Tarifverhandlungen starten: Kernfrage Wettbewerbsfähigkeit
Am 14. Januar geht’s los – dann starten die Tarifverhandlungen für die Chemie- und Pharmaindustrie. Es geht um eine tarifpolitische Weichenstellung für 1.700 Unternehmen mit 585.000 Beschäftigten!
Die gemeinsame Verantwortung der Sozialpartner wächst mit den Herausforderungen: In unserer Branche bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Einschnitte, Anlagenschließungen, Stellenabbau – die Chemie verliert an Substanz. Gemeinsames Ziel der Sozialpartner muss sein, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Das gelingt nur mit mehr Produktivität, nicht mit höheren Kosten. Unsere Mitglieder haben glasklare Erwartungen an die Tarifpolitik: Es gibt kein Wachstum. Es gibt keinen Aufschwung. Es gibt keinen Verteilungsspielraum. Machen wir Arbeit am Standort Deutschland noch teurer, verschärfen wir die Krise. Wir brauchen jetzt eine tarifpolitische Atempause, damit die Betriebe sich so gut wie möglich neu aufstellen können.
Machen wir uns nichts vor: Für die Chemie gilt „Alarmstufe Rot“! Hohe Energie- und Arbeitskosten, steigender Importdruck und neue Zölle, überbordende Bürokratie und schwache Nachfrage, geopolitische Verschiebungen und tiefgreifende strukturelle Veränderungen setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Wir produzieren heute 20 Prozent weniger als 2018. Die Auslastung liegt auf einem historisch niedrigen Niveau. Tausende Stellen werden abgebaut oder stehen zur Disposition. In dieser Situation muss Tarifpolitik entlasten, statt zusätzliche Belastungen zu forcieren.
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STANDPUNKT: BAVC-Hauptgeschäftsführer Mathias Schöttke
„Die Verantwortung der Sozialpartner wächst mit den Herausforderungen.“
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BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk hat es kurz vor Weihnachten gegenüber der Presse auf den Punkt gebracht: Personalabbau ist für unsere Mitgliedsunternehmen ultima ratio. Das wird nur gemacht, wenn es nicht anders geht. Dass wir in der Industrie derzeit Tausende Arbeitsplätze verlieren, ist die Folge fehlender Wettbewerbsfähigkeit. Niemand sollte jetzt falsche Erwartungen wecken: Eine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag wird es nicht geben. Sichere Arbeitsplätze lassen sich nicht verordnen, weder durch die Politik noch durch die Sozialpartner auf Branchenebene. Je schneller wir wieder wettbewerbsfähig werden, desto besser sind die Perspektiven für die Beschäftigung.
Offen ist, ob wir unter dem Druck der Krise zu weiteren Reformschritten in unseren Tarifverträgen kommen. Die Arbeitgeber halten an der Modernisierung des Bundesentgelttarifvertrags fest. Wir wollen damit einen Beitrag für mehr Wettbewerbsfähigkeit leisten. Wir streben seit Langem eine Entschlackung der Chemie-Tarifverträge an. Unser Ziel ist es, schneller, flexibler und einfacher zu werden. Dabei dürfen keine zusätzlichen Kosten durch die Hintertür entstehen. Trotz der intensiven Vorarbeit beider Seiten ist es allerdings möglich, dass die kritische Lage der Branche die Reform der Tarifverträge in den Hintergrund rückt.
Viel zu tun also für die Sozialpartner – packen wir’s gemeinsam an! Schaffen wir Zuversicht und Planbarkeit in diesen turbulenten Zeiten, indem wir den Unternehmen nach Jahren der Krise die dringend benötigte Atempause verschaffen.