Tarifverträge RV 80 in der Unternehmenspraxis
Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) haben mit dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie” (TV Demo) bereits 2008...
Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) haben mit dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ (TV Demo) bereits 2008 umfassende Antworten auf den demografischen Wandel und die daraus resultierenden Herausforderungen entwickelt. Mit der Erweiterung des TV Demo im vergangenen Jahr konnte die Chemie-Branche ihren tarifpolitischen Vorsprung weiter ausbauen.
Neues Modul in der Umsetzung
Das in der Tarifrunde 2012 vereinbarte Modul „Lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung“ ist ein zusätzlicher Beitrag für eine längere und flexiblere Lebensarbeitszeit. Eine aktuelle Kurzumfrage des BAVC zeigt, dass einige Unternehmen der chemischen Industrie ihren Beschäftigten das neue Modul RV 80 bereits zur Verfügung stellen.
Die lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung ermöglicht es Vollzeitbeschäftigten, ihre Arbeitszeit während bestimmter Lebensphasen ohne Lohneinbußen auf 80 Prozent zu reduzieren. Der TV Demo spricht daher auch von „Reduzierter Vollzeit mit 80 Prozent Arbeitszeit“, oder kurz „RV 80“.
Ausgestaltung des RV 80-Modells
Finanziert wird die Arbeitszeitreduzierung über den Demografiefonds. Im Falle eines flexiblen Übergangs in den Ruhestand werden zusätzlich die Altersfreizeitansprüche des Beschäftigten eingesetzt: Dem Unternehmen steht zunächst mehr Arbeitszeitkapazität zur Verfügung; der Arbeitnehmer wird zu einem späteren Zeitpunkt stärker entlastet. Die genaue Ausgestaltung des RV 80-Modells wie beispielsweise der Kreis der Berechtigten, die Bestimmung der einzelnen Lebensphasen sowie die Dauer der Arbeitszeitreduzierung obliegt den Betriebsparteien.
Drei Unternehmensbeispiele zeigen im Folgenden die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten von RV 80-Modellen in der Praxis:
Continental AG
Das RV 80-Modell der Continental AG stellt den flexiblen Übergang in den Ruhestand in den Vordergrund. Damit wird älteren Beschäftigten die 4-Tage-Woche in den letzten Berufsjahren vor Renteneintritt ermöglicht. Die Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung in die Schichtmodelle wird jeweils durch die lokalen Betriebsparteien sichergestellt. Daneben können die lokalen Betriebsparteien vereinbaren, Teile des Demografiefonds auch für eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung zu nutzen. So können Beschäftigte zum Beispiel für Weiterbildung, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen für eine begrenzte Zeit ihre Arbeitszeit reduzieren.
NNE Pharmaplan GmbH
Die NNE Pharmaplan GmbH ermöglicht ihren Beschäftigten im Rahmen des RV 80-Modells eine Arbeitszeitreduzierung von maximal drei Monaten, in Härtefällen bis zu sechs Monaten. Neben einem gleitenden Wiedereinstieg nach familienbedingten Auszeiten unterstützt das Unternehmen Beschäftigte unter anderem auch bei Vor- und Nachsorgezeiten bei Erkrankungen, der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder der Begleitung von Kindern bei Schulübergängen.
Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG
Das Familienunternehmen Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG verwendet sein RV 80-Modell ausschließlich für bestimmte Lebensphasen wie etwa Fälle der Weiterbildung, Pflegefälle sowie Rückkehr aus der bis zu einjährigen Elternzeit. Das Unternehmen möchte seine Beschäftigten genau dann unterstützen, wenn sie durch bestimmte Lebenssituationen und -umstände besonders belastet sind.