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Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland steht 2025 weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichen Druck. Der zunächst leichte Anstieg der Produktion im ersten Quartal war durch Vorzieheffekte bedingt, mit denen die angekündigten neuen Einfuhrzölle der USA umgangen werden sollten. Im zweiten Quartal kam die zu erwartende Gegenbewegung. Die Produktion lag zwischen April und Juni 2025 nicht nur fast vier Prozent niedriger als zu Beginn des Jahres - sie war auch noch einmal gut drei Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, im zweiten Quartal 2024. Und die aktuellsten Daten der amtlichen Produktionsstatistik aus dem Juli zeigen erneut einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Es ist weiter eine toxische Mischung aus fehlender Wettbewerbsfähigkeit heimischer Standorte bei einer ganzen Reihe von Produkten, hohen Kosten, schwacher Nachfrage, gestiegenem Importdruck und strukturellen Herausforderungen in der deutschen Volkswirtschaft, mit denen weite Teile der Branche konfrontiert sind.

Auslastung unter 72 Prozent

Seit nunmehr drei Jahren verharrt die Auslastung der Anlagen der chemisch-pharmazeutischen Industrie dementsprechend auf einem kritischen Tiefstand. Weite Teile der Branche sind traditionell durch verhältnismäßig überschaubare Schwankungen bei Produktion und Auslastung gekennzeichnet. Viele Anlagen lassen sich, wenn überhaupt, nur mit sehr hohem Aufwand ab- und anschalten. Und auch in Phasen guter wirtschaftlicher Entwicklung müssen einzelne Anlagen regelmäßig für Wartungsarbeiten länger stillgelegt werden.

Im langjährigen Mittel lag die Auslastung der Branche dementsprechend bei Werten zwischen 82 und 83 Prozent. In Zeiten sehr guter konjunktureller Entwicklung kletterte sie auch auf bis zu 86 oder 87 Prozent. Dieses Niveau wurde zuletzt 2011 und 2017 erreicht. Und auch bei schwieriger wirtschaftlicher Lage sank die Auslastung selten unter 80 Prozent. Dies geschah in den letzten 30 Jahren nur viermal: für einzelne Quartale in den Jahren 1995/1996, für gut ein Jahr während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009, nur für ein Quartal zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 und jetzt für drei durchgehende Jahre seit dem Sommer 2022. Eine so lang andauernde massive Unterauslastung ist ohne Beispiel in den letzten Jahrzehnten; das erleben Unternehmen und Beschäftigte in dieser Form zum ersten Mal.

Im zweiten Quartal 2025 wurde dabei der absolute Tiefststand der seit der deutschen Wiedervereinigung gemessenen gesamtdeutschen Kapazitätsauslastung erreicht. Nur noch bei 71,7 Prozent lag der vom ifo-Institut veröffentlichte Wert, der die Daten für die chemische Industrie im engeren Sinne mit den Angaben für die pharmazeutische Industrie kombiniert. Mehr als ein Viertel der Anlagen der Branche wurde zwischen April und Juni 2025 also nicht benötigt, um die Nachfrage nach in Deutschland hergestellten Produkten bedienen zu können.

Unter dem langjährigen Durchschnitt liegt die Auslastung der Branche sogar schon seit dem Spätsommer 2021 – und damit seit vier ganzen Jahren. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Folge der anhaltenden Unterauslastung: Erste Anlagen wurden bereits dauerhaft stillgelegt, weitere Schließungen sind angekündigt oder absehbar.

BAVC Kapazitaets Auslastung 800

Unternehmen pessimistisch

Die ebenfalls vom Münchner ifo-Institut monatlich ermittelten Daten zur Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der Aussichten für die kommenden sechs Monate, bekannt unter dem Stichwort Geschäftsklimaindex, lassen für die nähere Zukunft wenig Hoffnung erkennen.

Im September 2025 fiel der Wert für die gegenwärtige wirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens bei der Befragung für die chemisch-pharmazeutische Industrie auf minus 26. Das ist der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Seit 2010 gab es überhaupt nur vier Monate, für die niedrigere Werte gemeldet wurden. Neben der Kapazitätsauslastung befindet sich also auch die Stimmung auf einem absoluten Tiefpunkt.

Und der Blick in die Zukunft ist bei den Betrieben der Branche nicht von Zuversicht geprägt. Für die Geschäftserwartungen der nächsten Monate wurde ein Wert von minus zehn ermittelt. Auch das ist eine nochmalige deutliche Verschlechterung gegenüber den Monaten zuvor.

Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit

Um wieder Zuversicht zu ermöglichen, muss es schnell zu deutlichen politischen Entscheidungen kommen, die den Standort stärken, Kosten dämpfen, Investitionen erleichtern und Bürokratie zurückbauen. Ohne schnell und gezielt wirkende Maßnahmen droht eine weitere Erosion der industriellen Substanz und auch ein deutlicher Verlust an Beschäftigung. Die Branche braucht jetzt einen klaren Fokus auf die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit, maximale Kostendisziplin in allen Bereichen, eine Produktivitätsoffensive, Reformen der sozialen Sicherungssysteme, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine innovationsfreundliche Politik. Nur so kann die Kapazitätsauslastung perspektivisch wieder steigen – und mit ihr die Zukunftsfähigkeit für die gefährdeten Teile einer Schlüsselindustrie Deutschlands schrittweise zurückgewonnen werden.

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