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„Mit ihren Forderungen streut die IGBCE Sand ins Getriebe des Strukturwandels“, kritisiert BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller die heute veröffentlichte Forderungsempfehlung für die Chemie-Tarifrunde 2022. „Damit der Umbruch der Industrie gelingt, brauchen wir umfangreiche Investitionen, keine umfangreichen Forderungspakete. Investieren statt verteilen – das muss das Motto für die Tarifrunde sein.“

Stiller: „Chemie im Umbruch vor gewaltigen Herausforderungen“

„Die IGBCE kann nicht einerseits Milliarden-Investitionen der Unternehmen einfordern und ihnen andererseits tief in die Tasche greifen. Der Euro lässt sich nur einmal ausgeben“, sagte Stiller. „Die Transformation wird ein Marathon – und die IGBCE will den Unternehmen gleich zu Beginn ordentlich Steine in den Rucksack legen. Unsere Branche kann den gewaltigen Umbruch aber nur erfolgreich anpacken, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer im internationalen Standortwettbewerb an einem Strang ziehen.“ Eine Steigerung der Entgeltsumme um 1 Prozent kostet die Arbeitgeber jährlich 350 Millionen Euro.

Kein Nachholbedarf aufgrund steigender Preise

Auch die aktuelle Preisentwicklung ist als Begründung für Entgeltsteigerungen nicht geeignet. Diese sei zum einen Folge der geänderten Mehrwertsteuer sowie kurzfristiger Lieferengpässe. Ein anderer Teil gehe auf bewusste politische Entscheidungen etwa zur Verteuerung fossiler Brennstoffe zurück. „Es ist aber nicht Aufgabe der Lohnpolitik, diese Maßnahmen aufzufangen, zumal sie auch die Unternehmen selbst treffen.“ Die langfristige Entwicklung zeige: „Seit 2010 sind die Preise um 16 Prozent gestiegen, die Tarifentgelte aber um fast 30 Prozent. ‚Nachholbedarf‘ gibt es in unserer Branche definitiv nicht“, stellte Stiller fest. Vor nicht einmal fünf Monaten wurden die Entgelte um 1,3 Prozent erhöht. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten seit diesem Jahr mehr Weihnachtsgeld: 100 Prozent statt wie bisher 95 Prozent eines tariflichen Monatsentgelts. Im Schnitt verdienen Tarif-Beschäftigte in Vollzeit in der Chemie heute rund 64.000 Euro jährlich.

Chemie-Produktion nicht höher als 2018

Mit Blick auf die Wirtschaftsdaten der Chemie- und Pharmabranche sagte Stiller: „Die Zuwachsraten in einzelnen Bereichen bei Produktion und Umsatz zeigen vor allem, wie tief der Einbruch durch die Pandemie gewesen ist. In dieser Zeit haben die Betriebe mit viel Geld und Aufwand Arbeitsplätze gesichert. Aktuell sind die Unternehmen massiv getroffen durch Lieferengpässe, zum Teil dramatisch steigende Rohstoffkosten und vielfältige Logistikprobleme. Die auf den ersten Blick ordentlichen Wirtschaftsdaten der Branche werden sich deswegen nicht überall in entsprechende Ergebnisse übersetzen.“

Trotz der konjunkturellen Erholung der vergangenen Monate liegt die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie zudem weiterhin nicht höher als 2018. Stiller: „Die Kostenklemme innerhalb der Branche nimmt zu. Steigende Verkaufspreise und Umsätze für die einen sind höhere Kosten für Vorprodukte bei anderen.“ Hersteller von Lacken und Farben beispielsweise profitierten nicht vom Erfolg einzelner Pharmaunternehmen. Und kunststoffverarbeitende Betriebe spürten massiv steigende Erzeugerpreise und damit Umsätze weiter Teile der Petrochemie in erster Linie als Kosten für ihre Vorprodukte. „Ein Teil der Unternehmen erwartet sinkende Umsätze oder Erträge. Auch für diese Unternehmen muss der Flächentarif bezahlbar sein.“

Hohe Wertschätzung für Schichtarbeit im Tarifvertrag

„Schichtarbeit ist in der Chemie- und Pharmaindustrie von großer Bedeutung. Etwa 30 Prozent der Beschäftigten arbeitet teil- oder vollkontinuierlich“, sagte Stiller. „Die Unternehmen schätzen die besondere Leistung der Schichtbeschäftigten sehr. Das zeigen die tariflichen Schichtzulagen, aber auch andere Faktoren wie Zusatzurlaub, zusätzliches Urlaubsgeld und Entlastungen bei der Arbeitszeit“, so Stiller. Ob hier tariflich weiterer Handlungsbedarf besteht, müssten die Verhandlungen zeigen. Angesichts der hohen Entgelte und der bestehenden Regelungen sei dieser jedenfalls nicht offensichtlich. 

Erfolgreiche Transformation mit erfolgreichen Unternehmen

Mit Blick auf die Forderung der IGBCE, den Strukturwandel per Tarifvertrag abzufedern, sagte Stiller: „Dass die IGBCE den Umbruch der Branche nicht kleinredet, ist ein gutes und wichtiges Signal für unsere Industrie. Wir müssen den Wandel gemeinsam angehen.“ Dabei sollten aber auch die Sozialpartner darauf achten, den Handlungsspielraum auf betrieblicher Ebene nicht einzuschränken. „Unsere Aufgabe als Tarifparteien ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Das ist der einzig realistische Weg, um Standort und Beschäftigung zu sichern“, so Stiller. Regelungen für mobiles Arbeiten hatten BAVC und IG BCE bereits 2019 vereinbart. 

Ausbildung: Großes Engagement der Arbeitgeber

Stiller appellierte an die Gewerkschaft, aus dem Gewinnerthema Ausbildung kein Konfliktthema zu konstruieren: „Das Engagement der Unternehmen für die duale Ausbildung ist seit vielen Jahren auf einem Top-Niveau. Auch wenn die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze infolge der Pandemie rückläufig ist: Die Perspektiven für junge Menschen in unserer Branche sind klasse, die Übernahmezahlen hoch. Das eigentliche Problem liegt zunehmend darin, alle angebotenen Ausbildungsplätze auch zu besetzen. 2020 blieb bereits jeder zwölfte Platz unbesetzt. In diesem Jahr bekommen viele Betriebe die Nachwirkungen von Lockdown und Schulschließungen besonders zu spüren. Die Bewerberlage ist vielerorts noch schwieriger geworden.“

So verzeichnet der Ausbildungsmarkt 2021 nach der vorläufigen Bilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) nochmals einen Rückgang der gemeldeten Bewerber um gut 8 Prozent, nach ähnlich hohen Einbußen im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr ist es den Chemie-Arbeitgebern trotz Corona-Krise gelungen, mehr als 9.000 neue Ausbildungsplätze anzubieten. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 26.000 Auszubildende in über 50 Berufen.

Die Tarifverhandlungen für die 580.000 Beschäftigten in den 1.900 Betrieben der Chemie- und Pharmaindustrie beginnen am 2. März 2022 mit den Verhandlungen auf regionaler Ebene.

Mehr Informationen zur Tarifrunde #Chemie22 unter www.bavc.de/tarifrunde

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