Wirtschaftliche Lage:
Eurokurs und Ölpreis werden zur Herausforderung

Der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Seit dem Jahresbeginn 2017 ist ein Plus von rund 15 Prozent aufgelaufen. Zusätzlich entwickelt sich der steigende Ölpreis immer mehr zur Belastung für die Konjunktur. 

Negative Währungseffekte

War ein Euro Anfang letzten Jahres noch 1,05 US-Dollar wert, so lag der Kurs im April 2018 im Durchschnitt schon bei 1,23 US-Dollar. Auch wenn es nach der vorläufigen Regierungsbildung in Italien einen Rückgang gab, ist der Euro damit um rund 15 Prozent im Wert gestiegen. Während dies den deutschen Urlauber in den USA freut, weil alle Einkäufe dort entsprechend billiger werden, wird dies für die deutsche Exportwirtschaft zunehmend zu einer Belastung. Exporte aus Deutschland in die USA - und in viele andere Länder, mit denen Verträge und Leistungen in US-Dollar abgeschlossen und berechnet werden - verteuern sich um 15 Prozent.

Die Unternehmen stehen damit vor der Wahl, entweder ihre Preise vor Ort zu erhöhen, um noch denselben Ertrag in Euro zu erzielen, oder sinkende Erlöse in Kauf zu nehmen. Aber Preiserhöhungen führen natürlich zu einer rückläufigen Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produkte und einem tendenziell sinkenden Absatz.

Die Herausforderung besteht dabei nicht nur für Exporte in Länder, mit denen in US-Dollar abgerechnet wird. Auch der Index für den Wert des Euro gegenüber den Währungen aller wichtigen Handelspartner insgesamt (gewichtet nach dem jeweiligen Handelsvolumen) zeigt in den letzten Monaten eine vergleichbare besorgniserregende Entwicklung.

Erträge gehen zurück

Aus dieser Entwicklung ergeben sich negative Effekte auf das Ergebnis und die wirtschaftliche Lage von Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Produkte exportieren. Entsprechende Warnungen waren zuletzt auch den Berichten einiger Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu entnehmen.

Daneben sind aber auch Unternehmen betroffen, die ihre Produkte hauptsächlich im Inland absetzen. Denn im selben Umfang, in dem deutsche Exporte teurer werden, verbilligen sich die Importe zum Beispiel US-amerikanischer Unternehmen nach Deutschland. Hier können die Hersteller die Preise senken und sich somit Vorteile im Wettbewerb mit den europäischen Produzenten verschaffen, ohne selbst auf Erlöse verzichten zu müssen.

Unsicherheit treibt Ölpreis

Neben den Währungseffekten nahm die weltweite politische Unsicherheit in den letzten Monaten erheblich zu. Der Austritt der USA aus dem Iran-Abkommen und drohende Sanktionen sind weitere Belastungsfaktoren. Hierdurch wurde unter anderem die Entwicklung der Rohölpreise weiter befeuert.

Trotz der seit Monaten wachsenden geopolitischen Spannungen erwarteten die meisten Prognosen bisher, dass der seit Mitte 2017 zu beobachtende Preisauftrieb beim Rohöl langsam nachlässt - vor allem, da der globale Ölmarkt von einem Überangebot dominiert war. Ob diese Erwartungen sich aber bestätigen, erscheint zunehmend unsicher. Aktuell sind die Preise am Spotmarkt nach einem kurzen Dämpfer im Februar zunächst auf neue Höchstwerte von zeitweise über 80 US-Dollar je Barrel geklettert.

Kräftig steigende Ölpreise drücken auf die Gewinnmargen gerade der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Wichtige Vorprodukte der Branche werden teurer. So stieg der Preis für Naphta im April deutlich. Die Unternehmen sind von diesen Entwicklungen sehr unterschiedlich betroffen, je nachdem wo sie sich in der Lieferkette befinden, wie ihre Produktpalette zusammengesetzt ist und welche Möglichkeiten sie besitzen, Preiserhöhungen der Vorprodukte beim eigenen Absatz weiterzugeben.

Wettbewerbsnachteile in Europa

Für europäische Standorte der chemisch-pharmazeutischen Industrie verschärfen die steigenden Ölpreise strukturelle Wettbewerbsnachteile, die sie gegenüber US-amerikanischen Produzenten oder den Betrieben »am Bohrloch« im Nahen und Mittleren Osten ohnehin haben. Diese haben - durch die bei steigenden Preisen wieder attraktiver werdende Förderung von Schiefergas oder den direkten Zugang zum Rohöl im eigenen Land - wachsende Kostenvorteile bei den wichtigsten Rohstoffen.

Gesamtwirtschaftlich gesehen entziehen die steigenden Rohölpreise, die sich für die Verbraucher auch an der Zapfsäule zeigen, Deutschland zudem Kaufkraft und wirken so bremsend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Gute Stimmung schwindet

Die Effekte aus Wechselkursen und Ölpreisen, aber wohl auch grundsätzlich die Rückkehr der Branche aus der Sonderkonjunktur des letzten Jahres auf einen moderateren Wachstumskurs, haben wichtige Stimmungsindikatoren weiter auf Talfahrt geschickt. Der ifo-Geschäftsklimaindex befindet sich seit Jahresbeginn im Sinkflug. In der chemisch-pharmazeutischen Industrie werden die Geschäftsaussichten schwächer eingeschätzt als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt.

 

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