Befristete Teilzeit:
Personalplanung wird weiter erschwert

Die neue große Koalition nimmt nach längerem Anlauf die Arbeit auf: Der Referentenentwurf zur Änderung des Teilzeitrechts ist da. Das Gesetz soll am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Bezweckt wird, dass Arbeitnehmer freiwillig in Teilzeit arbeiten können, ohne unfreiwillig in der Teilzeit bleiben zu müssen.

Zwei Kernelemente prägen den Referentenentwurf: Zum einen die befristete Teilzeitarbeit und zum anderen die erhebliche Vereinfachung für alle heute bereits in dauerhafter Teilzeit beschäftigten Mitarbeiter, ihre Arbeitszeit zu verlängern. Letzteres findet in der Öffentlichkeit trotz ganz erheblicher Relevanz kaum Beachtung.

Befristete Teilzeit schafft neue Probleme

Größtes Praxisproblem der befristeten Teilzeit ist es, vorübergehend qualifizierten Ersatz zu finden. Theoretisch kann das fehlende Volumen befristet kompensiert werden; in der Praxis müssen diese qualifizierten Arbeitskräfte aber auch gefunden werden. Da diesen nur ein befristeter Arbeitsvertrag ohne Aussicht auf Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis angeboten werden kann, ein schwieriges Unterfangen.

Auch Arbeitnehmerüberlassung ist keine Lösung. Zeitarbeitnehmer dürfen nur 18 Monate in einem Betrieb tätig werden. Bei längerer Überbrückung müssten mehrere jeweils neu einzuarbeitende Zeitarbeitnehmer beschäftigt werden. Auch eine Kombination aus Arbeitnehmerüberlassung und Befristung scheidet aufgrund der geplanten Anrechnungen im Befristungsrecht aus.

Unterm Radar: Recht auf Verlängerung der Arbeitszeit

Für bereits in Teilzeit Beschäftigte soll es deutlich einfacher werden, die Arbeitszeit zu verlängern. Heute muss der Arbeitgeber einen Mitarbeiter in Teilzeit, der länger arbeiten möchte, bei der Besetzung freier Arbeitsplätze bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigen. Entgegenstehende dringende betriebliche Gründe hat der Arbeitgeber zu beweisen. Künftig wird es für den Arbeitnehmer leichter: Die prozessuale Beweislast wird zu Lasten des Arbeitgebers verändert. Der Arbeitgeber muss künftig zusätzlich beweisen, dass der Arbeitsplatz nicht frei ist oder dass der Arbeitnehmer ungeeignet ist. In der Praxis ist dies eine enorme Hürde, die nun der Arbeitgeber nehmen muss.

Einschnitt in die unternehmerische Freiheit

Ohne Not wird so in heute gesichert bestehende Abläufe eingegriffen. Zur Abdeckung vorübergehender Vertretungen werden mehr Arbeitnehmer in Befristungen gedrängt. Außerdem wird die betriebliche Personalplanung mit der vereinfachten arbeitnehmerseitigen Durchsetzung längerer Arbeitszeiten noch komplexer. Immer neue gesetzliche Regelungen setzen sich wie viele kleine Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammen: Unternehmen werden immer mehr Pflichten und Lasten auferlegt, die in Summe zu einer massiven Beeinträchtigung der unternehmerischen Bewegungsfreiheit führen. Die Politik sollte besser den Fokus auf das Schaffen einer soliden Basis richten, die erfolgreiches Wirtschaften ermöglicht.

 

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