Chemie³-Veranstaltung 'Chemie Digital':
Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Digitalisierung: Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Wer fit für die Zukunft sein will, indem er Ressourcen schonend einsetzt (Nachhaltigkeit), der braucht einen hohen Grad an „digitaler Reife“ (digital maturity).

Und das in doppelter Hinsicht: Unternehmen, die den Anschluss nicht verpassen wollen, müssen ihre betrieblichen Prozesse immer weiter digitalisieren, um Effizienzgewinne zu heben. Sie müssen neue, digitale Geschäftsmodelle entwickeln, um nicht - Stichwort „Disruption“ - von den Märkten gefegt zu werden. Und: Sie müssen neue Formen der Zusammenarbeit ausbilden, die genau diesen Wandel ermöglichen. Wirtschaft 4.0 braucht Arbeiten 4.0.

Vom Reden zum Handeln

Beides zusammen gedacht hat die Veranstaltung „Chemie digital: Wirtschaften und Arbeiten in der Zukunft“, zu der die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ Mitte Juni nach Berlin geladen hat. In einer Podiumsdiskussion mit den Vertretern von Chemie³, Wissenschaft, Politik und dem Landtechnik-Hersteller CLAAS wurde das Thema digitale Transformation der Chemie in seiner ganzen Breite diskutiert.

Ernüchternd gleich zu Beginn die Diagnose von Professor Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Deutschland habe „die erste Halbzeit der Digitalisierung verloren“ und müsse jetzt „gehörig Gas geben“. Auch Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, stellte Deutschland kein gutes Zeugnis aus und geißelte das verbreitete „Bedenkenträgertum“. Es gelte, einen positiven Zugang zu Wachstum und Innovation zu entwickeln.

Eine positive Wende nahm die Diskussion spätestens, als VCI-Präsident Kurt Bock die Vorreiterrolle der deutschen Chemie beim Thema „Nachhaltigkeit“ pries - wobei er die digitale Transformation der Branche gleich mitdachte: Nachhaltigkeit und Digitalisierung gehörten „symbiotisch“ zusammen. Thomas Böck, Mitglied der Konzernleitung der CLAAS Gruppe, gab zu bedenken, dass es falsch sei, Digitalisierung zuerst mit „Rationalisierung“ - und gegebenenfalls Jobabbau - gleichzusetzen. Schließlich böten digitale Technologien und Geschäftsmodelle enorme Wachstumspotenziale - Jobs inklusive.

Deutlich der Appell von Daniela Kluckert (FDP): „Digital first!“ rief die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages dem Auditorium zu: Ausreden für den Ausbau der digitalen Infrastruktur gebe es genug - jetzt heiße es: handeln!

Good Practice aus der Chemie:
Toolbox Arbeiten 4.0 und WORK@industry 4.0

BAVC-Präsident Kai Beckmann machte in der Diskussion klar, dass die Chemie bereits einiges auf den Weg gebracht hat. Mit der Toolbox Arbeiten 4.0 hätten die Chemie-Arbeitgeber einen Kurs eingeschlagen, der vom abstrakten Reden über Arbeiten 4.0 zur praktischen Umsetzung führe. Die Toolbox bietet zahlreiche Leitfäden, Arbeitshilfen und Praxisbeispiele, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen einen Start in die Arbeitswelt 4.0 ermöglichen. Außerdem wies er darauf hin, dass die Sozialpartner den Dialogprozess „WORK@industry 4.0“ ins Leben gerufen haben, der sich ausdrücklich mit der Arbeit der Zukunft beschäftigt.

Die Sozialpartner wollen gestalten

Die Diskussion wurde in zwei Dialogforen fortgesetzt und vertieft. Neben einem Forum, das unter dem Stichwort „Chemie 4.0“ den Zusammenhang von Digitalisierung und nachhaltiger Entwicklung in den Blick nahm, ging ein hochrangig besetztes Panel der Frage nach, ob Arbeiten 4.0 in der Chemie eher „Schreckensszenario oder Verheißung“ sei. Die Runde war sich schnell einig: weder noch! Es gehe darum, eine Arbeitswelt im Wandel zu gestalten, und hierfür seien die Chemie-Sozialpartner als erprobte, nicht zuletzt tarifliche Change-Experten gefragt. In den Augen von Arbeitsministerium und Chemie-Sozialpartnern sollten sich Letztere unbedingt in die neue Denkfabrik des Ministeriums „für die digitale Arbeitsgesellschaft“ einbringen. Der Staatssekretär für Digitalisierung, Björn Böhning (SPD), hob die Rolle der Sozialpartner bei der Bewältigung des Wandels in der Arbeitswelt hervor und bekräftigte den bekannten Ansatz seines Hauses, mit Öffnungsklauseln flexible (Arbeitszeit-)Lösungen ermöglichen zu wollen.

Ariane Reinhart, Vorsitzende des BAVC-Ausschusses Arbeiten 4.0 und Personalvorstand der Continental AG, sowie Francesco Grioli, im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE zuständig für Digitalisierung, gaben Einblick in den Sozialpartnerdialog „WORK@industry4.0“. Sekundiert von Katrin Roßnick (Betriebsrat Mylan Healthcare GmbH) und Dirk Harhoff (Bayer AG) hoben sie dessen Philosophie hervor: Der „offene Dialog im geschlossenen Raum“ habe es ermöglicht, Ideen für die Chemie-Arbeitswelt von morgen zu entwickeln.

Rolle der Bundesagentur für Arbeit

Passend dazu stellte Detlef Scheele seine Bundesagentur für Arbeit (BA) als Ermöglicher für die Gestaltung der Arbeitswelt 4.0 dar. Der BA-Chef wehrte sich gegen Vorwürfe, die Behörde wolle sich in einen Apparat verwandeln, der Weiterbildung nach dem Gießkannenprinzip betreibt. Richtig sei: Der BA und ihm selbst liege Weiterbildung am Herzen, gerade vor dem Hintergrund sich verändernder Berufsprofile in Zeiten des digitalen Wandels. Sein Haus strebe aber die Rolle eines „Beraters und Finanziers“ für die (individuelle) betriebliche Weiterbildung an, von der Beschäftigte und Betriebe gleichermaßen profitieren.

 

Das Video zur Veranstaltung sowie nähere Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative finden Sie unter
www.chemiehoch3.de



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