BAVC-Mitgliederversammlung: Politik muss Reformbremse lösen
Die Chemie-Arbeitgeber fordern die Bundesregierung auf, den eingeschlagenen Reformprozess konsequent fortzusetzen. „Deutschland hat mit seinem Know-how und seinen Fachkräften große Potenziale, die uns im internationalen Wettbewerb Vorteile verschaffen. Wir müssen mit strukturellen Reformen dafür sorgen, dass uns hohe Kosten für Energie, Arbeit und Bürokratie nicht länger ausbremsen“, sagte BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel zur Eröffnung der BAVC-Mitgliederversammlung 2026 in München. Weitere Redner waren der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Martin Werding, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft.
„Wir müssen Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen“, unterstrich Scharpwinkel. „Es ist höchste Zeit, die Reformbremse zu lösen und wieder Fahrt aufzunehmen.“ Die Koalition aus CDU, CSU und SPD müsse weitere Signale für umfassende Reformen setzen – die Chemie-Arbeitgeber seien bereit, daran konstruktiv mitzuwirken.
„Deutschland braucht einen verlässlichen Sozialstaat, der finanzierbar, generationengerecht und stärker auf Beschäftigung ausgerichtet ist. Steigende Sozialabgaben dürfen den Faktor Arbeit nicht weiter belasten. Im Gegenteil: Zukunftsgerichtete Sozialpolitik sorgt für eine Entlastung der Beitragszahler“, sagte die BAVC-Präsidentin. „Erforderlich sind Reformen, die Ausgabendynamik begrenzen, Eigenverantwortung stärken und die sozialen Sicherungssysteme langfristig stabilisieren – im Interesse von Beschäftigten, Unternehmen und des Standorts insgesamt.“ Starke und wettbewerbsfähige Unternehmen seien die Grundvoraussetzung für langfristig sichere Jobs, stabile Einkommen und Sozialsysteme, die dauerhaft für die notwendige Absicherung bei Krankheit, Pflege, Arbeitslosigkeit und im Alter sorgen.
Zur Debatte um die Reform des Arbeitszeitgesetzes sagte Scharpwinkel: „Die Anforderungen von Beschäftigten und Unternehmen beim Thema Arbeitszeit sind heute unglaublich vielfältig und individuell.“ Notwendig sei eine Weiterentwicklung des Arbeitszeitrechts, die beiden Seiten mehr Flexibilität bringe und den Anforderungen der modernen Arbeitswelt besser gerecht werde. „Zudem sollte die Bundesregierung bei der Reform des Arbeitszeitrechts verstärkt auf die Kompetenz der Sozialpartner setzen“, so die BAVC-Präsidentin.