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Die Arbeitskosten der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland haben sich auch in 2024 erneut erhöht (siehe Impuls 11/2025). Sie beliefen sich in Summe für Vollzeitbeschäftigte auf durchschnittlich 104.709 Euro pro Jahr. Umgerechnet auf die einzelne Stunde mussten die Arbeitgeber der Branche damit 65,26 Euro zahlen. Ursache waren neben den Steigerungen beim Entgelt für die tatsächlich geleistete Arbeit und der Vergütung für arbeitsfreie Tage auch die Zuwächse bei den Beiträgen zur Sozialversicherung. Die Einmalzahlungen waren hingegen 2024, vor allem bedingt durch Kürzungen aufgrund der schwierigeren wirtschaftlichen Lage der Branche seit 2022, erneut rückläufig. Dennoch ergab sich unter dem Strich ein Anstieg der jährlichen Arbeitskosten von 1,8 Prozent bzw. von 1,7 Prozent je Arbeitsstunde.

International weiter Platz 4

Doch wie steht der Chemie- und Pharmastandort Deutschland damit international da? Im Vergleich mit wichtigen Konkurrenten behielt Deutschland 2024 seinen Platz in der Spitzengruppe der teuersten Arbeitskosten-Standorte für die Branche. Auch wenn der Abstand zu wichtigen Wettbewerbern im direkten europäischen Umfeld im letzten Jahr noch einmal leicht verringert werden konnte: außer Belgien, Dänemark und den Niederlanden liegen an keinem anderen Chemie-Standort die Arbeitskosten höher als in Deutschland. Und dabei stiegen in Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien und Schweden, aber auch dem Vereinigten Königreich, die Ausgaben der Unternehmen für die Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in 2024 noch schneller als in Deutschland. Dennoch blieben die Arbeitskosten dort weiter deutlich hinter denen hierzulande zurück. Dies zeigt eine Analyse des Bundesarbeitgeberverbands Chemie auf Basis von Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln).

Arbeitskosten je Stunde in Euro

BAVC Arbeitskosten

Mit Ausnahme von Japan stiegen die Arbeitskosten 2024 im Vorjahresvergleich für Chemie und Pharma – bei der Berechnung in Euro je Stunde – dabei in allen in der Analyse betrachteten Ländern an. In Japan sorgten Verschiebungen in den Wechselkursen für einen Rückgang bei der Betrachtung in Euro. In nationaler Währung gab es auch dort eine Steigerung.

Höhere Arbeitskosten als Deutschland wiesen in der Betrachtung je Stunde und in Euro in 2024 Belgien, Dänemark und die Niederlande auf. Belgien blieb auch 2024 der Spitzenreiter der Rangliste. Dort lagen die Kosten für die Beschäftigten nun 6,9 Prozent über dem deutschen Niveau. Dänemark war 6,2 Prozent teurer und die Niederlande lagen 2,3 Prozent höher. Bei Dänemark spielen dabei neben der Entwicklung der reinen Arbeitskosten auch Währungsverschiebungen eine Rolle. Bei dem Vergleich der Standorte muss auch im Blick behalten werden, welche Struktur die jeweiligen Branchen besitzen. So ist die Industrie in Belgien zum Beispiel von der weniger personalintensiven Petrochemie geprägt, die sehr hohe Umsätze je Beschäftigten erzielt. In Irland, das mit 63,62 Euro je Stunde einen der höchsten Werte in der EU aufweist und im letzten Jahr nur noch 3,1 Prozent preiswerter war als Deutschland, wird die Branche fast ausschließlich von der pharmazeutischen Industrie geprägt, die in allen Staaten tendenziell höhere Qualifikationsniveaus und Entgelte aufweist.

Weitere Wettbewerbsnachteile

Wichtige und große globale Wettbewerber der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie profitieren auf den Weltmärkten – das zeigt die Analyse der Daten für 2024 – weiterhin von deutlichen Vorteilen bei den Arbeitskosten. Dies gilt vor allem für die USA mit einem Kostenvorteil von 17,1 Prozent je Arbeitsstunde ebenso wie für Japan, dessen Wert sogar um 53,3 Prozent niedriger lag, und Großbritannien mit 35,0 Prozent niedrigeren Arbeitskosten je Stunde. In diesen drei Staaten beeinflusst die Wechselkursentwicklung in dieser Analyse ebenfalls das Verhältnis der in Euro errechneten Arbeitskosten.

Und auch zu den Staaten des Euroraums befindet sich die Branche hierzulande bei den Arbeitskosten weiterhin klar im Nachteil. Auch wenn Deutschland im letzten Jahr den Abstand zu all diesen Standorten bei den Arbeitskosten leicht verringern konnte, bleibt die Lücke zum Teil sehr groß. Während der Abstand zu Frankreich, das 2,9 Prozent preiswerter ist, und Österreich (3,0 Prozent) noch überschaubar war, ist Italien bereits 35,7 Prozent, Spanien 45,7 Prozent und Portugal gar 62,6 Prozent im Vorteil. Zu diesen Standorten gibt es dabei keine Verschiebungen durch Wechselkurse. Auch hier werden die Beschäftigten in Euro bezahlt und müssen ihrerseits den Lebensunterhalt in Euro bestreiten.

Mittelfristig zu hohe Steigerung

Eine Betrachtung über mehrere Jahre zeigt, dass der für 2024 und auch 2023 ausgewiesene, im internationalen Vergleich eher moderate Anstieg der Arbeitskosten in der deutschen Chemie dennoch kaum zur Verbesserung der Wettbewerbssituation beigetragen hat. Denn auch wenn in 2024 viele Staaten höhere Steigerungen aufwiesen, schwankt die Entwicklung von Jahr zu Jahr. So stiegen von 2020 bis 2024 die Arbeitskosten je Stunde in der Branche hierzulande um 16,3 Prozent. Dieser Wert war im Vergleich mit den anderen großen Staaten im Euroraum – unserem Heimatmarkt – deutlich höher. Frankreich (+10,2 Prozent), Italien (+9,7 Prozent) oder Spanien (+12,4 Prozent) wiesen in der ersten Hälfte des Jahrzehnts unter dem Strich niedrigere Arbeitskostensteigerungen auf.

Atempause notwendig

Eine Bewertung der jetzt vorliegenden Daten zu den internationalen Chemie-Arbeitskosten zeigt, dass sich der Standort Deutschland weiterhin auf einem sehr hohen Niveau bewegt und im internationalen Wettbewerb einen deutlichen Standort-Nachteil bei den Kosten der Beschäftigung aufweist. Um die aktuell von vielen Seiten unter Druck stehende Konkurrenzfähigkeit der heimischen Arbeitsplätze wiederherzustellen, ist somit auf absehbare Zeit auch eine zurückhaltende Entwicklung der Arbeitskosten unerlässlich. Dies bleibt Auftrag für die Tarifvertragsparteien, die betrieblichen Akteure und auch die Politik, denn ein wesentlicher Teil der Arbeitskostenentwicklung der vergangenen Jahre wurde in Deutschland auch durch steigende Kosten für die Sozialversicherungssysteme verursacht.

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