Chemie-Arbeitskosten international:
Deutschland weiterhin einer der teuersten Standorte

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland ist im internationalen Vergleich der Branche weiterhin mit sehr hohen Arbeitskosten konfrontiert. Das zeigen die Ergebnisse der BAVC-Auswertung zur internationalen Arbeitskosten-Rangliste der Chemie-Branche für das Jahr 2017.

Die Arbeitskosten der deutschen chemischen Industrie beliefen sich im Jahr 2017 auf 53,73 Euro je Arbeitnehmerstunde. Zu den Arbeitskosten zählen neben den gezahlten Löhnen auch die vom Arbeitgeber getragenen Sozialversicherungsbeiträge, der bezahlte Urlaub, Sonderzahlungen und betriebliche Leistungen für die Altersvorsorge.

Im Unterschied zu früheren Berechnungen wurden nun erstmals die Arbeitskosten für die gesamte chemisch-pharmazeutische Industrie berechnet. Unterschiedliche Strukturen der Branche in einzelnen Ländern können so besser berücksichtigt werden und der Vergleich umfasst einen deutlich größeren Teil des Wirtschaftsbereiches, der in Deutschland von den Chemie-Tarifverträgen erfasst wird.

Mit den Arbeitskosten von 53,73 Euro je Stunde lag Deutschland in 2017 weiterhin in der Spitzengruppe der mit Blick auf die Arbeitskosten teuersten Standorte der Branche. Gegenüber 2016 kletterten die Arbeitskosten der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie in dieser Abgrenzung um 2,7 Prozent. Im Jahr 2012 lagen die Kosten je Stunde noch bei 49,15 Euro. Innerhalb von fünf Jahren ist der Wert damit um 9,3 Prozent gestiegen.

Nur Belgien und Dänemark teurer als Deutschland

An der Spitze des internationalen Arbeitskostenvergleichs der Branche lag 2017 erneut Belgien mit einem Wert von 61,04 Euro je Stunde. Die chemisch-pharmazeutische Industrie dort nimmt schon seit einigen Jahren eine Spitzenposition bei den Arbeitskosten ein. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings die Struktur des Sektors in unserem westlichen Nachbarland - sie ist vor allem von der wenig personalintensiven Petrochemie gekennzeichnet. Diese Teilbranche erzielt im Gegenzug auch sehr hohe Umsätze je Beschäftigten. Im Vergleich zu 2016 stiegen die Kosten je Stunde in Belgien aber nur um 1,3 Prozent; seit 2012 nahmen sie lediglich um 4,4 Prozent zu. Der Abstand zu Deutschland hat sich dadurch deutlich verringert.

Mit einem Wert von 55,57 Euro lag 2017 auch Dänemark bei den Arbeitskosten je Stunde in der Chemie höher als Deutschland. In Euro gerechnet sind die Kosten dort seit 2012 um 10,1 Prozent gestiegen und somit in etwa mit derselben Dynamik wie in Deutschland. Auch ein weiteres skandinavisches Land, Schweden, lag mit Kosten von 53,19 Euro in einem ähnlichen Bereich wie Deutschland. Sowohl Dänemark wie auch Schweden sind nicht Mitglieder der Eurozone; bei der Betrachtung der Arbeitskosten je Stunde in Euro spielt hier somit auch die Entwicklung der Wechselkurse eine wichtige Rolle. Beide skandinavischen Länder finden sich allerdings nicht unter den nach Umsatz, Produktion und Beschäftigung größten Standorten der europäischen Chemie-Industrie.

Wichtige Wettbewerber schneiden besser ab

Die neben Belgien in diesem Vergleich wichtigsten europäischen Standortwettbewerber, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und die Niederlande, verfügten 2017 erneut alle über deutliche Vorteile mit Blick auf die Arbeitskosten. Dabei ist der Abstand zu den Niederlanden (-3,9 Prozent) und Frankreich (-4,0 Prozent) noch vergleichsweise überschaubar. Die weiteren großen Chemie-Standorte in der Eurozone, Italien (-29,4 Prozent) und Spanien (-43,5 Prozent), spielen mit Blick auf die Arbeitskosten hingegen in einer anderen Liga. In Großbritannien haben die Wechselkursveränderungen im Umfeld der Brexit-Diskussionen zu vergleichsweise attraktiven Arbeitskosten geführt (-43,2 Prozent im Vergleich mit Deutschland).

Aber auch die chemisch-pharmazeutische Industrie in den USA und Japan, wichtige außereuropäische Konkurrenten auf den globalen Märkten, verfügen mit Arbeitskosten von 45,55 Euro bzw. 35,15 Euro je Stunde über deutliche Kostenvorteile. Am unteren Ende der Arbeitskosten-Rangliste finden sich ausschließlich mittel- und osteuropäische Standorte. Trotz einer zum Teil deutlichen Dynamik bei der Entwicklung der Kosten sind die Abstände zu den westeuropäischen Chemie-Standorten weiterhin beachtlich. Während Slowenien (25,91 Euro) und Ungarn (15,57 Euro) „nur“ noch rund 50 bzw. 70 Prozent unter den deutschen Arbeitskosten liegen, beträgt der Abstand in Bulgarien und Rumänien weiterhin 85 Prozent oder mehr.

Für die exportorientierte Industrie in Deutschland ist die Höhe der Arbeitskosten dabei weiterhin ein wesentlicher Standortfaktor. Eine zu große Kostenlast mindert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und damit den Erfolg auf den globalen Märkten. Bei Standortentscheidungen spielt dieser Kostenblock, neben Faktoren wie der Nähe zu dynamischen Absatzmärkten, dem Investitions- und Patentschutz oder der Infrastruktur vor Ort, weiterhin eine wichtige Rolle. Im Zuge der Globalisierung haben die Arbeitskosten als Faktor der Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahrzehnten eher an Aussagekraft gewonnen, da sich Produktionsverfahren und technische Ausstattung weltweit immer schneller angleichen.

Methodenhinweise
Grundlage der Berechnungen für den internationalen Vergleich ist die fortgeschriebene Arbeitskostenerhebung der Europäischen Union (Basisjahr 2012; für Deutschland: Basisjahr 2016). Daneben wurden auch Daten aus Japan und den USA einbezogen. Die Daten wurden erstmals für alle Länder für die gesamte chemisch-pharmazeutische Industrie errechnet. Zu den Arbeitskosten zählen neben den gezahlten Löhnen auch die vom Arbeitgeber getragenen Sozialversicherungsbeiträge, der bezahlte Urlaub, Sonderzahlungen und betriebliche Leistungen für die Altersvorsorge. Abweichungen zu früheren Veröffentlichungen ergeben sich aus dem für Deutschland neuen Basisjahr (Erhebung 2016) sowie durch die erstmalige Einbeziehung der pharmazeutischen Industrie in allen Ländern.


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