Chemie-Tarifpaket 2003:2,6 % Tariferhöhung für Chemiebeschäftigte- 13 Monate Laufzeit - Einmalzahlung von 40 Euro - Gesamtbelastung 2,3 Prozent- neue tarifliche Initiative für mehr Ausbildungsplätze bis ins Jahr 2007- innovative Tarifoptionen zu Qualifizierung und Langzeitkonten

Nach zweitägigen schwierigen Abschlussverhandlungen in der Tarifrunde für die rund 580.000 Beschäftigten der Chemie-Industrie haben der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ein umfangreiches Tarifpaket vereinbart. Es enthält neben einer Tariferhöhung von 2,6 Prozent mit einer Einmalzahlung und einem neuen Tarifvertrag für mehr Ausbildungsplätze, zwei innovative Tarifoptionen zum Thema Qualifizierung und Bildung von Langzeitkonten. Damit haben die Chemie-Tarif-parteien die Modernisierung ihres Flächentarifsystems fortgesetzt.

Die zentralen Bestandteile des Tarifpakets:

- Die Tarifentgelte werden nach einer Einmalzahlung von 40 Euro im ersten Monat um 2,6 Prozent erhöht. Die Prozenterhöhung tritt je nach Tarifbezirk am 1. Mai, 1. Juni bzw. 1. Juli 2003 in Kraft. Die neuen Tarifverträge haben eine Gesamtlaufzeit von 13 Monaten. Durch die Einmalzahlung und die 13-monatige Laufzeit beträgt die Gesamtbelastung 2,3 Prozent.

- Mit einem Maßnahmenbündel wollen die Chemie-Tarifparteien dem demographisch bedingten Anstieg der Schulabgängerzahlen begegnen. Mit einem neuen, bis ins Jahr 2007 reichenden Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" verpflichten sich die Chemie-Arbeit-geber zu einer Steigerung des Ausbildungsplatzangebots. Für das Ausbildungsjahr 2004 soll das Ausbildungsangebot um den demographischen Faktor von 1,7 Prozent erhöht werden. Über weitere Steigerungen in den folgenden Jahren werden die Tarifvertragsparteien in den kommenden Tarifrunden jeweils rechtzeitig Verhandlungen aufnehmen. Als erste haben die Chemie-Tarifparteien damit den Appell der Ausbildungsoffensive der Bundesregierung und der Spitzenverbände in die Tarifpraxis umgesetzt.

- Mit einem neuartigen Qualifizierungs-Tarifvertrag wird eine Option zum Abschluss von freiwilligen Betriebsvereinbarungen über Qualifizierungsmaßnahmen geschaffen.

- Eine weitere tarifvertragliche Option ermöglicht die Bildung von Langzeitkonten. Sie können u.a. zur Qualifizierung und für die Freistellung vor der Altersrente eingesetzt werden.

Die Bestandteile des Chemie-Tarifpakets 2003 im Einzelnen:

2,6 Prozent Entgelterhöhung - Erster Monat mit Einmalzahlung von 40 Euro -
Laufzeit 13 Monate

Nach einer Einmalzahlung von 40 Euro im ersten Monat werden die Tarifentgelte und Ausbildungsvergütungen in den Bezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz ab 1. Mai 2003 um 2,6 Prozent erhöht. In den Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Berlin (West), Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Westfalen tritt die Tariferhöhung entsprechend am 1. Juni 2003 in Kraft. Im Tarifgebiet Ost sowie im Saarland gilt sie ab 1. Juli 2003.

Die neuen Tarifverträge erstrecken sich über eine Laufzeit von 13 Monaten. Je nach Tarifbezirk enden sie am
30. April, 31. Mai bzw. 30. Juni 2004.

Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung"
Mit kontinuierlichen Anstrengungen haben die Chemie-Unternehmen bisher ein hohes Ausbildungsplatzniveau erreicht. Mit dem bis Ende 2007 wirksamen Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" setzen die Chemie-Tarifparteien ihre bisherigen Unterstützungsaktivitäten fort. Angesichts eines bis zum Jahr 2007 zu erwartenden demographischen Anstiegs der Schulabgängerzahlen verpflichten sich die Chemie-Arbeitgeber darin für das Jahr 2004 zu einer Steigerung des Ausbildungsplatzangebots um den demographischen Faktor von 1,7 Prozent.

