Schwierige Lage

Der geschäftsführende Hauptvorstand der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat in einer Erklärung zur Tarifrunde 2002 auf eine hohe Erwartung der Chemiearbeitnehmer an die Entgeltverhandlungen des nächsten Jahres hingewiesen, da viele Unternehmen in den letzten zwei Jahren gut verdient hätten. Andererseits könne die aktuelle konjunkturelle Entwicklung nicht ausgeklammert werden. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung werde durch eine schwierige weltwirtschaftliche Lage verstärkt.

Ökonomische Indikatoren weisen nach unten

Der Vorstand des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) hat in seiner Sitzung am 30. November die bisher vorliegenden Quartalsergebnisse der deutschen chemischen Industrie bewertet. Die wichtigsten ökonomischen Indikatoren weisen nach unten:

- Die Produktion ist seit längerem im Minus.
- Auftragseingänge und Umsätze schrumpfen.
- Die Stimmungslage in den Firmen ist gedrückt, die Erwartungen eher düster.
- Die Erträge sind - zum Teil dramatisch - unter Druck geraten.
- Im IV. Quartal 2001 und im I. Quartal 2002 sind weitere Rückgänge zu erwarten. Eine signifikante Verbesserung ist für das Gesamtjahr 2002 nicht in Sicht.

Auch die Beschäftigungsentwicklung gibt zur Sorge Anlass. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Chemie-Beschäftigung im III. Quartal abrupt um 1,1 Prozent zurückgegangen. Die Kurzarbeit hat zugenommen. In einer Reihe von Betrieben werden die Weihnachtsferien verlängert, bzw. wird die Produktion ganz zurückgefahren. Die Lohnstückkosten sind von Quartal zu Quartal angestiegen, spiegelbildlich hat die Produktivität abgenommen. In den Unternehmen wird auf die Kostenbremse getreten.


Flexible Chemie-Tarifverträge bewähren sich

In der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftslage können die Unternehmen von zahlreichen Flexibilisierungen der Chemie-Tarifverträge Gebrauch machen. Diese Instrumente haben sich bisher in vielen Fällen zur Standort- und Beschäftigungssicherung bewährt. Bis vor kurzem haben sie dazu beigetragen, dass die Beschäftigungsentwicklung in der Chemiebranche trotz des Strukturwandels stabilisiert werden konnte.

Kaum Überstunden in der Chemie

Zu den Flexibilisierungen gehört auch die Tarifvereinbarung zum Freizeitausgleich von Mehrarbeit. Sie hat dazu geführt, dass in der chemischen Industrie Mehrarbeit inzwischen bis auf eine Restgröße zurückgegangen ist. Im Durchschnitt werden nur noch 0,4 Mehrarbeitsstunden pro Arbeitnehmer in der Woche geleistet. Dies entspricht noch nicht einmal drei vollen Arbeitstagen pro Jahr. Diese Tarifregelung hat deshalb eine entsprechende Beschäftigungswirkung. Forderungen zum Abbau von Überstunden betreffen deshalb die chemische Industrie nicht mehr.

Hohe Erwartungen entsprechen nicht dem Wirtschaftsverlauf

Nach Erklärung der IG BCE haben viele Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren gut verdient, weshalb eine hohe Erwartungshaltung der Beschäftigten an die Entgeltentwicklung bestehe. Tatsächlich ist die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten zwei Jahren schlechter verlaufen als bei Abschluss der Tarifvereinbarung 2000 erwartet wurde. Positive Ausnahmen vermögen das oben dargestellte Gesamtbild nicht zu ändern. Viele dieser Unternehmen haben zudem im Jahr 2000 für ihre Beschäftigten variable Sonderzahlungen ausgeschüttet. Die Entgelterhöhungen des nächsten Jahres müssen von allen Mitgliedsunternehmen im Chemie-Tarifvertrag - nicht nur von einer Spitzengruppe - auf Dauer bezahlt werden können.

Der Hauptvorstand der IG BCE hat seine gewerkschaftlichen Vertrauensleute und Betriebsratsmitglieder aufgefordert, jetzt eine intensive und breite Diskussion mit ihren Mitgliedern in den Betrieben zu führen. Die Chemie-Arbeitgeber halten dies für dringend erforderlich. Dazu gehört eine intensive Diskussion über die derzeitige und erwartete wirtschaftliche Lage der Chemie. Nur so können unrealistische Tariferwartungen und eine Überforderung der Chemiebetriebe vermieden werden.

Der Hauptvorstand der IG BCE will am 29. Januar 2002 seine Forderungsempfehlung zur Tarifrunde 2002 beschließen. Es ist zu hoffen, dass die bis dahin verbleibende Zeit für eine sachgerechte Bewertung als Basis für die Forderung genutzt wird.

Datum: 30. November 2001
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.
Abraham-Lincoln-Str. 24
65189 Wiesbaden
Ansprechpartner: Burkhard Jahn
Telefon: +49 611 77881-0
E-Mail: presse@bavc.de

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