Chemie mit Alarmstufe Rot: Atempause jetzt!
Was nehmen wir mit aus den regionalen Verhandlungen mit der IGBCE in der Tarifrunde #Chemie26?
Meine takeaways: Die Arbeitgeber treten sehr geschlossen und überzeugend auf. Wir haben unsere Position klar und deutlich kommuniziert – darauf können wir auf Bundesebene aufbauen. Und: In der Analyse der wirtschaftlichen Lage waren Arbeitgeber und Gewerkschaft schon weiter auseinander als derzeit. Die Krise unserer Branche ist auf beiden Seiten präsent, in unterschiedlicher Ausprägung, aber immerhin.
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STANDPUNKT: BAVC-Hauptgeschäftsführer Mathias Schöttke
„Gemeinsames Ziel der Sozialpartner muss sein, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.“![]()
Werden die Verhandlungen deshalb einfacher? Nein! Größere Schnittmengen beim Lagebild führen nicht automatisch zu gemeinsamen tarifpolitischen Konsequenzen. Die IGBCE will mehr Geld und verbindliche Zusagen zur Beschäftigungssicherung. Wir wollen eine tarifpolitische Atempause. Die ist überfällig - die Branche steht mit dem Rücken zur Wand.
Gemeinsames Ziel der Sozialpartner muss sein, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Das gelingt nur mit mehr Produktivität, nicht mit höheren Kosten. Unsere Mitglieder haben glasklare Erwartungen an die Tarifpolitik: Es gibt kein Wachstum. Es gibt keinen Aufschwung. Es gibt keinen Verteilungsspielraum. Machen wir Arbeit am Standort Deutschland noch teurer, verschärfen wir die Krise und beschleunigen den Substanzverlust.
Die chemische Industrie am Standort Deutschland befindet sich in der tiefsten Krise seit Jahr-zehnten: Hohe Energie- und Arbeitskosten, steigender Importdruck und neue Zölle, überbordende Bürokratie und schwache Nachfrage, geopolitische Verschiebungen und tiefgreifende strukturelle Veränderungen setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Unsere Unternehmen produzieren heute 20 Prozent weniger als 2018. Die Auslastung liegt auf einem historisch niedrigen Niveau. Tausende Stellen werden abgebaut oder stehen zur Disposition. In dieser Situation kann die Inflation kein Maßstab sein. Jetzt muss Tarifpolitik entlasten, statt zusätzliche Belastungen zu forcieren.
Der Abbau von Arbeitsplätzen ist für unsere Branche immer ultima ratio. Dass wir in der Industrie derzeit massiv Arbeitsplätze verlieren, ist die Folge fehlender Wettbewerbsfähigkeit. Niemand sollte jetzt falsche Erwartungen wecken: Eine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag kann es nicht geben. Sichere Arbeitsplätze lassen sich nicht verordnen, weder durch die Politik noch durch die Sozialpartner auf Branchenebene. Je schneller wir wieder wettbewerbsfähig werden, desto besser sind die Perspektiven für die Beschäftigung.
Am Dienstag werden die Tarifverhandlungen auf Bundesebene fortgesetzt. Wir sind gut vorbereitet und werden alles daran setzen, einen Abschluss zu erzielen, der den Unternehmen eine Atempause verschafft.





