Chemietarifpaket West 2002:3,3 % Tariferhöhung für ChemiebeschäftigteGesamtlaufzeit 13 Monate, Neue Option für erfolgsabhängige Gestaltung der tariflichen Jahresleistung, Modernisierung des gemeinsamen Entgelttarifvertrags für Arbeiter und Angestellte

Nach zweitägigen Intensivverhandlungen in der Tarifrunde für die rund 570.000 Beschäftigten der westdeutschen Chemieindustrie haben Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ein umfangreiches Tarifpaket mit einer neuartigen Zukunftsoption vereinbart.

Die Kernbestandteile des Tarifpakets:

- Die Tarifentgelte werden ab 1. April 2002 um 3,3 % erhöht. Für den Monat März erhalten die Chemiebeschäftigten eine Pauschale von 85 Euro. Die Ausbildungsvergütungen werden einheitlich um 23 Euro angehoben. Die neuen Tarifverträge haben eine Gesamtlaufzeit von 13 Monaten.
- Die tarifliche Jahresleistung ("Weihnachtsgeld") wird für erfolgsabhängige Gestaltung nach dem Prinzip "Chance und Risiko" geöffnet.
- Der seit 1988 existierende gemeinsame Bundesentgelttarifvertrag für Chemiearbeiter und Angestellte wird modernisiert.
- Das Ausbildungsplatzangebot der Chemie für neu einzustellende Azubis, das in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert worden ist, soll auf dem jetzt erreichten hohen Niveau von jährlich rund 8.000 gehalten werden.

Die Bestandteile des Chemietarifpakets 2002 im Detail:

Entgelterhöhung mit 13 Monaten Laufzeit
Die Tarifentgelte in den Bezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz werden ab 1.4. 2002 um 3,3 Prozent erhöht. Für den Monat März wird ein Einmalbetrag von 85 Euro gezahlt. In den Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Berlin (West), Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Westfalen tritt die Tariferhöhung ab 1.5. 2002 in Kraft, im Saarland ab 1.6.2002. Entsprechend wird dort die Einmalzahlung für die Monate April bzw. Mai gezahlt.
Die Ausbildungsvergütungen werden einheitlich um 23 Euro erhöht.

Je nach Tarifbezirk haben die neuen Tarifverträge eine Laufzeit bis Ende März, Ende April bzw. Ende Mai 2003.

Erstmals Option für erfolgsabhängige Gestaltung der tariflichen Jahresleistung
In den "Chemie-Tarifvertrag über Einmalzahlungen und Altersvorsorge" wird ein neuer Passus eingefügt. Danach kann nunmehr durch freiwillige Betriebsvereinbarung die tarifliche Jahresleistung ("Weihnachtsgeld") erfolgsabhängig gestaltet werden. In Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens oder Betriebes kann die Jahresleistung nach dem Prinzip "Chance und Risiko" bis auf 125 % eines Monatsentgelts erhöht oder auf 80 % eines Monatsentgelts verringert werden.

Die wirtschaftliche Situation ist anhand von betriebswirtschaftlich anerkannten Kennziffern zu bewerten. Die Kriterien hierfür sind betrieblich festzulegen. Die entsprechende Betriebsvereinbarung muss eine Mindestlaufzeit von vier Jahren haben. Sie wird mit ihrer Hinterlegung bei den Tarifvertragsparteien wirksam.

Modernisierung des Bundesentgelttarifvertrages für Arbeiter und Angestellte
Der seit 1988 existierende einheitliche Entgelttarifvertrag für Arbeiter und Angestellte (BETV) wird in zahlreichen Punkten modernisiert. Hierzu werden u.a. Richtbeispiele für Tätigkeiten in den gemeinsamen 13 Entgeltgruppen geändert und an den technologischen Wandel angepasst. Neu entstandene Berufe, wie z.B. IT-Kaufleute und Prozessleitelektroniker, werden einzugefügt.

