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Sicherheitspolitik und Fachkräftesicherung gemeinsam denken

Die sicherheitspolitische Neuausrichtung Deutschlands wird von den Chemie-Arbeitgebern ausdrücklich unterstützt. Gleichzeitig steht der neue freiwillige Wehrdienst in einem sensiblen Spannungsfeld. Er trifft auf einen Arbeitsmarkt, der in technischen und MINT-nahen Berufen bereits heute unter strukturellem Fachkräftemangel leidet. Durch eine im Vergleich zur dualen Ausbildung deutlich höhere Vergütung und zusätzliche monetäre Anreize entsteht ein unmittelbarer Wettbewerb um junge Talente, insbesondere in Engpassprofilen wie Elektronik, Mechanik oder sicherheitsrelevanten Berufen

Vor diesem Hintergrund fordern die Chemie-Arbeitgeber im neuen Positionspapier zum freiwilligen Wehrdienst eine arbeitsmarktgerechte Ausgestaltung der Wehrdienstmodernisierung. Der freiwillige Wehrdienst darf kein paralleles System etablieren, das qualifizierte junge Menschen temporär oder dauerhaft dem zivilen Ausbildungssystem entzieht. Sicherheitspolitik und Fachkräftesicherung sind keine Gegensätze, sondern müssen integriert gedacht werden.

Kompetenzen aus dem Wehrdienst anschlussfähig machen

Zentral ist dabei die Anschlussfähigkeit der im Wehrdienst erworbenen Kompetenzen. Militärisch vermittelte Qualifikationen müssen systematisch dokumentiert, in zivil verständliche Kompetenzprofile übersetzt und an bestehende Standards des Berufsbildungsgesetzes angebunden werden. Digitale Kompetenznachweise, standardisierte Qualifikationsprofile und BBiG-konforme Teilqualifikationen bieten hierfür geeignete Instrumente. Da eine vollständige Berufsausbildung während eines freiwilligen Wehrdienstes realistisch nicht möglich ist, sollten anerkannte Teilqualifikationsmodule integriert werden, die einen nahtlosen Übergang in eine verkürzte betriebliche Ausbildung ermöglichen.

Wehrdienst als Brücke in Ausbildung und Studium

Der Wehrdienst muss als Brücke wirken, nicht als Ersatz für Ausbildung oder Studium. Dafür braucht es frühzeitige Berufsorientierung, strukturierte Entwicklungsgespräche und eine verbindliche Übergangsplanung bereits zu Beginn der Dienstzeit. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr spielt hierbei eine Schlüsselrolle, ist jedoch in der betrieblichen Praxis häufig zu wenig bekannt und strukturell nicht ausreichend ausgestattet.

Planungssicherheit für Unternehmen schaffen

Besondere Bedeutung kommt der Planungssicherheit für Unternehmen zu. Derzeit fehlt eine bundeseinheitliche rechtliche Klarheit zum Ruhen von Ausbildungsverhältnissen während des Wehrdienstes. Weder Wehrdienstmodernisierungsgesetz noch Berufsbildungsgesetz enthalten hierzu eindeutige Regelungen. Diese Lücke schafft Unsicherheit für Betriebe wie für junge Menschen und sollte politisch geschlossen werden.

Fehlanreize vermeiden und Bildungsbiografien sichern

Zudem gilt es, Fehlanreize zu vermeiden. Die Kombination aus attraktiver Vergütung, Sinnstiftung und Zugehörigkeit kann insbesondere in technischen Engpassberufen zu Verdrängungseffekten aus dualen Ausbildungen führen. Der Wehrdienst darf daher nicht als kurzfristig finanziell attraktive Alternative ohne qualifizierenden Abschluss wirken. Ziel muss sein, dass jede und jeder Wehrdienstleistende perspektivisch einen anerkannten Berufsabschluss anstrebt und entsprechende Angebote erhält. Die Chemie-Arbeitgeber sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und Übergänge aktiv mitzugestalten. Voraussetzung bleibt jedoch eine klare politische Leitlinie, bundeseinheitliche Regelungen und verlässliche Übergangsstrukturen.

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