BAVC-Mitgliederversammlung 2026: Politik muss Reformbremse lösen
Die diesjährige BAVC-Mitgliederversammlung, die Mitte Juni auf Einladung des Verbands der Bayerischen Chemischen Industrie (VBCI) in München stattfand, stellte die politischen Rahmenbedingungen für die Branche in den Mittelpunkt und griff zugleich zentrale Zukunftsfragen wie die Weiterentwicklung der sozialen Sicherungssysteme auf. Impulse dazu kamen unter anderem von BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel, Ministerpräsident Markus Söder und Prof. Martin Werding, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft sowie in der Rentenkommission.
„Wir müssen Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen“, unterstrich Scharpwinkel. „Es ist höchste Zeit, die Reformbremse zu lösen und wieder Fahrt aufzunehmen.“ Die Koalition aus CDU, CSU und SPD müsse weitere Signale für umfassende Reformen setzen – die Chemie-Arbeitgeber seien bereit, daran konstruktiv mitzuwirken. Entscheidend sei es nun, den eingeschlagenen Reformprozess konsequent fortzusetzen und strukturelle Hemmnisse abzubauen.
Beispiel Arbeitszeit: „Die Anforderungen von Beschäftigten und Unternehmen beim Thema Arbeitszeit sind heute unglaublich vielfältig und individuell.“ Notwendig sei eine Weiterentwicklung des Arbeitszeitrechts, die beiden Seiten mehr Flexibilität bringe und den Anforderungen der modernen Arbeitswelt besser gerecht werde. „Zudem sollte die Bundesregierung bei der Reform des Arbeitszeitrechts verstärkt auf die Kompetenz der Sozialpartner setzen“, so die BAVC-Präsidentin.
Sozialstaat zukunftsfest aufstellen
Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. „Deutschland braucht einen verlässlichen Sozialstaat, der finanzierbar, generationengerecht und stärker auf Beschäftigung ausgerichtet ist. Steigende Sozialabgaben dürfen den Faktor Arbeit nicht weiter belasten. Im Gegenteil: Zukunftsgerichtete Sozialpolitik sorgt für eine Entlastung der Beitragszahler“, sagte die BAVC-Präsidentin. „Erforderlich sind Reformen, die Ausgabendynamik begrenzen, Eigenverantwortung stärken und die sozialen Sicherungssysteme langfristig stabilisieren – im Interesse von Beschäftigten, Unternehmen und des Standorts insgesamt.“
Daran anknüpfend nahm der Wirtschaftsweise Prof. Martin Werding die langfristigen Herausforderungen der sozialen Sicherungssysteme in den Blick. Im Fokus stand insbesondere die aktuelle Lage der gesetzlichen Rente und die Arbeit der Rentenkommission. Werding ordnete die bestehenden Reformbedarfe ein und griff dabei zentrale Aspekte auf, die auch aus Sicht der Chemie-Arbeitgeber von Bedeutung sind – etwa die Stärkung von Beschäftigungsanreizen, Generationengerechtigkeit und langfristige Finanzierbarkeit. Seine Einordnung machte deutlich, dass strukturelle Anpassungen notwendig sind, um die Systeme dauerhaft tragfähig zu gestalten.
Wettbewerbsfähigkeit und Standort stärken
Ministerpräsident Markus Söder betonte in seinem Beitrag die Bedeutung der Branche für den Standort Bayern: „Der Freistaat ist ein Spitzenstandort für Chemie und Pharma mit fast 300 Betrieben und über 66.000 Beschäftigten. Ohne Chemie geht auch im Hightech-Zeitalter nichts.“ Um diese Stärke zu erhalten, brauche es vor allem Entlastungen bei Bürokratie und Lohnnebenkosten sowie Fortschritte bei Energieversorgung und Infrastruktur. „Wir brauchen Reformen und Entlastungen – etwa bei Krankenversicherung, bei Rente und Steuern. Gleichzeitig brauchen wir mehr, sichere und günstige Energie und einen schnellen Netzausbau für unsere Hightech-Standorte.“