Die über das Tarifentgelt hinausgehenden Entgeltgarantien in den Entgeltgruppen E 5 bis E 8, in denen sich Arbeiter und Angestellte mit vergleichbaren Tätigkeiten befinden, werden in direkte Tarifentgelte umgewandelt. Sie treten an die Stelle der bisherigen Entgeltgarantien. Diese Umwandlung wirkt sich hauptsächlich auf die Berechnung von Schichtzulagen aus. Der modernisierte Bundesentgelttarifvertrag tritt am 1.7. 2002 in Kraft und hat eine Mindestlaufzeit bis 31.12.2005.

Unabhängig vom jetzt erreichten Modernisierungsstand des Bundesentgelttarifvertrages haben BAVC und IG BCE vereinbart, Gespräche mit dem Ziel aufzunehmen, bis Ende 2002 Eckpunkte für optionale leistungs- und erfolgsbezogene Entgeltsysteme neben der bisherigen Entgeltstruktur zu entwickeln.

Ausbildungsplatzangebot wird auf hohem Niveau gehalten
Die Zahl der neu eingestellten Auszubildenden ist aufgrund tariflicher Vereinbarungen aus dem Jahre 1998 deutlich über die anvisierten 10 % Steigerung erhöht worden. Jährlich werden in der chemischen Industrie inzwischen rund 8.000 Ausbildungsplätze neu angeboten. Das nunmehr erreichte hohe Niveau soll in den kommenden Jahren beibehalten werden. Die regionalen "Runden Tische für Arbeitsmarktfragen" werden ihre bisherige Arbeit fortsetzen. Ziel ist die Sicherung und Verbreiterung des Ausbildungsplatzangebotes bei zu erwartender Verknappung der Lehrlingszahlen. Dazu dienen u.a. Initiativen wie "Start in den Beruf". Sie soll die Schulabgänger mit fehlenden Voraussetzungen für eine Ausbildung in der Chemie qualifizieren. Die "Bildungsinitiative Chemie" zielt auf eine Verbesserung des Chemieunterrichts in den Schulen.

Einstellungstarife für Langzeitarbeitslose
Die bestehende Chemie-Tarifregelung über abgesenkte Tarifsätze zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen und Berufsanfänger wird erneut verlängert.

Arbeitgeberkommentare:
Dr. Jürgen Maaß, Verhandlungsführer des BAVC: "Die Chemiearbeitgeber sind mit dem Tarifabschluss an die Grenze der vertretbaren Kostenbelastung gegangen. Durch die verlängerte Laufzeit von insgesamt 13 Monaten verringert sich die Durchschnittsbelastung für die Unternehmen auf knapp über 3,0 %. Gleichzeitig enthält das Chemietarifpaket 2002 innovative Elemente zur weiteren Modernisierung des Chemiebranchentarifvertrages. Die Regelung über die erfolgsorientierte Jahresleistung wird sich mittelfristig positiv für Unternehmen und Beschäftigte auswirken."

Dr. Rüdiger Erckel, Präsident des BAVC, betonte: "Mit dem tariflichen Optionsmodell wird erstmals der Einstieg in eine erfolgsabhängige Bezahlung eröffnet. Dies ist eine neue Dimension im Flächentarifvertrag. Es wird dazu führen, dass die Chemiebeschäftigten in guten Ertragsjahren am Erfolg der Unternehmen teilhaben. In schlechteren Jahren wird die Neuregelung zur Sicherung von Standorten und Beschäftigung beitragen. Positiv zu bewerten ist, dass die Ausbildungsbemühungen der Chemie auf hohem Niveau fortgesetzt werden."

Datum: 18. April 2002
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Abraham-Lincoln-Str. 24
65189 Wiesbaden
Ansprechpartner: Burkhard Jahn
Telefon: +49 611 77881-0
E-Mail: presse@bavc.de

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