten ist die Arbeitskostensituation mit 12,21 € in Griechenland.

EU-Beitrittskandidaten: Arbeitskosten-Niveau unter 5 €

Die vom Europäischen Statistikamt "Eurostat" durchgeführte Arbeitskostenerhebung 2000 erstreckte sich erstmalig auch auf die Beitrittskandidaten der EU. Mit Ausnahme von Slowenien, Malta und der Türkei liegen für alle Beitrittskandidaten chemiespezifische, vergleichbare Arbeitskostendaten vor.

Im Jahr 2000 lagen die Arbeitskosten der Chemie-Standorte in den im nächsten Jahr der EU beitretenden Ländern im (ungewichteten) Durchschnitt bei 4,67 € je Beschäftigtenstunde. In den Ländern der "EU-15", also den bisherigen Mitgliedern, lag dieser Wert bei 30,29 €. Die Arbeitskosten in den Beitrittsländern waren damit rund 85 vH günstiger als an den Chemie-Standorten in der bestehenden Union.

Aber auch die Unterschiede zwischen den Beitrittsländern sind erheblich. Während die Arbeitskosten in Zypern 8,56 € je Stunde betrugen, und damit knapp 25 vH vom preiswertesten Standort der heutigen EU in Griechenland entfernt waren, lagen sie in Lettland mit 2,76 € um über 75 vH unter dem griechischen Niveau und gar 90 vH unter dem Durchschnitt der EU-15.

Verschärfte Standortkonkurrenz

Bisher lag die Spreizung der Chemie-Arbeitskosten in der Europäischen Union bei einem Faktor von 3,3 zwischen Deutschland und Griechenland. Auf Grundlage der Daten aus 2000 liegt dieser Wert nach der EU-Erweiterung im kommenden Jahr mit 13,2 zwischen Deutschland und Lettland rund drei Mal so hoch. Die durchschnittlichen Arbeitskosten der EU-Chemiestandorte werden sich durch die beitretenden Länder von rund 30 € je Stunde auf etwa 20 € je Stunde um ein Drittel reduzieren. Entsprechend werden die Arbeitskosten der chemischen Industrie in Deutschland nicht mehr 20 vH über dem EU-Durchschnitt, sondern 70 vH über diesem Wert liegen. Es ist abzusehen, dass eine neue Runde in der europäischen Standortkonkurrenz bevorsteht.

2007 nochmaliger Erweiterungs-Schritt

Bulgarien und Rumänien, deren EU-Beitritt für das Jahr 2007 geplant ist, liegen mit ihren ChemieArbeitskosten nochmals deutlich unter denen der 2004 beitretenden Ländern. Mit 1,85 € in Bulgarien bzw. 1,90 € in Rumänien je Beschäftigten und Stunde betrugen diese Werte im Jahr 2000 nur etwa 5 vH der westdeutschen Chemie-Arbeitskosten.

Hinweis: Tabellen mit Arbeitskostendaten sind im PDF-Download enthalten.

Hinweise zur Methodik
Die internationale Arbeitskosten-Statistik des BAVC wird auf der Grundlage verschiedener nationaler und internationaler Datenquellen, vor allem der im vierjährigen Abstand stattfindenden Arbeitskostenerhebungen von Eurostat erstellt. Die Daten für das Erhebungsjahr 2000 lagen - mit Ausnahme von Belgien, dessen Daten für die chemischen Industrie noch nicht verfügbar sind - für den diesjährigen Vergleich erstmals vor. Aus diesem Grund sind alle Angaben für die Länder der Europäischen Union für die Jahre 2000, 2001 und 2002 neu berechnet worden. Hieraus ergeben sich Abweichungen zu früheren Veröffentlichungen. Die Daten für die Jahre 2001 und 2002 sind dabei Fortschreibungen des BAVC auf der Basis der amtlichen Ergebnisse für das Jahr 2000 anhand nationaler und internationaler Statistiken. Auch bei außereuropäischen Standorten kam es zu Änderungen im Rahmen der jährlichen Neuberechnung. Die in Euro angegebenen Werte für USA, Japan, Vereinigtes Königreich, Schweden und Dänemark sind darüber hinaus durch Wechselkurs-Entwicklungen beeinflusst.

Datum: 6. Oktober 2003
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Abraham-Lincoln-Str. 24
65189 Wiesbaden
Ansprechpartner: Burkhard Jahn
Telefon: +49 611 77881-0
E-Mail: presse@bavc.de

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