Chemie-Arbeitskosten:
Auf Rekordniveau

Die Arbeitskosten steigen weiter an: Ein Unternehmen der deutschen Chemie-Industrie musste im Jahr 2017 je vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer Arbeitskosten von rund 86.400 Euro schultern. Das sind 1,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dies geht aus vorläufigen Berechnungen des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) hervor.

Da die Produktivitätssteigerungen auch im vergangenen Jahr hinter der Steigerung der Arbeitskosten zurückgeblieben sind, hat sich mit Blick auf die Lohnkosten eine weitere Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ergeben.

Chemie-Arbeitsstunde kostet mehr als 55 Euro

Je geleisteter Beschäftigtenstunde betrugen die Chemie-Arbeitskosten im Jahr 2017 in Deutschland 55,31 Euro. Damit fiel der Kostenanstieg je Stunde mit 2,5 Prozent noch höher aus als bei der Betrachtung auf Jahresbasis. Bereits im Jahr zuvor hatten sich die Arbeitskosten je Stunde von 52,98 Euro (2015) um 1,8 Prozent auf 53,95 Euro (2016) erhöht. Die stärkere Steigerung auf Stundenbasis ist vor allem auf die auch in 2017 erneut rückläufige Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Beschäftigten zurückzuführen.

Struktur der Chemie-Arbeitskosten

Die Ergebnisse im Einzelnen: Die deutschen Chemie-Arbeitskosten in Höhe von 86.391 Euro für einen Vollzeitbeschäftigten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Der Bruttojahresverdienst eines Mitarbeiters (65.518 Euro) besteht aus dem Direktentgelt für tatsächlich geleistete Arbeit (49.508 Euro), der Vergütung für arbeitsfreie Tage wie Urlaub, Feiertage und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (10.911 Euro) sowie den fest vereinbarten Sonderzahlungen (5.098 Euro) wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Aus Sicht des Arbeitnehmers entspricht der Bruttojahresverdienst dem Wert, den er am Jahresende als Summe auf dem Lohnzettel vorfindet.

Für die Unternehmen ist jedoch nicht allein der zu zahlende Bruttojahresverdienst entscheidend, sondern die gesamten durch die Beschäftigung verursachten Kosten. Hier kommen zunächst die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers (10.499 Euro) hinzu. Diese sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent gestiegen. Weiterhin gilt es, die Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung (6.353 Euro) zu berücksichtigen sowie die sonstigen Personalzusatzkosten (4.022 Euro). Diese enthalten zum Beispiel die Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung, Abfindungen oder Kantinenzuschüsse.

Personalzusatzkosten bei 75 Prozent

Die zusätzlichen Kostenbestandteile addieren sich im Jahr 2017 in der deutschen Chemie somit auf 31,9 Prozent des Bruttojahresverdiensts. Zieht man von den Arbeitskosten (86.391 Euro) das Direktentgelt für tatsächlich geleistete Arbeit (49.508 Euro) ab, so erhält man die gesamten Personalzusatzkosten (36.884 Euro). Auf das Direktentgelt gerechnet ergibt sich hier eine Personalzusatzkostenquote von 74,5 Prozent.

 

Methodenhinweise zur Arbeitskosten­berechnung
Grundlage der Arbeitskostenberechnung sind die alle vier Jahre durchgeführten Arbeitskostenerhebungen des Statistischen Bundesamtes. Die jetzt vorliegenden, vorläufigen Daten zu den Arbeitskosten 2017 beruhen noch auf der Fortschreibung der amtlichen Ergebnisse aus dem Jahr 2012. Zur Fortschreibung werden entsprechende Hilfsstatistiken herangezogen, z.B. laufende Verdiensterhebungen, Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung oder Krankenstandstatistiken.
Eine Neuberechnung auf Basis der amtlichen Daten für das Jahr 2016 wird erst im Herbst 2018 vorliegen und dann gemeinsam mit den internationalen Arbeitskostendaten der Chemie für 2017 veröffentlicht werden.
Der BAVC arbeitet bei der Datenauswertung für die Chemie-Branche mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zusammen.


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