#Chemie26: Tarifpolitik ist keine Einbahnstraße
Je schwieriger die wirtschaftliche Lage, desto härter sind Tarifverhandlungen. Je weniger zu verteilen ist, desto mehr Zeit nehmen sie in Anspruch.
Insofern überrascht es nicht, dass die Chemie-Tarifrunde 2026 in die Verlängerung geht. Seit Beginn der massiven Krise der deutschen chemischen Industrie im Jahr 2022 gab es keine Tarifrunde, die mit der zuvor geltenden Standardformel „1 regionale + 2 bundesweite Verhandlungsrunden“ abgeschlossen werden konnte.
Wir leben seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in einer anderen Zeit. Einflüsse wie die erratische US-Zollpolitik oder der fehlende Reformwille in Deutschland verstärken die Krise zusätzlich. Es ist höchste Zeit, dass die IGBCE diese Fakten endlich auch in ihrer Tarifpolitik abbildet. Das war bei den Verhandlungen in Wiesbaden nicht der Fall, und deshalb treffen wir uns Ende März zur dritten bundesweiten Verhandlungsrunde in Bad Breisig.
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STANDPUNKT: BAVC-Hauptgeschäftsführer Mathias Schöttke
„Ein ‚Weiter so‘ ist für die Arbeitgeber keine Option.“![]()
Nach Jahren der Krise mit einem Produktionseinbruch von 20 Prozent, historisch schwacher Auslastung und Stellenabbau ist ein „Weiter so“ für die Arbeitgeber keine Option. BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk bringt es auf den Punkt: „In der Industrie haben sich die Rahmenbedingungen für Tarifpolitik fundamental verändert. Anders als über Jahrzehnte gewohnt, gibt es derzeit keine Zuwächse, die wir verteilen können. Nachdem die Arbeitgeber mit dem Tarifabschluss 2024 massiv in Vorleistung gegangen sind, ist es nun vor allem an der IGBCE, sich zu bewegen. Die Unternehmen brauchen jetzt eine tarifpolitische Atempause, um sich so gut wie möglich neu aufzustellen.“
Tarifpolitik ist keine Einbahnstraße. Das gilt für die IGBCE, und das gilt für uns Arbeitgeber. Deshalb haben wir der IGBCE bereits mehrfach Kompromisslinien vorgeschlagen, die allesamt abgelehnt wurden. Zentral ist für unsere Unternehmen ein Tarifabschluss, mit dem wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Arbeitgeber gehen ebenso geschlossen wie lösungsorientiert in die weiteren Verhandlungen. Wir werden weiter konstruktiv an einem Kompromiss arbeiten. Aber klar ist auch: Beide Seiten sind in der Pflicht, für Fortschritte in den Verhandlungen zu sorgen.





