Tarifrunde #Chemie2018:
Augenmaß statt 6+1

6 Prozent sagen und 7 Prozent meinen - mit dieser Logik geht die Chemie-Gewerkschaft IG BCE in die Tarifrunde für die 580.000 Beschäftigten in den 1.900 Betrieben der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Auf den ersten Blick fordert die IG BCE mit 6 Prozent mehr Entgelt zwar etwa so viel wie andere Gewerkschaften in diesem Jahr. Schaut man aber genauer hin, setzt sie sich mit der Zusatz-Forderung nach einer Verdopplung des tariflichen Urlaubsgelds an die Spitze des Feldes. Im Klartext: Die IG BCE fordert nicht 6 Prozent, sondern 6+1.

Einmaligen Boom mit Einmalzahlungen honorieren

Die Antwort der Arbeitgeber: „Bei allem begründeten Optimismus: Die IG BCE muss aufpassen, dass sie die Bodenhaftung behält. 6 Prozent mehr Entgelt und 1 Prozent on top für mehr Urlaubsgeld - das ist mit uns nicht zu machen. Die Bäume wachsen, aber sie wachsen auch in der Chemie nicht in den Himmel“, unterstreicht BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller. „Wenn wir als Branche weiter wachsen wollen, brauchen wir eine besonnene Tarifpolitik. Eine einmalige Boom-Phase können wir unter anderem mit Einmalzahlungen honorieren. Dann sind wir besser aufgestellt, sobald der Weg wieder steiniger wird.“

Nachholbedarf gibt es jedenfalls nicht: In der Chemie verdient ein Tarifmitarbeiter in Vollzeit im Schnitt über 59.000 Euro im Jahr. Zudem können auch die Unternehmen den Euro nur einmal ausgeben. Wer, wie die IG BCE, die Rückkehr zur Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung und höhere Renten fordert, steigert damit die Personalkosten für die Unternehmen. Stiller: „Dann muss man auch akzeptieren, dass weniger Geld für Tariferhöhungen zur Verfügung steht.“

Zeitsouveränität: Fortschritte für beide Seiten erzielen

Gesprächsbereitschaft signalisieren die Arbeitgeber bei der Gestaltung der modernen Arbeitswelt. Die Tarifrunde sei der richtige Rahmen, um Fortschritte für beide Seiten zu erzielen. „Wer aber mehr Zeitsouveränität mit einer Verringerung des Arbeitsvolumens übersetzt, muss für einen Ausgleich am anderen Ende sorgen“, so der BAVC-Hauptgeschäftsführer. Die Verhandlungen beginnen am 20. Juni in Rheinland-Pfalz.

 

„Die IG BCE muss aufpassen, dass sie die Bodenhaftung behält.“

BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller

 



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