Mit einem Bündel von kurz- und mittelfristigen Maßnahmen und Instrumenten werden die Chemie-Sozialpartner zusätzlich dazu beitragen, dass die Chemie-Unternehmen ihre bisherigen Ausbildungsanstrengungen fortsetzen können und dass neue Unternehmen die Ausbildung aufnehmen. Dieser Tarifvertrag setzt im Chemiebereich den Appell der Ausbildungsoffensive der Bundesregierung und der Spitzenverbände konkret um.

Tarifvertrag zur Qualifizierung

Nach übereinstimmender Auffassung von BAVC und IG BCE dient die Qualifizierung der Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Chemie-Unternehmen sowie dem Erhalt und der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Beide Seiten haben deshalb einen neuen Tarifvertrag zur Qualifizierung vereinbart. Er tritt am 1.Januar 2004 in Kraft. Damit wird eine tarifliche Option geschaffen, die von den Betriebsparteien durch freiwillige Betriebsvereinbarungen für Qualifizierungsmaßnahmen genutzt werden kann. Als Qualifizierung gelten alle betriebsbezogenen und individuellen beruflichen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Per Qualifizierungsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer soll erstmals auch eine faire Kostenverteilung geregelt werden. Der Eigenbeitrag des Arbeitnehmers wird in der Regel in Form von Zeit erbracht. Auf der Basis von Qualifizierungsplänen können Qualifizierungsziele und geeignete Qualifizierungsmaßnahmen entwickelt werden. Die Tarifvertragsparteien werden unter Einbeziehung der paritätischen Weiterbildungs-Stiftung der Chemie (WBS) ein Beratungsangebot zu Fragen der tariflichen Qualifizierung aufbauen.

Tarifoption über Langzeitkonten

Durch einen neuen Passus im Chemie-Manteltarifvertrag wird die Option zur Bildung von Langzeitkonten geschaffen. Sie können durch freiwillige Betriebsvereinbarung eingerichtet werden. Als Langzeitkonten gelten Arbeitszeitkonten, die einen Verteilzeitraum von mehr als 12 Monaten vorsehen. In solche Langzeitkonten können einfließen: Zeitguthaben gemäß der tariflichen Vorschriften, Altersfreizeiten, Mehrarbeit, Mehrarbeitszuschläge sowie Urlaubsansprüche, die über den gesetzlichen Anspruch hinausgehen. Die Langzeitkonten werden selbständig in Zeit oder Geld geführt. Durch freiwillige Betriebsvereinbarung können verschiedene Nutzungszwecke wie z.B. für Qualifizierung oder Freistellung vor Altersrente vorgesehen werden. Die Langzeitkonten werden vom Arbeitgeber gegen Insolvenz gesichert. Sie sind bei einem Wechsel des Arbeitgebers mit Zustimmung des neuen Arbeitgebers übertragbar. Die Tarifregelung über Langzeitkonten tritt am 1. Januar 2004 in Kraft.

Arbeitgeberkommentare zum Tarifpaket

Dr. Jürgen Maaß, Verhandlungsführer des BAVC: - Die Arbeitgeber sind in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage mit dem Abschluss an die Belastungsgrenze gegangen. Durch die verlängerte Laufzeit und die um einen Monat verschobene Tarifanhebung liegt die Gesamtbelastung des Abschlusses für die Chemie-Unternehmer bei 2,3 Prozent. Dadurch ist ein für Arbeitnehmer und Unternehmen vertretbarer Tarifkompromiss zustande gekommen. Die Chemie-Unterneh-men haben nun eine verlässliche Kalkulationsbasis bis weit ins Jahr 2004. Besonders hervorzuheben ist" - so Maaß -, "dass die Tarifparteien trotz des erkennbar schwierigen Umfelds die Gestaltungskraft hatten, die Modernisierung der Chemie-Tarife fortzusetzen. So ist erneut ein innovatives Tarifpaket zustande gekommen." Dr. Rüdiger Erckel, Präsident des BAVC: "Das Chemie-Tarifpaket enthält mehrere zukunftsweisende Elemente. Mit der Vereinbarung zur Steigerung der Ausbildungsplätze kommen wir unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung trotz eines schwierigen Umfelds nach. Die Chemie benötigt auch in Zukunft gut ausgebildete junge und hochqualifizierte Mitarbeiter jeden Alters, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Mit den neuen Vereinbarungen zu Qualifizierung und zu Langzeitkonten sichern wir die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie, die auf dem Wissen und Willen zur steten Fortbildung unserer Mitarbeiter beruht."

Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Pressestelle
Burkhard Jahn

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