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Die Geschäftserwartungen der Unternehmen der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie sind seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar kontinuierlich gesunken. In den vergangenen ­Wochen gab es nun noch einen weiteren deutlichen Absturz.

Der Wert für die Geschäftserwartungen des ifo Instituts lag für die chemisch-pharmazeutische Industrie per Saldo im August jetzt bei minus 52. Vor Kriegsbeginn lag derselbe Indikator noch bei plus 18. Einen ähnlich schlechten Wert gab es in diesem Jahrhundert erst einmal: im November 2008, dem ersten Monat der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Stimmung so schlecht wie zuletzt 2008

Auch die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen der Branche erstmals seit dem Corona-Sommer 2020 wieder negativ eingeschätzt. Der Saldo der Meldungen lag hier im August bei minus 6. Die Einschätzung der aktuellen Situation des eigenen Unternehmens ist allerdings schon seit Mitte 2021 rückläufig. Die durchaus dynamische Erholung nach dem Tief zu Beginn der Pandemie bis auf einen Wert von plus 40 war bereits bis Anfang 2022 abgebröckelt. Zu Kriegsbeginn lag der Wert aber noch bei plus 18.

Geschäftserwartungen ChemiePharma Saldo


Die Werte nur für die Chemie im engeren Sinne sind dabei jeweils noch einmal etwas schlechter. Der Saldo der Meldungen zu den Geschäftserwartungen der kommenden Monate beträgt hier sogar minus 59. Auch dies ist ein Niveau, wie es in den vergangenen Jahrzehnten nur einmal, zu Beginn der Finanzkrise, verzeichnet wurde. Die entsprechenden Angaben aus der pharmazeutischen Industrie führen inzwischen auch zu einer deutlich negativen Beurteilung. Hier lag das Niveau im August bei minus 34. Dieser Wert liegt sogar noch leicht unter dem in 2008 erreichten Tiefpunkt.

Produktion um 10 Prozent gefallen

Die im ifo-Geschäftsklimaindex abgebildete Stimmung spiegelt sich dabei längst auch in den harten statistischen Fakten der Branche wider. Insbesondere die monatlich produzierten Mengen sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine um über 10 Prozent gesunken. Im Juni 2022 lag die kalender- und saisonbereinigte Menge der von Betrieben und Beschäftigten der Branche erzeugten Güter damit um rund 14 Prozent unter dem Wert des letzten Höhepunkts der Branchenkonjunktur im Sommer 2018. Der Wert liegt damit um drei Prozent unter dem Durchschnitt des Jahres 2015, dem aktuellen Basisjahr in der amtlichen Statistik. Die Branche stellt demnach heute deutlich weniger Güter und Produkte her und trägt so auch weniger zum gesamtwirtschaft­lichen Wohlstand bei als noch im vergangenen Jahrzehnt. Hier wird der auch in der Volkswirtschaft insgesamt spürbare Wohlstandsverlust sichtbar.

Produktion chemisch pharmazeutische Industrie

Im gesamten ersten Halbjahr 2022, in das die Branche noch mit einem positiven statistischen Überhang gestartet war, lag die Produktion somit um gut ein Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Während im Bereich der pharmazeutischen Industrie dabei zunächst noch positive Mengenentwicklungen verzeichnet wurden, lag die Chemie-Produktion im engeren Sinne schon länger unter Vorjahr. Unter dem Strich steht für Januar bis Juni in der klassischen Chemie ein Rückgang von 5,2 Prozent. Aber auch die zu Jahresbeginn zunächst noch erzielten Steigerungen in der Pharma-Produktion sind ausgelaufen und haben sich in das Gegenteil verkehrt. Im Juni 2022 lag die Menge der dort erzeugten Güter nun ebenfalls um mehr als 5 Prozent unter Vorjahr.

Unternehmen in der Kostenklemme

Während die produzierten und abgesetzten Mengen rückläufig sind, explodieren die Kosten für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte. Die Weitergabe der höheren Kosten in den ersten Stufen der Produktionsketten ist dabei bisher noch zu einem gewissen Anteil gelungen. Im Bereich der Weiterverarbeitung und der Herstellung fertiger Produkte für Kunden aus anderen Branchen oder private Abnehmer gestaltete sich dies schon bisher deutlich schwieriger. Die Steigerung der Erzeugerpreise für den Absatz chemisch-pharmazeutischer Produkte, deren äußerst dynamische Entwicklung sie auf ein Niveau von ­zuletzt mehr als 20 Prozent über den Vorjahreswerten geführt hatte, bleibt ­somit weit hinter denen der Preise für Energie und Rohstoffe zurück. Unter dem Strich sinken die Margen in vielen Bereichen.

Weltwirtschaft auf Negativkurs

Und die Aussichten sind alles andere als positiv. Die Weltwirtschaft soll nach der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) in 2023 nur noch um 2,9 Prozent wachsen. In den entwickelten Volkswirtschaften wie Europa und den USA wird nur noch mit einem Wachstum von gut einem Prozent gerechnet. Und für Deutschland wurde die Erwartung gar auf 0,8 Prozent zurückgenommen. Diese Prognose steht unter der Bedingung, dass sich keine Verschlechterung der Rahmenbedingungen ergibt. Die internationalen Experten sehen aber die reale Gefahr, dass genau dies durch einen Stopp der europäischen Gasimporte aus Russland, eine sich verstetigende Inflation, Schuldenkrisen in Schwellen- und Entwicklungsländern durch die steigenden Zinsen, erneute COVID-19-Ausbrüche und -Lockdowns in China und eine wachsende geopolitische Fragmentierung eintritt und die Weltwirtschaft 2023 dann noch weniger wächst als erwartet. Das kommende Jahr würde dann, so der IWF, zu einem der schlechtesten für die Weltwirtschaft seit 1970.

Linktipp: Weitere Informationen zum ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München finden Sie hier.

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