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Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland war 2025 unter dem Strich mehr als enttäuschend. Die Branche befindet sich in einer immer schwierigeren Lage. Nach einem kurzen Aufflackern zum Jahresbeginn 2025, verursacht vor allem durch Vorzieheffekte zur Verschiffung von Waren in die USA vor dem Inkrafttreten des neuen Zollregimes dort, hat sich die Situation im weiteren Jahresverlauf erneut verschlechtert. Produktion, Umsatz und Auftragseingänge sind tendenziell weiter rückläufig, die Kapazitätsauslastung bleibt deutlich unter der rentablen Normalauslastung.

Die Ursachen sind vielfältig: Neben einer schwachen Industriekonjunktur in Deutschland und Europa belasten globale Überkapazitäten, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie geopolitische Unsicherheiten die Branche massiv. Die in Teilen stabilere Pharmasparte kann den Rückgang in der Chemie nicht mehr kompensieren. Die deutsche Industrie insgesamt bleibt seit Jahren deutlich hinter den wichtigsten globalen Wettbewerbern zurück; nennenswertes Wachstum oder Wohlstandszuwächse werden nicht mehr erwirtschaftet. Die strukturellen Herausforderungen am Standort Deutschland sind gravierend und setzen die Unternehmen, gerade auch in Chemie und Pharma, zunehmend unter Druck.

Produktion: Dramatische Verluste

Die Nettoproduktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie ist seit 2018 dramatisch gesunken. Heute werden rund 16 Prozent weniger Produkte hergestellt als vor acht Jahren. Besonders alarmierend: Das Produktionsvolumen liegt nach dem deutlichen Rückgang in 2022 seit drei Jahren durchgehend auf einem Tiefststand; und dieser Stand entspricht dem Niveau von 2005. Um die Verluste seit dem letzten konjunkturellen Höhepunkt Mitte 2018 wieder auszugleichen, wäre ausgehend vom jetzigen Niveau ein Produktionswachstum von insgesamt 25 Prozent erforderlich. Auch wenn die Chemie im engeren Sinne – also ohne Pharma – und hier vor allem die energieintensive Grundstoffchemie in den letzten Jahren, besonders von dem Rückgang der Produktion getroffen wurde, zeigen letztlich alle Teilbranchen im Organisationsbereich der Chemie-Arbeitgeber eine negative Produktionsentwicklung. Verglichen mit dem ersten Quartal 2018 lag das Volumen der produzierten Menge im dritten Quartal 2025 zwischen 5 Prozent (Pharma) und 51 Prozent (Chemiefasern) niedriger. Zuwächse gab es in keinem einzigen Bereich.

 

BAVC Produktion

 

Kapazitätsauslastung: Ein Viertel der Anlagen im Leerlauf

Folglich ist auch die Kapazitätsauslastung der Branche seit 2022 dauerhaft kritisch. Während eine Normalauslastung zwischen 82 bis 84 Prozent liegt, erreichte die Chemie- und Pharmaindustrie 2025 insgesamt im dritten Quartal 2025 nur noch einen Wert von rund 74 Prozent. Seit über vier Jahren liegt die Auslastung damit jetzt unter der rentablen Schwelle – so lange wie noch nie zuvor. Mehr als ein Viertel der Anlagen ist faktisch im Leerlauf. Diese andauernde Unterauslastung führt in der Folge zu Stilllegungen von Anlagen, Investitionszurückhaltung und Beschäftigungsabbau. Der Abwärtstrend ist bislang noch ungebrochen und gefährdet die Zukunftsfähigkeit des Standorts nachhaltig.

Auftragseingänge: Keine Hoffnung in Sicht

Auch bei den Auftragseingängen zeigt sich weiter ein düsteres Bild – Hoffnung auf eine Besserung der Lage der Branche in 2026 besteht nicht. Im Vergleich mit Anfang 2018 verzeichnet die Branche aktuell ein rund 15 Prozent niedrigeres Auftragsvolumen, gegenüber Ende 2021 beträgt das Minus sogar 20 Prozent. Eine Trendwende ist auch hier nicht erkennbar – im Gegenteil: Im dritten Quartal 2025 wurde ein neuer Tiefststand der Entwicklung der letzten Jahre erreicht. Die schwache Nachfrage betrifft dabei sowohl das Inlandsgeschäft als auch den Export. Handelskonflikte, hohe Kosten und eine globale Konjunktur ohne große Dynamik verstärken den Druck.

Geschäftsklima: Stimmung bleibt im Keller

Ein ähnlich trübes Bild von der Situation der chemisch-pharmazeutischen Industrie zeichnen, nicht überraschend, auch die weicheren Stimmungsindikatoren. Der ifo-Konjunkturklimaindex für die Chemie- und Pharmaindustrie zeigt eine schlechte Stimmung in den Unternehmen. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und die Geschäftserwartungen sind seit Jahren negativ. Nach einer kurzen und sehr leichten Aufhellung im Sommer 2025 rutschten die Erwartungen im Herbst wieder ins Minus. Die Unternehmen bewerten ihre Lage mehrheitlich als historisch schlecht, die Unsicherheit bleibt hoch, Erwartungen auf Besserung bestehen in Summe kaum.

 

BAVC Lohnstueckkosten

 

Produktivität und Lohnstückkosten: Effizienz sinkt, Kosten explodieren

Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde (#Chemie26) in der chemischen Industrie ist vor dem Hintergrund der kritischen Situation der Branche insgesamt auch die Entwicklung der Indikatoren Produktivität und Lohnstückkosten von Bedeutung. Auch hier sind keine positiven Signale zu sehen. Die Produktivität der Branche ist seit 2018 um mehr als 21 Prozent gesunken und erreichte Mitte 2025 einen neuen Tiefststand. Gleichzeitig sind die Lohnstückkosten – also die Arbeitskosten je produzierter Einheit – seit 2018 um rund 50 Prozent gestiegen. Seit 2021 steigen die Lohnkosten pro Produkteinheit in der Branche jedes Jahr im Durchschnitt um über 10 Prozent. Deutschland insgesamt und auch die chemisch-pharmazeutische Industrie ist zwar weiterhin im Vergleich mit anderen Ländern ein eher produktiver Industriestandort, doch die Wettbewerbssituation hat sich zuletzt deutlich verschlechtert und die Kostenbelastung ist im internationalen Vergleich extrem gestiegen. Die Arbeitskosten je Stunde lagen 2024 bei über 65 Euro und damit weiterhin über den Werten wichtiger europäischer und globaler Wettbewerber – gleichzeitig ist der dargestellte Rückgang der Produktivität zu verzeichnen. Diese Entwicklung trägt zur Verschärfung der strukturellen Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit und den Standorterhalt bei. Eine Trendwende ist dringend nötig, um die Zukunftsfähigkeit der Produktionsstandorte der Branche in Deutschland auch bei diesem Indikator schrittweise wieder zu stärken.

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